Das tapsige Tigerjunge im Fernseher will spielen. Seine großen Kinderkatzenaugen leuchten. Es möchte dressiert und gestreichelt werden. Kaum hätschelt man mit den eigenen Händen die Luft, schon kraulen transparente Hände den schnurrenden Babytiger. „Kinectimals“ heißt dieses Spiel. Es ist das modernste Tamagotchi der Welt, erhältlich zum Verkaufsstart von Microsofts Bewegungssensor Kinect für die Xbox 360. Das System kommt völlig ohne Controller aus. Spiele werden mit Kinect ausschließlich durch Körperbewegungen und Stimme gesteuert. Das gab es so noch nie.

Menüs beispielsweise schrubbt man mit Wischbewegungen durch, fast wie Tom Cruise im Film „Minority Report“. Kinect muss einmalig den Raum vermessen. Danach tritt jeder Spieler einfach davor und zappelt los. Möglich macht das eine Kombination aus Infrarotsensoren, Kamera und Mikrofon. Das Choreografiespiel „Dance Central“ verdeutlicht: Kinect erkennt erstaunlich gut, ob man Bewegungslegastheniker ist oder Rhythmus im Blut hat. Gerade Nichtspieler soll die unkomplizierten Steuerung anlocken. Konkurrent Sony hat schon länger ein virtuelles Haustierchen. Es heißt Eye Pet und sieht aus wie ein Monchichi. Ab Mitte September soll es noch mehr Spaß machen, mit dem Äffchen zu spielen. Dann nämlich kommt Bewegung in die PS3. Allerdings ist das System namens Move weitaus weniger aufregend. Es besteht aus einer Kamera mit Mikrofon und einem kabellosen Motion-Controller mit bunt leuchtendem Bällchen. Der zusätzlich erhältliche Navigation-Controller mit Analog-Stick und Richtungstasten ist vor allem für Shooter gedacht. Im Prinzip ist die PS3 plus Move also nicht viel mehr als eine präzisere Nintendo Wii mit besserer Grafik – allerdings zusammen auch deutlich teurer. Die Steuerung muss bei Spielbeginn für jeden Spieler neu kalibriert werden. Ein zeitraubendes Prozedere, das bei häufigem Spielerwechsel die Geduld strapaziert.

Fazit: Kinect ist ein völlig neuartiges Spielerlebnis. Den Standard-Controller kann es aber noch nicht völlig ersetzen. Für Shooter beispielsweise ist das System zu unpräzise. Move ist eine tolle Ergänzung für Leute, die bereits eine PS3 besitzen. Alle Möglichkeiten beider Systeme, Kinetic und Move, werden ohnehin erst die 2011 erscheinenden Spiele zeigen. So lange bringt man dem kleinen Tiger und dem Äffchen einfach jede Menge neuer Kunststücke bei.

Sascha König