Schicke Tweed-Jacke, offenes schulterlanges Haar, eine Hand um ihren Latte macchiato gefaltet, in der anderen qualmt eine Gauloises: So treffen wir Sarah Kuttner (32) im Konferenzraum ihres Managements in Berlin-Friedrichshain.

PRINZ: Dein neuer Roman heißt „Wachstumsschmerz“. Fällt es dir schwer, erwachsen zu werden?
KUTTNER: Ich denke, dass es allen Leuten so geht. Ich glaube, dass alle nur erwachsen spielen. Eine sehr gute Freundin von mir hat gerade geheiratet. Und ich habe sie gefragt, ob das der Moment ist, ab dem man sich erwachsen fühlt. Und sie meinte: „Bullshit!“ Und dann dachte ich, es muss der Moment sein, wenn man Kinder kriegt. Erwachsener geht’s ja gar nicht. Aber auch das haut nicht hin. Ich kenne so viele Leute, die auf den Balkon gehen, um zu kiffen, während drinnen das Kind gerade schläft.

PRINZ: Bist du mit deinen 32 Jahren schon altersweise geworden?
KUTTNER: Auf bestimmten Ebenen. Ich hab‘ inzwischen sehr viel weniger Lust, im Fernsehen total auf die Zwölf zu gehen und mich über Menschen lustig zu machen. So war ich sowieso nie wirklich, das wurde immer falsch vermittelt. Inzwischen kann ich Leute einfach nicht mehr hundertprozentig hassen. Weil ich denke: Hinter jedem Arschloch steckt doch auch ein Mensch.

PRINZ: Luise, die Hauptfigur deines neuen Romans, weiß nicht, ob sie aus ihrem Leben mehr rausholen soll. Wie kamst du auf das Thema?
KUTTNER: Es gab eine Situation mit einer Freundin, in der ich mit ihr in der Küche saß und dachte: „Mann, das Fernsehen ist eine hässliche Schlampe! Und ich arbeite da.“ Und das finde ich manchmal doof. Dann meinte meine Freundin: „Mach doch was anderes! Mach ein Café auf, oder entwirf eine eigene Kollektion.“ Und ich dachte: „Was? Nein! Wieso denn?“ Da fing ich an, darüber nachzudenken und stellte fest, dass ich das theoretisch natürlich wirklich könnte.

PRINZ: Aber praktisch?
KUTTNER: Praktisch habe ich nur überhaupt keine Lust darauf.

PRINZ: Hast du das Gefühl, in deinem Leben etwas verpasst zu haben?
KUTTNER: Nee, ich überhaupt nicht! Man darf das nicht verwechseln. In dem Buch sind ganz viele von meinen Gefühlen drin und Sachen, die ich erlebt habe. Aber diese Geschichte ist nicht meine Geschichte! Ich muss keine Scheiß-Jobs annehmen wegen Geld, ich kann oft lange ausschlafen, ich muss gar nicht so viel arbeiten, und was ich arbeite, fetzt. Eigentlich geht’s mir total gut.

PRINZ: Eigentlich?
KUTTNER: Auch ich denke manchmal: Nutze ich dieses Leben, das mir geschenkt wurde, zu wenig? Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich eher faul bin und nicht nach Höherem strebe, nicht „Wetten, dass ..?“ moderieren möchte und keine Stiftung für Kinder gründe? Mein einziges Problem ist, dass ich denke: „Sollte ich nicht? Denn ich könnte ja.“ Darum geht’s im Grunde auch in diesem Buch.