Vor der Tür eines Mehrfamilienhauses am Eigelstein hat sich am Montagmorgen eine Warteschlange gebildet. Ein junger Mann hält sich schützend den Anzeigenteil einer Zeitung über den Kopf, als ein Regenschauer niedergeht. Drinnen haben sich schon überpünktliche Bewerber eingefunden. Hier gibt es nichts umsonst, ganz im Gegenteil: Insgesamt 15 Leute sind anwesend, um an einem Besichtigungstermin für eine 25 Quadratmeter kleine Wohnung teilzunehmen. Und für die Größe der Wohnung auch noch teuer – 350 Euro Warmmiete! In manchen Städten bekäme der Mieter dafür eine doppelt so große Wohnung. So wird die Suche oft zum Stress- und Kostenfaktor.
Köln wächst langsam, aber stetig. Nicht mit der Geschwindigkeit wie Hamburg oder Berlin, aber immerhin um knapp 60 000 Einwohner in den letzten zehn Jahren. 2005 mit ungefähr 15 000 Neu-Kölnern und 2010 mit knapp 9000 Zugezogenen erfuhr Köln jeweils einen besonderen Bevölkerungsboom. Doch wächst die Zahl an Mietwohnungen mit? „Leider nicht, die Wohnungszahl hinkt erheblich hinterher“, sagt Jürgen Becher, Geschäftsführer vom Mieterverein Köln. „Im Boom-Jahr 2010 kamen nur 1 000 öffentlich geförderte und 1500 frei finanzierte Wohnungen in unserem Pool dazu.“ Durch den Immobiliendschungel kämpften sich auch einige PRINZ-Kollegen, von denen drei innerhalb Kölns umgezogen sind und einer seit diesem Jahr ein Zugezogener ist. Auf den nächsten Seiten erläutern die vier ihre Erlebnisse. Was entgegen allen Annahmen tröstlich ist, ist der Mietpreis-Schnitt in Köln. Klar, wer zentral oder in In-Vierteln leben möchte, muss nach wie vor tief in die Mietkasse greifen. Aber auf das ganze Stadtgebiet bezogen sieht das anders aus. Die durchschnittliche Kaltmiete in Köln beträgt 8,60 Euro pro Quadratmeter. Die Preisspanne in den Stadtteilen zeigt aber deutliche Unterschiede: In Gremberghoven (5,90 Euro), Ossendorf (6,80 Euro) oder auch Mülheim (7,90 Euro) wird dieser Preis sogar unterschritten. Andererseits sieht es in Ehrenfeld (9,60 Euro), Sülz (10,10 Euro) oder der Innenstadt (10,40) schon ganz anders aus.
Der Unterschied wird erst richtig bewusst, wenn man ein Beispiel berechnet: Eine 30-Quadratmeter-Wohnung mit diesen zugrunde gelegten Preisen kostet in Ossendorf 204 Euro, in Sülz mit 303 Euro knapp 100 Euro mehr. Die Mieten sind aber nicht sonderlich gestiegen, wie uns Herr Becher vom Mieterverein bestätigt: „Die Mietpreise sind in den letzten fünf Jahren nur zwischen 1,5 und 5 Prozent gewachsen. Das ist im Rahmen.“ Tatsache ist also: Wer in der Innenstadt oder szenigen Viertel leben möchte, bezahlt viel mehr, wer günstig wohnen will, ist weit ab vom Schuss. Was tun also? Den Mittelweg finden und in die Trendviertel von morgen ziehen! Jürgen Be- cher: „Mülheim, Kalk und Deutz sind allesamt gute und günstigere Alternativen zur Innenstadt-Lage. Wenn die Stadt Köln noch stadtplanerisch und gestalterisch vorgeht, haben wir hier die kommenden In-Viertel.“