Es überrascht nicht, dass sich Frankie & The Heartstrings von Altmeister Edwyn Collins („A Girl Like You“) produzieren ließen. Denn das Quintett aus Sunderland im Nordosten Englands verwendet für seine Musik Elemente, mit denen schon Collins erste Band Orange Juice Anfang der 80er den Indierock prägte. Schnelle, hochgepitchte Gitarren und kluge Popmelodien, ergänzt durch die direkten Vocals von Frankie Francis. Und die subtile Romantik in ihren Songs. Dazu kommen Referenzen wie an die Alben von Scott Walker in „Photograph“. Oder an die Novellen von F. Scott Fitzgerald in der Single „Tender“.

Das Albumcover ziert ein Schwarz-Weiß-Foto von Keith Pattison aus der Zeit des britischen Minenarbeiterstreiks Mitte der 80er. „Wenn wir es wie Orange Juice schaffen, anspruchsvollen Pop in einer Zeit zu etablieren, in der keiner mehr daran glaubt, würde ein Traum für uns wahr“, erklärt Francis ihre Ambitionen. Diese hindern die Band nicht daran, einen romantischen Idealismus in die Gitarrenmusik zurückzubringen, wie es ihn seit Morrissey kaum mehr gab. „Wir schämen uns nicht zu sagen, dass die meisten unserer Lieder von Mädchen handeln“, meint Francis. „Wenn die Platte also ein Thema hat, dann ist das Liebe, Lust und Herzschmerz.“ Schließlich bedeutet der Name Heart-strings so viel wie „innerste Gefühle“. „Man lebt, liebt, leidet und lernt. Und dann schreibst du ein Album darüber“, so der 26-Jährige.

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Als sich die Bandmitglieder vor zwei Jahren kennenlernten, war Francis noch Wirt in einer Kneipe. Zu den coolen Typen der Stadt gehörten sie nie. „Eher zu den etwas merkwürdigen. Aber nun sind wir wohl cool! Und besser cool in Sunderland als cool in London, wo jeder darum buhlt.“ Das Städtchen brachte in den letzten Jahren schon Bands 82wie The Futureheads, Maximo Park und Field Music hervor. Vielleicht auch ein Grund, warum Frankie & The Heart-strings mit geschwellter Brust auftreten. Sie seien „besser als die Beatles“, behaupteten die Jungs unlängst. „Das macht den Spaß aus, in einer Band zu sein. Wir mögen die Beatles nicht, deshalb ist es uns egal, wenn wir ihnen auf die Füße treten.“

Video-Tipp: „Hunger“ von Frankie & The Heartstrings

Auch wenn Francis betont, alle Dekaden und Genres mit seiner Musik beerben zu wollen, flirtet er besonders gern mit den 50ern. Der Frontmann wird nicht grundlos als James Dean der Gruppe bezeichnet, trägt er doch eine sehr schöne Tolle. Das englische Männermagazin „GQ“ hob ihn dafür auf Platz 39 der stylischsten britischen Männer. „Ich denke aber, jeder in der Band will ein Herzensbrecher sein“, lächelt Francis. Ihrem Produzenten Collins hat er jüngst ein Denkmal gesetzt: Er ließ sich ein Selbstbildnis, das Collins während seiner Genesung von zwei Schlaganfällen gezeichnet hatte, auf den Arm tätowieren. Auch das ist ja irgendwie romantisch.