Es ist lange her, da fuhr der ein oder andere Autofahrer mit einem Aufkleber auf der Heckklappe herum, auf dem stand: „Wozu Atomkraft? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose.“ Das sollte erstens lustig sein. Zweitens wollten die Fahrer jener Wagen sagen: Würden wir die Atomkraft abschaffen, würdet ihr schön blöd gucken, so ganz ohne Mikrowellenherd. Mittlerweile könnte man ihnen erwidern: „Wozu Atomkraft? Bei mir kommt der Strom aus dem Stiefel.“

Eine erkleckliche Anzahl von Gadgets erlaubt es mittlerweile, unabhängig von Kraftwerkbetreibern selbst Strom zuerzeugen. In eher kleinen Mengen, aber immerhin. Ursprünglich für Entwicklungsländer wurde der Soccket entwickelt: Im Inneren des Fußballs befindet sich ein Generator, der beim Spielen die kinetische Energie in Strom umwandelt und speichert. Anschließend kann man zum Beispiel eine LED-Lampe an seiner Steckdose betreiben.

Wanderer und Festivalbesucher werden sich über die Power Wellys der Firma Orange freuen: Die Gummistiefel funktionieren ähnlich wie der Soccket, an ihren Anschlüssen lassen sich Handys aufladen. Körperlich weniger anstrengend ist die Stromerzeugung mit Gadgets, die die Arbeit von der Sonne verrichten lassen. In den Deckel der Solartasche Elegance des Schweizer Herstellers Element5 sind Solarzellen verbaut, innen befinden sich Anschlüsse für iPhone, Nokia-Handys und Mini-USB, an denen Geräte sicher verstaut aufgeladen werden können. Das U-Powered der neuseeländischen Firma KiwiChoice indes ist ein Solarladegerät samt eigenem Akku, dessen Ladung auf eine Vielzahl kleinerer Geräte übertragen werden kann.

Zumindest unterwegs wäre der vorzeitige Ausstieg aus der Atomenergie also schon mal geschafft.

Christian Zeiser