Vor einigen Wochen tauchte ein Youtube-Video auf, in dem der vierjährige Bruno Mars als Elvis-Imitator im Glitzeranzug die Hüften kreisen lässt. „Das ist so lange her“, meint er heute und ist sich selbst nicht sicher, wie er die Konfrontation mit seiner Vergangenheit finden soll. Mars, der bürgerlich Peter Hernandez heißt, wuchs auf Hawaii auf. Seine Eltern hatten einen Elvis-Souvenir-Shop in Honolulu, in dem er schon als Knirps aushalf. „Ich bin in Graceland aufgetreten, habe Touristen unterhalten und Geld damit verdient“, so der heute 25-Jährige. Und er war gut. So gut, dass er 1992 in „Honeymoon in Vegas“ mit Nicolas Cage und Sarah Jessica Parker sogar einen Gastauftritt bekam.

Wenn man die Vita des 1,65 Meter kleinen Entertainers betrachtet, drängt sich die Frage geradezu auf, warum er erst 2010 die Chance bekam, seinen ersten Solo-Hit, die Ballade „Just The Way You Are“ zu veröffentlichen. „Mädchen standen auf meinen Gesang, aber die Plattenfirmen mochten ihn nicht“, sagt Mars. „Ich musste damals die Entscheidung fällen, ob ich zurück nach Hawaii gehe oder in Los Angeles weiter Musik für andere Künstler produziere.“ Er entschied sich für letzte Variante, denn so konnte er zumindest die eigenen Demos einsingen. Mit dem Schreiben der Hits anderer Leute legte er binnen eines Jahres so viele irritierende Querverweise an, dass sich seine Plattenfirma genötigt sah, eine Art Stammbaum über sein kreatives Schaffen anzufertigen: Aus Mars‘ Feder entsprangen „Wavin‘ Flag“ von K’naan, „Right Round“ von Flo Rida, „Fuck You“ von Cee Lo Green, „Nothing On You“ von B.o.B und Travie McCoys „Billionaire“. Die beiden letzteren Stücke sang er mit den Interpreten gemeinsam. „Ich bin durch die Hintertür hereinmarschiert“, sagt Mars verschmitzt. „Jetzt ist meine Zeit!“Auf seinem Debüt „Doo-Wops & Hooligans“ flirtet er textlich mit vielen Ladys und musikalisch mit unterschiedlichen Stilen: Wie schon bei seinen Kollaborationen versetzt er Pop mit Reggae, schmissigem Funk, HipHop und Dubstep. „Ich habe das Album nicht groß durchdacht. Ich will einfach nette, schlichte Lieder singen“, sagt Mars fast ein bisschen dreist. „In Hawaii wächst man mit dem Wissen auf, dass es nicht viel zum Glücklichsein braucht. Das hört man meinen Songs an.“

Als Niemand hatte Mars die Insel verlassen, als gefeierter Popstar kommt er zurück. Stolz war seine Familie, als er jüngst eine Homecoming-Show in Honolulu spielte – in der Arena, in der schon Elvis 1973 sein legendäres „Aloha From Hawaii“-Konzert filmen ließ. Der kleine King ist bereit für eine große Karriere.

Katja Schwemmers

Video-Tipp: „Just The Way You Are“ von Bruno Mars