Für Adele ist Kathleen „Katy“ Brien der Newcomer 2011, für Jessie J. härteste Konkurrenz und für die britischen Medien der etwas andere Popstar. Einfach, weil die Dame aus Peckham im Süden Londons das nette Mädchen von nebenan verkörpert: klein, mit blassem Teint, wuchernden roten Locken, Kapuzenpulli, Jeans und Sneakers. Zudem hat sie null Allüren und strebt – ein Novum – auch keine internationale Karriere an: „Ich habe nichts gegen andere Länder. Aber ich bin nicht scharf darauf, die dortigen Märkte zu erobern. Mir fehlt einfach der Ehrgeiz.“Ein Bekenntnis, das zu ihrer Vita passt. Denn für Katy, die einen Abschluss an der renommierten Brit School und am Goldsmiths College vorweist, ist ihr Erfolg eher ein Betriebsunfall. Als Gastsängerin auf Tracks von DJ NG, The Count & Sinden und Magnetic Man wurde sie rasch zur gefragten Stimme der Dubstep-Szene. Ihre Debütsingle „Katy On A Mission“ machte Katy B im August 2010 über die Szene hinaus bekannt und stieß die Tore zum Album „On A Mission“ auf. „Nicht, dass ich mich beschweren will. Aber das war schon ein ziemlicher Schock. Denn ich habe die Stücke ja nicht für die breite Masse geschrieben, sondern für meine Freunde in den Clubs.“

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Dabei ist die Resonanz verständlich: Ihr Sound ist euphorisch und hymnisch, orientiert sich an der elektronischen Tanzmusik der späten 90er und bietet auch lyrisch hohes Identifikationspotenzial: „Ich erzähle, was es heißt, eine junge Frau in der Großstadt zu sein.“ Wobei die Beziehungen, die sie in „Go Away“, „Disappear“ oder „Perfect Stranger“ thematisiert, stets nach demselben Schema ablaufen: Man trifft sich, tobt sich aus und trennt sich wieder. Ein Unterhaltungsprogramm, für das Katy kaum noch Zeit hat: „Ich kann mir das nicht leisten, wenn ich am nächsten Tag wichtige Termine habe. Davon gibt es momentan mehr als genug.“ Schließlich ist sie bis Oktober auf Tour – leider nur auf der Insel.