Das Schockierende an der utopischen Welt, die Kazuo Ishiguro in seiner gleichnamigen Romanvorlage ersann: Sie ähnelt beängstigend der unseren. Eine Parallelwelt, in der die Mädchen Kathy (Carey Mulligan) und Ruth (Keira Knightley) gemeinsam aufwachsen und sich als Teenager alle beide in Tommy (Andrew Garfield, der neue „Spider-Man“) verlieben: eine sanfte Dreiecksgeschichte irgendwo im ländlichen England, idyllisch fast, und fernab von anderen Menschen. Denn was das für eine Gesellschaft ist, die die drei da in eine grausame Zukunft schickt, das bleibt offen: Kathy, Ruth, Tommy und ihre Leidensgenossen wurden als Klone gezüchtet, als Organ-Ersatzteillager, da mit andere überhundert Jahre alt werden können. Erschreckend widerstandslos akzeptieren die Klone, dass sie bloß Material sind, ihre Organe „spenden“ müssen – dass sie sterben werden für Menschen ohne Moral und Ethos. Ihre Ergebenheit schnürt einem die Kehle zu. Allein von diesem unabwendbaren Schicksal, von ihrem Leid, erzählt das Drama, stellt Fragen nach freiem Willen und der Seele und entwirft ein beklemmendes Szenario, über das man lange nachdenkt. Ein stiller Film, der Herz und Hirn aufwirbelt wie ein Orkan.