Auch die Andorraner müssen ein weiteres Jahr auf das Finale warten. Die hoch gewerteten Schweizer kamen überraschenderweise ebenfalls nicht ins Finale.

Wenn Estland es am Donnerstag schaffen sollte sich zu qualifizieren, wird Andorra das einzige Land sein, dass an jedem Halbfinale teilgenommen hat, ohne sich je für das Finale qualifiziert zu haben.

Die Türkei konnte ihren Fluch stets aus dem neunten Umschlag gezogen werden nach 3 Jahren endlich brechen und wurde als erstes gezogen. Hadise empfand es als relativ langweilig, weil sie sich viel mehr auf die Aufregung gefreut hatte. So nahm sie ihren vorläufigen Sieg kaum wahr.


Auch die Schweden konnten sich sehr schnell freuen, sie wurden als zweites aus dem Umschlag gezogen. Auf die Frage, ob sie sich nach dem heutigen Erfolg, nächstes Jahr vorstellen sich wieder dem ESC zu stellen, antwortete sie:“Es könnte sein, dass ich Ja sage, wenn ich vorher viel Alkohol getrunken habe.“

Das Duo Noa und Mira Awad, das für Israel ins Rennen ging, freute sich über den dritten Umschlag. Mit ihnen stand die halbe Halle Kopf. Beide betonten nochmals, dass dies nicht nur ein Sieg für sie selbst sei. Vielmehr ein Sieg für den Frieden und für die Menschen, die daran glauben, dass es einen anderen Weg gibt – There must be another way.

Aber der Applaus für Israel konnte noch getoppt werden. Als Portugal aus dem vierten Umschlag gezogen wurde. Die Sängerin der Gruppe Flor-de-Lis war von dem Applaus während ihres Liedes überaus gerührt. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und – überwältigt von den Emotionen – fing sie an zu weinen. Das ist bisher einmalig in der Geschichte des ESC. Auf die Frage, wieso sie geweint habe, lächelte sie und sagte, sie hätte was im Auge gehabt!

Tränen gab es auch, als aus dem fünften Umschlag Malta gezogen wurde. Chiara wurde gefragt, wieso sie denn schon wieder teilnehmen würde. Eine ehrliche Antwort folgte. Sie beschreibt sich als äußerst ehrgeizig und stur. Das letzte bißchen, dass ihr bisher fehlte, dass wolle sie für sich einnehmen. Sie fühle sich so, als hätte sie etwas angefangen und nicht zu Ende gebracht. Das möchte sie nun ändern.

Große Überraschung und relativ wenig Applaus gabs für Finnland. Ein Land, mit dem am Schluss kaum noch einer gerechnet hatte. Dazu hatten die Mädels einfach zu schlecht gesungen. Zumindest klang es in der Halle so. Jedenfalls sind sie nun dabei und es freut mich ja für das Land, das nun wirklich wohl zu den größten Fans des ESC gehört.

Keine Überraschung war dagegen die Qualifikation Bosniens. Damit hatte nun wirklich JEDER gerechnet. Allerdings wurde die Frage nach der roten Flagge in ihrem Auftritt zum x-ten Mal gestellt und wieder mal nur halb beantwortet. Sie stehe nicht für den Kommunismus oder für Kampf, sondern für die Liebe. Wer sich den Auftritt anguckt, muss daran zweifeln. Das sieht mir, wenn überhaupt, nach „Soldiers of love“ aus. Übrigens ist ihr liebstes ESC-Lied „Waterloo“ von ABBA. – Welch Überraschung!!!! – Allerdings wurde Malena Ernmann aus Schweden ganz hellhörig und bedankte sich ganz still von der anderen Seite des Siegertisches.

Eine weitere Überraschung folgte: Rumänien. Inzwischen waren 8 Umschläge gezogen. Elena Gheorghe bedankte sich für alle, die für sie gestimmt und an sie geglaubt haben. Sie sei nicht abergläubisch, denn sie glaube an Gott, der ihr diese Nacht zur Seite gestanden habe.

Großer Jubel und endlich die immense Erleichterung kam über mich, als der neunte Umschlag geöffnet wurde – ist der Fluch nun von der Türkei zu Armenien übergegangen? Ich hoffe nicht. Diese nervliche Anspannung ist beinahe tödlich. Dummerweise wurden beiden Fragen an die Armenier nicht wirklich beantwortet, so dass ich so gut wie nichts aus der Pressekonferenz berichten kann.

Frenetischen Applaus gab es dann schließlich für den finalen Umschlag, als endlich Island bekannt gegeben wurde. Der Liebling vieler Fans und eine unglaublich sympathische junge Frau hatte es auch mehr als verdient, dass man sie am kommenden Samstag wieder sieht. Yohanna meinte, dass ihr Land eine gute Nachricht nun wirklich mal wieder gebrauchen könnte, nachdem der Staat Island ja kurz vor dem Bankrott steht. Sie sei sehr erleichtert und freue sich auf das Finale.

Im großen und ganzen kann das Halbfinale zusammen gefasst werden, als eine Rückkehr der traditionellen Länder. Nur 3 von 10 Ländern, die sich heute qualifizieren konnten sind so genannte neue Länder, Armenien, Bosnien und Rumänien.

Ob das nun an den geänderten Regeln, also mit der Aufteilung auf 2 Halbfinals unter geographischen und unter Berücksichtung ihres Wertungsverhaltens liegt. Oder ist es doch die Tatsache, dass sich die westeuropäischen Länder erkannt haben modernere und qualitativ hochwertige Lieder in diesen Wettbewerb zu schicken, man weiss es nicht. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem.

Jedenfalls freue mich sehr über das Ergebnis. Das zweite Halbfinale kann somit kommen.