Manchmal ist es ganz gut, wenn sich Wünsche nicht erfüllen. So wie der von Jason Kay, als er sich vor 20 Jahren als Sänger bei den Brand New Heavies bewarb, die wie er aus Ealing stammen. Sie haben ihn nicht gewollt. Daraufhin hat er sein eigenes Ding gemacht: eine Mischung aus Funk und Jazz. Mit exzellenten Musikern, für die sich aber nie jemand wirklich interessiert hat, weil Jay Kay mit seinen seltsamen Kopfbedeckungen alle anderen in den Schatten stellte. Er war der Typ mit den Fellmützen und dem Schnelle-Autos-Tick, dessen Umweltschutz-Engagement nicht ganz glaubhaft wirkte, dafür aber eingängig groovte.

Video-Tipp: Jamiroquai – „White Knuckle Ride“

Mittlerweile trägt er Trilby. Schließlich ist er jetzt 40. Fünf Jahre war nichts von ihm zu hören. Vielleicht hat er sich gelangweilt auf seinem Landsitz im idyllischen Buckinghamshire. Vielleicht war es die Angst davor, in Vergessenheit zu geraten. Egal, welchen Grund er dafür hatte, wieder mit seinen Bandkollegen ins Studio zu gehen – es war eine gute Entscheidung. Weil seine falsettartige Stimme fehlte, die so eindringlich wie angenehm ist. Wer sollte uns sonst im Tanzschritt von Meteoriten, die die Menschheit eines Tages in die Steinzeit zurückwerfen werden, erzählen? Manchmal erinnert das, was er sagt, ein bisschen an Nina Hagen. Und die Musik an Reggae. Wie in „Goodbye To My Dancer“. „Rock Dust Light Star“ ist ein Album wie ein Chamäleon. Ein bisschen Dub, ein bisschen Rock, ein bisschen Pop, ein bisschen Funk, ein bisschen Disco, zig musikalische Erinnerungen.

Doch statt aus dieser scheinbar beliebigen Mischung nichts Halbes und nichts Ganzes zu fabrizieren, bekommen Jamiroquai etwas ganz Großes hin. Musik, die sich je nach Stimmungslage verändert, zu der man wunderbar Löcher in die Luft starren kann oder aufgedreht tanzen. Selbst Lieder wie „Blue Skies“, die in manchen Momenten an einen engelbeschwörenden Robbie Williams erinnern, wirken nicht klebrig sondern auf angenehme Weise ernüchternd. Sie klingen nach Showtreppe („Lifeline“), Glitzerplateauschuhen („Hurtin'“) und Science-Fiction-Filmen. Dazu kommt diese beruhigende Stimme. „Pass auf, was du dir wünschst“, mahnt sie zwischen den Zeilen in „White Knuckle Ride“. Die Gedanken kreisen. Die Musik schwappt darüber. Die Füße wippen. Jay Kay ist wieder da. He can leave his hat on.