Punkt 19 Uhr deutscher Zeit betritt Jobs seine Bühne im YBCA Theater in San Francisco. Wie immer trägt der charismatische Apple-Chef seine schlichte Kluft, bestend aus schwarzem Pulli, Jeans und weißen Joggingschuhen. Er hat seinen Jüngern viel mitgebracht. Mehr als die meisten dachten. Neue iPods, ein Social-Music-Dienst namens Ping, ein Update des Betriebssytem iOS mit dem Spieleservice Game Center und die komplett überholte Online-Videothek Apple TV gehörten zu den Highlights.

Neues Update: Knippsen, spielen, streamen
Nach der üblichen Selbstbeweihräucherung mit großen Zahlen und der Verkündung neuer Apple Stores in Paris, Schanghai und London, die erste wirklich interessante Neuigkeit: Das Betriebssytem iOS 4.1. soll viele der Fehler des Vorgängerbetriebssystem ausmerzen, die iPhone-4-User ertragen mussten. Das Update ermöglicht zudem Fotos mit High Dynamic Range (HDR). Bei einer Aufnahme werden automatisch drei Fotos gemacht: eins überbelichtet, eins unterbelichtet und ein normales. Daraus errechnet die Software das bestmögliche Bild.

Weiteres Highlight des Updates:
der Multiplayer-Online-Spieledienst „Game-Center“. Mit ihm möchte Apple endgültig zum Marktführer für mobile Spiele werden. Das Potential neu entwickelter Spiele wurde erstaunlich opulenten 3D-Action-Rollenspiel mit dem Arbeitstitel „Project Sword“ demonstriert. Über den Dienst können Freunde auf iPods, iPads und iPhones herausgefordert werden. „Wer keine Freunde hat“, scherzte Jobs, „den verbinden wir mit irgendjemanden“. iOS 4.1. wird nächste Woche verfügbar sein. Im November folgt Update 4.2, exklusiv für das iPad, unter anderem mit einer Funktion, um Druckaufträge für Dokumente und Internetseiten drahtlos zu übermitteln. Darüber hinaus können Audio- und Videodaten damit via Wi-Fi gestreamt werden.

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Neue iPods: Praktisch, quadratisch, gut
Wie üblich im September zeigte Jobs neue iPods, rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft. Darunter den neuen iPod Shuffle, den kleinsten der Familie. Er bekommt wieder ein Steuerungsrad, das man in seiner letzten Variante schmerzlich vermisste, kommt in fünf Farben und spielt bis zu 15 Stunden Musik am Stück und kostet 49 Euro mit zwei Gigabyte Speicher. Sprechen kann er auch: Mit VoiceOver kann man sich Künstler, Titel und Playlisten ansagen lassen.


Der iPod Nano ist ab sofort quadratisch, nur noch halb so schwer und halb so groß wie sein Vorgänger. Hält man ihn in der Hand, erinnert er an eine digitale Armbanduhr ohne Armband. Er hat einen Clip, lässt sich via Multitouch bedienen und hält bis zu 24 Stunden durch bei normalem Musikbetrieb. Er ist in sieben Farben erhältlich und kostet mit 8 Gigabyte Speicher 159 Euro, mit 16 Gigabyte 189 Euro.


Äußerst erfreulich viel die neuste Version des iPod Touch aus, die nun endgültig zum iPhone ohne Telefonfunktion avanciert. Der iPod Touch 4G kommt mit dem brillanten Retina-Display, einem leistungsfähigen Chip für Videospiele und kann Videos in HD aufnehmen. Er hat je eine Kamera auf der Vorder- und Rückseite. Damit ist er gerüstet für Face Time, wie Apple Videotelefonie so schön nennt. Drei Speicher-Varianten sind ab nächster Woche erhältlich: 8 Gigabyte für 229 Euro, 32 Gigabyte für 299 Euro und 399 Euro für 64 Gigabyte. Der Akku reicht für 40 Stunden Musik am Stück.

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Neues iTunes: Freundschaftsdienst für Musikliebhaber
Auch iTunes bekommt nicht nur ein Update, sondern auch noch ein neues Logo. Nachdem man kurz davor steht, die CD-Verkäufe in den USA zahlenmäßig zu überholen, wurde die Silberscheibe nun aus dem Logo entfernt. Übrig bleiben die Noten. Die übersichtlichere Darstellung für Alben ist eher ein nettes Detail. Sehr gespannt higegen darf man auf die Entwicklung der integrierten Social-Music-Plattform Ping sein. Eine Art „Facebook und Twitter trifft auf iTunes“, wie Steve Jobs es zusammenfasste. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Musiktipps von Freunden zu erhalten, die eigene Lieblingsmusik zu präsentieren oder aktuelle Posts wie Nachrichten, Fotos und Videos von Lieblingskünstlern zu abonnieren. Zudem wird man über Konzerttermine informiert.


Neues Apple TV: Endlich ein Hit?
Zuguterletzt widmete sich Jobs noch seinem Apple TV, das, wie er selbstkritisch zugab, bisher kein großer Hit war. Zu kompliziert, zu teuer. In der neuen Variante sollen der kleine schwarze Kasten und unsere Fernseher zum „Streamteam“ zusammenwachsen, inhaltlich wolle man sich auf Hollywood-Filme und TV Serien in HD konzentrieren. Neue Filme können in den USA zukünftig für 4,99 Dollar geliehen werden. Das Kaufmodell wird in diesem Bereich ganz abgeschafft. Dafür fällt der Preis für die Serien-Episoden auf 0,99 Dollar, allerdings nicht für den Kauf, sondern lediglich das Ausleihen der Episode. Bisher stellen die amerikanischen Sender ABC und Fox ihre Serien zur Verfügung. Jobs zeigte sich aber zuversichtlich, dass weitere bald nachziehen werden. Weiterhin lassen sich über das Gerät auch drahtlos Fotos, Musik und Filme von Computern auf den Fernseher streamen. In vier Wochen soll die kleine schwarze Box für 119 Euro auch bei uns erhältlich sein. Welchen Content man in Deutschland gerade im Bereich Serien erwarten darf, ist noch unklar.

Insgesamt ein aufregendes Paket an Hard- und Software, für das Jobs spätestens bei der nächsten Keynote wieder stolze Erfolgszahlen präsentieren dürfte.

Text: Sascha König