Jogger hetzen über die Strandpromenade von Ciudad Jardín. Pärchen bestaunen den Sonnenuntergang in der Bucht von Palma, andere sitzen auf der weißen Kaimauer an der Calle de Trafalgar und atmen den Duft von Lavendel und Mandelblüten. Hier treffe ich Jan Choueiri. Der 32-jährige Belgier lebt auf Mallorca, erkundet hier Drehorte für TV-Produktionsfirmen, und er ist auf dem Weg in die Nacht. „Komm mit ins ,Harlem‘“, fordert er mich auf. „Dort erleben wir Flamenco – auf eine ganz neue Art.

„Im „Harlem“, einem modernen Unterhaltungstempel mit Bar und Restaurant, sind alle Plätze besetzt. Von der hohen Decke hängen Kronleuchter, Cocktailsessel bieten bequemen Sitz, das Publikum ist Mitte 20: Frauen mit waghalsig hohem Schuhwerk, die Männer lässig, in Jeans, und wenn einer ein Sakko trägt, dann ist es mit verwegenen Tattoo-Stickereien verziert. Sie alle feiern ausgelassen, dann ist die Flamenco-Show vorbei, Applaus.

Draußen laufen wir Richtung Strand, vorbei am hell erleuchteten Sushi-Restraurant „Wasabi Blue“. Ein Stückchen weiter protzt das „Almare“ mit weitem Meerblick von der Terrasse und hervorragender italienischer Küche. Beide Restaurants sind mit ihrem unaufdringlich luxuriösen Design Aushängeschilder des aufstrebenden Viertels: Die Ciudad Jardín hat ihr Image gewandelt. Frisch renovierte Fischerhäuser entlang der Promenade bilden die Kulisse. Ein langhaariger Surfer-Typ öffnet einer Blondine die Beifahrertür seines Sportwagens und hilft ihr auf die High Heels. Das Paar wirkt, als sei es eigens herbestellt worden – als Hauptfiguren der lässig-luxuriösen Szenerie, die seit einiger Zeit die Calle de Trafalgar prägt.

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Jan Choueiri will weiter. Er ruft ein Taxi, das chauffiert uns vorbei an Palmas prächtiger Kathedrale ins boomende Viertel Santa Catalina. Hier reihen sich jede Menge neu eröffnete Bars und Restaurants entlang der Calle de la Fábrica aneinander. Seit einem Jahr ist die Straße für Autos gesperrt, Scharen von Amüsierwilligen flanieren seitdem ungestört auf der flach bebauten, von bunten Reklameschildern erleuchteten Ausgeh64meile. Neuzugänge wie das schneeweiß gestylte Restaurant „León Alberti“ erstrahlen neben alt eingesessenen Tapas-Bars. Den Eingang nach Santa Catalina markiert die Bar „Cuba Colonial“. „Donnerstags ist hier der beste Tag“, weiß Choueiri, und schon ist er in dem Gebäude im Kolonialstil verschwunden. Drinnen, im Restaurant, servieren Kellner in engen, schwarzen Hemden mallorquinisch-mediterrane Speisen, während sich unten im Club die Tanzfläche füllt. Auf mit Leder bezogenen Polsterbänken plaudern deutsche Zugezogene mit einheimischen Freunden. Der DJ legt House auf, und Choueiri flirtet gleich mit einer ganzen Gruppe von Frauen. Mir schwant: Die Nacht wird lang.

Am nächsten Tag, nach wenig Schlaf, sitze ich im hellen Sonnenschein auf der Terrasse der „Bar Nicolás“ an der Plaza Mercat. Dort treffe ich Pedro Vidal, Inhaber des angesagten Mode-Stores „Piel de Gallina“. Der dürre, hyperaktive Vidal nimmt mich mit zu seinem Shop. In dem stehen zwischen Regalen und Kleiderstangen DJ-Pulte parat für die kleine Party nach Geschäftsschluss: „Das hält die Stammkunden und bringt neue Käufer her“, sagt Vidal. Sie alle kommen wegen der ausgesuchten Vintage-Mode aus Mallorca und Casual-Designs aus den europäischen Metropolen: „Ich liebe Berlin, den Style dort“, sagt er, greift zum Telefonhörer, plappert wild los und ruft mir zwischendrin ein schnelles Adiós hinterher.


Oberhalb der Treppenstufen am Paseo de Quint, mitten im modischen Schmelztiegel Palmas, bastelt Tony Jiménez an seinem Fahrrad herum. Ihm gehört der Mode-Shop „Addict“. Kommt Kundschaft, berät er kompetent und verkauft Hemden, Hosen, Kleider für Clubnacht und Alltag. „Geschäft ist wichtig“, sagt er, lächelt und deutet auf seinen Drahtesel. Der sieht verdammt teuer aus. „Kommst du heute Nacht ins ,Hotel Tabú‘?“, fragt er, bevor er weiterschraubt.

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Na klar, die Macher der Partyreihe sind schließlich einige der derzeit angesagtesten DJs der Balearen: Pepe Arcade, Sebas Ramis und Angel Costa. Deep- und Tech-House sind ihr Metier, der „Cultura Club Sala 2“ ist der Partyort, zu finden auf dem Paseo Marítimo, im Hafen- und Partyviertel Palmas. Ganz in der Nähe lockt auch das „Garito Café“ schicke Gäste mit gutem House und stilsicherem Ambiente zum Feiern.

Direkt daneben, im „Club Cassette“, tanzen alternativ wirkende Jungs in Jeans und Kapuzenpulli mit schicken Mädchen in edlen Stöckelschuhen. Diese Szene liegt weit weg von Pauschaltouristen-Attraktionen wie dem „Tito’s“ und in einer völlig anderen Welt als die Partylokale der Platja der Palma und S’Arenal am anderen Ende der Stadt. „Bierkönig“, „Mega-Park“ und „Riu Palace“: Damit hat das Publikum hier im Westen der Innenstadt Palmas nichts gemein. Allein der Blick aufs Meer ist für alle gleich.

Für mich reichen aber heute Abend ein paar Tapas, ein Glas guter Wein und entspannte Atmosphäre. Freunde aus Berlin haben mir die Bar „Flexas“ empfohlen, die mitten in der Altstadt, hinter den Einkaufsmeilen Sindicat und San Miguel, im In-Viertel Sa Gerrería liegt. Also hin. Drinnen duftet es nach spanischen Kroketten mit Spinat und Knoblauch, und dabei weht tatsächlich ein Hauch Berliner Luft durch das Lokal. Denn das Interieur würde auch in die deutsche Hauptstadt passen: Geschmackvoll wild zusammengewürfelt ist das Mobiliar, eine Kunstausstellung mit dem Titel „Silence Is Sexy“ schmückt die hohen Wände, der Kellner trägt Bart und zu enge Jeans: „Hola. Cómo está?“, fragt er. „Muy bien“, antworte ich. Und spüre: Ich bin angekommen in Palma.

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ESSEN UND TRINKEN
Aroma Café Hausgemachte Speisen, guter Kaffee und frische Säfte.Bosseria 8, 360-grados-sabor.eu

Café Coto Trashig-buntes Café, in dem es für 10 Euro ein gutes Dreigängemenü gibt.Plaza Drassana 12, bar-coto.com

Restaurant Almare Tolle Terrasse direkt am Meer. Mediterrane Küche mit starkem italienischem Einschlag im angesagten Stadtteil Ciudad Jardín.Calle Esculls 5, almare.es

Restaurant El Horreo Elegantes Ambiente, internationale Küche, perfekt gebratenes Fleisch.Calle Fábrica 3

Wasabi Blue Japanisches In-Restaurant mit klarem Design und Blick aufs Meer.Trafalgar, 41, wasabiblue.es

BARS UND CLUBS
Flexas Bar in der Altstadt mit alternativem Publikum. Regelmäßig Ausstellungen junger Künstler. Llotgeta 12, barflexas.com

Garito Café Club-Restaurant auf zwei Ebenen, mit House.Dàrsena de Can Barbara,garitocafe.com/es

Harlem Restaurant, Bar und Live-Entertainment für ein Publikum ab 20.Calle Sor Isabel Cifre 24,harlemcafe.es

Cultura Club Sala 2 @ Hotel Tabú Trendparty mit Underground-Flair und angesagten Deep-House- und Electro-DJs. Paseo Maritimo 42

Bar Cuba Colonial Moderne Bar mit kleinem Club im Keller. Calle San Magin 1

Bar Nicolás Neue, schicke Trend-Bar mit Restaurant.Placa Mercat

SHOPS UND GALERIEN
Addict Coole Club- und Streetwear. Calle Danús 4

Literanta Kuscheliger Buchladen plus Café. Calle Fortuny 4, literanta.com

Piel de Gallina Hippe Vintage- und Freizeitmode. Calle Brossa 7

Waka Künstlerkollektiv und Galerie. Carrer de la Calatrava, wakanegra.org

HOTEL-TIPPS
Misión de San Miguel Helle, schlichte Zimmer, das Restaurant führt Spitzenkoch Marc Fosh.DZ ab 45 Euro p. P., Can Macanet 1, youarehotels.com

Hotel Bon Sol Bezauberndes Hotel im mallorquinischen Stil, acht Kilometer vom Zentrum. Direkt am Meer, Blick auf Palma. DZ ab 83 Euro p. P., Paseo de Illetas, 30, hotelbonsol.es