PRINZ: Woher kommt eigentlich Ihr Faible für die 60er-Jahre? Duffy: Wie frustrierend, jeder hält mich für ein Retro-Girlie. Okay, ich habe in meiner Jugend ständig die Motown-Künstler im Radio gehört. Trotzdem klingt meine Musik überaus zeitgemäß, nicht gestrig.

Sie haben mit Albert Hammond an Ihrem neuen Album „Endlessly“ gearbeitet. Der Mann ist 40 Jahre älter als Sie. Lagen Sie wirklich auf einer Wellenlänge? Na klar. Ich verrate Ihnen etwas: Schon als Kind war ich eine uralte Seele. Deshalb habe ich einen guten Draht zu Älteren. Meine 59-jährige Friseurin ist eine meiner engsten Vertrauten. Ich rufe sie mitten in der Nacht an, wenn ich jemanden zum Reden brauche. Nachdem ich 2009 bei den Brit Awards richtig abgeräumt hatte, habe ich bei ihr auf dem Sofa geschlafen.

Wo stehen Ihre Brit Awards heute?
Einen hat meine Mutter bekommen, die beiden anderen liegen bei mir in einer Truhe, zusammen mit dem Grammy. Sie ständig herzuzeigen fände ich ein bisschen prätentiös.

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Weil Sie dann größenwahnsinnig werden würden?Um mit dem Erfolg klarzukommen, braucht man einen gesunden Realitätssinn. Den habe ich zum Glück. Ich mache einfach Musik. Nicht mehr und nicht weniger. Deswegen bin ich kein Stück besser als der Normalbürger. Etwas Besonderes wäre ich nur, wenn ich jemandem das Leben gerettet hätte.

Ist Bodenständigkeit eine typisch walisische Eigenschaft? Wir Waliser sind tatsächlich geerdete, eher raue Menschen. Darum nennt man mich auch „Toughy“. Im Ernst: Warum sollte ich mich mit Alkohol und Drogen zudröhnen? Da würde ich ja gar nicht mehr mitkriegen, dass ich gerade meinen Traum lebe. Hey, ich war mit The Roots im Studio. So was möchte ich doch ganz bewusst wahrnehmen.

Sie scheinen ein echter Fan dieses Rapperkollektivs zu sein? Aber hallo. Seit ich die Jungs in London live gesehen habe, liebe ich ihren organischen Sound. Ehrlich gesagt wollte ich sie schon für mein erstes Album gewinnen. Leider bekam ich nie eine Antwort, als ich ihnen mein „Rockferry“-Demo schickte. Die haben wohl bloß Frisbee mit meiner CD gespielt. Hat Sie das geärgert? Ach, das Leben ist zu kurz, um sich wegen solcher Sachen fertigzumachen. Wer alles kaputt analysiert, beschränkt sich doch nur selbst.