Wie lautet das Rezept für einen Hit? Cee Lo Green müsste es eigentlich wissen. Als eine Hälfte von Gnarls Barkley hatte der US-Amerikaner schließlich schon mal einen riesengroßen: „Crazy“, ihre Ode an den Wahnsinn, verkaufte sich sieben Millionen Mal. Lächerlich wirkt diese Zahl nur dann, wenn man weiß, dass das Video zu „Fuck You“, dem verflucht eingängigen Popsong aus Cee Lo Greens neuem Soloalbum „The Lady Killer“, im Internet schon knapp 17 Millionen Mal aufgerufen wurde. In England verdrängte er gar Robbie Williams und Gary Barlow von der Chartspitze. Schon wieder ein Hit also. „Dahinter steckt ein altertümliches Geheimnis, das ich leider nicht verraten darf“, scherzt der 36-Jährige. „Um ehrlich zu sein: Ich weiß selbst nicht, was einen Hit ausmacht. Ich bin sehr intuitiv und ehrlich, was meine Emotionen, meine Äußerungen, meine Kunst und mein Image betrifft. Vielleicht ist es das.“

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Auf „The Lady Killer“ geht Cee Lo Green ganz intuitiv seiner Liebe zu souligem Pop nach. Motown und Funk gibt es darauf zu hören, Neo-Soul und R&B, vereint in einer modernen Melange. In der Midtempo-Nummer „Cry Baby“ tragen Bläser und Streicher seine unverkennbar quakende Wuchtstimme. „Satisfied“ klingt so beschwingt, dass Ärzte es als Antidepressivum verschreiben sollten. Und „Old Fashioned“, das so schön knarzt wie eine alte Schallplatte, ist eine wunderbare Schnulze im Stil der 50er-Jahre. Cee Lo Green gibt auf „The Lady Killer“ nämlich nicht nur den gut gelaunten Entertainer, der mit seinen bissigen und cleveren Texten zum Lachen bringt oder eben auch mal trotzig „Fuck You“ schmettert. Er zeigt in den vielen Balladen auch ein anderes Gesicht. „The Lady Killer“, das stehe nämlich für „Lover“ und „Fighter“, weil beides in ihm stecke. „Dieses Album ist sexy und anspruchsvoll zugleich“, sagt er. „Ich fühlte mich sexy, als ich es aufgenommen habe. Aber ich wollte auch meine weiche und sensible Seite zeigen.“

Musik war für Cee Lo Green, bürgerlich Thomas DeCarlo Callaway, schon als Teenager ein Weg, um seine Gefühle zu kanalisieren. Nach dem Tod seiner Mutter war der damals 16-Jährige oft aggressiv – bis er seine Wut in den Texten seiner HipHop-Band Goodie Mob sinnvoll verpacken konnte. „Reinigend“ waren laut Cee Lo Green auch die beiden Gnarls-Barkley-Alben. „Es ist nicht gut, etwas zu lange mit sich herumzutragen“, weiß er. Gut, dass er auf „The Lady Killer“ alles rauslassen kann: Liebe, Hass, Sehnsucht und Glück. Cee Lo Green selbst bezeichnet es ganz bescheiden als sein Meisterwerk. Kann man so stehen lassen.