Der Kleine nennt sich No Good Advice und ist gerade acht. Er zwingt dem Jungen, ein, zwei Jahre jünger als er, ein Gewehr in die Hand und presst dessen Finger auf den Abzug. Ein Schuss, und der Vater des Jüngeren sackt tot vor seinem schreienden Sohn zusammen. No Good Advice schreit auch: ein Stakkato-Geheul aus Triumph, Hass, Blutgier. Mitgefühl oder Mitleid kennt er nicht. Er ist Soldat und auf ein einziges Ziel gedrillt: die zu töten, die nicht mit ihm kämpfen. Den Kampf der Kindersoldaten im liberianischen Bürgerkrieg 2003 zeigt „Johnny Mad Dog“ mit dokumentarischer Wucht. Die Handkamera geht ganz nah ran an die Kinder, wenn sie morden, plündern, vergewaltigen – ohne Skrupel, ohne Reue. Das ist oft schwer auszuhalten. Einige Szenen sind zu lang geraten, doch die erschütternde Botschaft martert Herz und Verstand: Was da abläuft, ist bis heute Realität in afrikanischen Staaten. Einige der jungen Schauspieler haben tatsächlich als Kindersoldaten gekämpft. „Meine Waffe ist meine Mutter und mein Vater“, skandiert die Truppe, befehligt vom 15-jährigen Johnny Mad Dog. Als der Krieg zu Ende ist, trifft er das Waisenmädchen Laokolé, und plötzlich regt sich Empathie in ihm. Hilflos steht er da, denn er kann nur eins: kämpfen.