Denen, die es gar nicht gemerkt haben, sei hiermit gesagt: Wir Sind Helden haben gerade eine Schaffenspause hinter sich. Wirklich. Die hatte die Band nach ihrem dritten Album „Soundso“ sowie der daran anknüpfenden, wie üblich rechtschaffend ausufernden Tour verkündet. Stolze sechs Monate lang haben sie es ausgehalten, etwas anderes zu tun, als Deutschlands beste Popband zu sein. Dennoch merkt man ihrem nun erscheinenden vierten Album „Bring mich nach Hause“ schnell an, dass so etwas wie ein Innehalten stattgefunden hat.

Zum einen liegt das am Sound. Gitarrist und Keyboarder Jean-Michel Tourette erläutert: „Wir haben nicht, wie bei den letzten beiden Alben, jede Menge Studiotechnik eingesetzt, sondern das Album wie ganz zu Beginn quasi live im Studio aufgenommen.“ Kurz: Das Album klingt schlichter, weniger produziert, als etwa vor drei Jahren „Soundso“. Es erinnert eher an das mittlerweile fast legendäre Debüt „Die Reklamation“, verzichtet allerdings auf dessen fulminante Keyboard-Riffs. Was noch auffällt: Es hat sich textlich einiges getan. Zwar gibt es nach wie vor jede Menge der für Judith Holofernes typischen Wort- und Reimspielereien, die man erst auf Kissen sticken und dann knuffen möchte. Dafür fehlt aber jede – für sie ebenso typische – Konsum- oder Sozialkritik. Die Songs auf „Bring mich nach Hause“ sind allesamt kleine, persönliche, emotionale Geschichten. Holofernes: „Mir war, als hätte ich mich an allem schon einmal abgearbeitet. Es fiel mir diesmal einfach leichter, mich mit persönlichen Geschichten zu beschäftigen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich nicht in Zukunft wieder etwas finde, über das ich mich mit Freuden aufregen kann.“

Video-Tipp: „Bring mich nach Hause“ von Wir Sind Helden

Bis es so weit ist, freuen wir uns aber auch gern über Lieder wie „Die Ballade von Wolfgang und Brigitte“, die zu den schönsten Songs gehören, die man bisher von Wir Sind Helden hören durfte.

Christian Zeiser