Tim Raue beispielsweise wird ein japanisches Menü kreieren, das nach der Vorführung des Films „Jiro dreams of Sushi“ den Gästen im Spiegelzelt im Martin-Gropius-Bau kredenzt wird. Der Film stellt das Drei-Sterne-Restaurant des 85-jährigen Sushi-Meisters Jiro Ono vor.
Seinen Geschmackssinn verliert ein Sommelier in „Camino del Vino“, den Wasserkrieg in Bolivien thematisiert „Tambien la lluvia“. Ein spanisches Filmteam will mit billigen Arbeitskräften in den Anden einen Film über Christoph Kolumbus drehen und gerät mitten hinein in die Revolte der Armen, die für sauberes Trinkwasser kämpfen. Ein Film über Moral und Gewissen mit Gael Garcia Bernal und Luis Tosar.
Das Kulinarische Kino, für den ernährungs- und umweltbewussten Berlinale-Chef Dieter Kosslick eine Herzensangelegenheit, wurde gegründet, „um auf die Beziehungen zwischen Film, Kultur, Küche und Umwelt aufmerksam zu machen“, erklärt Kosslick. „Nahrung verbindet Menschen miteinander und mit der Umwelt. Die Küche ist auch ein Gradmesser der Kultur eines Landes.“
An seine Jugend erinnert sich der britische Autor und Koch Nigel Slater, über den Kollege Jamie Oliver sagt: „Nigel is a bloody genius.“ Slaters Autobiographie über erste Erfahrungen mit Kochen und Sex, Dosengemüse und verbrannten Toast wurde nun mit Helena Bonham Carter als eifersüchtiger Schwiegermutter verfilmt. Beide, Slater und die für „The King’s Speech“ oscarnominierte Aktrice werden zur Vorführung am 17.2. kommen.
Nicht zu allen Filmvorführungen zaubern berühmte Köche für 59 Euro pro Karte (inkl. Film, Essen, Wasser, Wein) ihre passenden Kreationen, einige Filme sind auch zum normalen Berlinale-Kartenpreis von 8 Euro in Spätvorstellungen zu sehen. Hier werden ökologische und soziale Themen stärker in den Mittelpunkt gerückt. Durchaus mit Humor kommentiert Minoru Kurimura in „Meshi to Otone“ (Food an the Maiden) Esstörungen dreier junger Paare. In „The Pipe“ kämpfen irische Fischer gegen die Verlegung einer Pipeline, „Unser Garten Eden“ beschreibt ein multikulturelles Schrebergarten-Idyll in der Schweiz und „Das göttliche Schwein“ kommentiert ebenso wie „Vier Leben“ das Verhältnis von Schlachter und Schwein.
Erweitert wird das Kulinarische Kino in diesem Jahr um eine Tea Time: Vm 14. bis zum 17.2. gibt es täglich ab 17 Uhr Lesungen, unter anderem mit der Schriftstellerin und Food-Aktivistin Karen Duve.