1. Kameradschaft lernen
Kameradschaft ist: den Rucksack des erschöpften Kameraden tragen, bei den Aufgaben zu Waffenkunde helfen und im Kriseneinsatz den Rücken des anderen decken. Problem: Wer früher in der Schule dick, hochbegabt oder einfach anders war, der wurde auch bei der Bundeswehr nicht glücklich. Der moderne Mensch von heute lernt Kameradschaft aber nicht beim Bund, sondern bei „World Of Warcraft“. Dem süchtig machenden Online-Rollenspiel, in dem es um nichts anderes geht, als einen imaginären Wettbewerb zu gewinnen – mithilfe digitaler Freunde.

2. Eins mit der Natur werden
Die meisten von uns haben schon mal gezeltet, doch wer wirklich frieren und Angst vor Wildschweinen haben möchte, muss nur in die Sächsische Schweiz bei Dresden fahren. Dort nennt man draußen übernachten auch boofen, und eine Boofe ist ein Feuerplatz in freier Natur, direkt unterm Sternenzelt. Für den besonderen Kick: Boofen sind auch im Winter geöffnet.

3. Angst vor Waffen ablegen
Das ist nun wirklich einfach: Jedes Dorf, jede Stadt hat einen Schießverein. Allerdings sind die Aufnahmebedingungen erheblich komplizierter als bei der Bundeswehr. Hier reicht es nicht, einfach nur gemustert zu werden. Zur Aufnahme in einen Schießverein müssen verschärfte Bedingungen erfüllt werden. Zum Beispiel der Nachweis über psychische Stabilität. Was ja bei der Bundeswehr keine so große Rolle spielte.

4. Schmutzarbeit machen
Die Bundeswehr ist ein riesiger Beschäftigungsapparat. Dort wurden Abiturienten sieben Monate dazu verdonnert, Rostflecke aus alten Panzern zu kratzen, nur damit die verschrottet werden können. Akten klammern, die geschreddert werden sollen, Funksprüche überwachen, die keine Sau interessieren. Auch das ist Bundeswehr. In diesem Land gibt es nur einen einzigen vergleichbar schwerfälligen Apparat: die Verwaltung des Deutschen Bundestages. Wer dort ein Praktikum absolviert, wird Dinge tun, die kein Mensch als sinnvoll erachtet.

5. Homophobie verlieren
Wo, wenn nicht bei der Bundeswehr, lernten Männer, mit fremden Männern in Doppelstockbetten zu übernachten, offen über Vorhautverengung und Penisgrößen zu diskutieren. Das alles ist bald vorbei. Sollten wir Angst haben, eine Generation homophober Männer heranzuzüchten, weil sie nicht nackt, lachend und seifig eingeschäumt unter Gemeinschaftsduschen stehen? Nein, keine Sorge, jedes Hostel auf dieser Welt bietet Schlafsäle, in denen geweint, gelitten und masturbiert wird. Gemeinschaftsduschen inklusive.

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6. Demokratie schützen
Das hörte jeder Rekrut mehr als einmal: Aufgabe der Soldaten sei der Schutz des Landes, seiner Bevölkerung und der Demokratie. Dass dies Quatsch ist, war wohl den meisten bewusst. Wer heute lernen will, wie man unsere Gesellschaftsordnung schützt, muss einfach nur wählen gehen. Das Tolle daran: Es ist nicht mal gefährlich.

7. Ekeln lernen
Rohe Schweineleber essen, Klos sauber machen, mit Prostituierten neben der Kaserne schlafen, in Socken onanieren, tagelang nicht waschen. Früher war das wohl männlich, heute ist das nur noch eklig. Wer mit Ekel umgehen lernen möchte: Am besten geht das heute im Knast, auf Containerschiffen und beim Dschungelcampgucken.

8. Trinkfest werden
Um Trinkfestigkeit einzuüben, braucht es keine Bundeswehr. Stattdessen: Liebeskummer, ein gut funktionierender Freundeskreis – und genug Geld.

9. Von den Eltern abnabeln
Früher war die Bundeswehr die erste Station nach der elterlichen Wohnung. Hier wurden aus Muttersöhnchen Männer. Und kamen verändert wieder. Geschliffene Charaktere mit dicken Bäuchen vom nahrhaften Kantinenessen. Doch wo nabelt es sich heute am besten ab. In Berlin! Da ziehen alle hin, und der Zugriff der Eltern ist genauso gering wie bei der Bundeswehr. Weil sich in Berlin niemand für eine Ummeldung interessiert.

10. Krisen meistern
Am Ende der Grundausbildung wendet man in der sogenannten Rekrutenbesichtigung das Erlernte an, um eine inszenierte Krisensituation zu bewältigen. Das geht auch ohne Bund. Einfach intimste Geheimnisse seiner Freunde bei Facebook posten, den Eltern erzählen, dass man eine Karriere als Straßenmusiker oder wahlweise Pornodarsteller anstrebt, und der Freundin vorlügen, man hätte was mit ihrer Mutter. Wer das übersteht, ist für jede Lebenskrise gewappnet.