Die Schlange reichte fast bis auf die Straße. Dabei hatte die Hausverwaltung die Besichtigung extra von 11 bis 16 Uhr angesetzt. Auch Wolfgang Schulz (35) hatte die Annonce auf Immobilienscout gelesen und schaute sich mit rund 200 Leuten die Wohnung am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer an: 47 Quadratmeter mit Balkon für 406 Euro warm. „Beim Besichtigungstermin wusste ich: Diese Wohnung muss es sein“, sagt der Hotelkaufmann. Dass er nicht der einzige Interessent sein würde, war ihm klar. Schließlich suchte er bereits seit zwei Monaten. „Meine Bewerbungsunterlagen hatte ich schon fertig und warf sie gleich am Sonntag in den Briefkasten der Hausverwaltung“, sagt er. Gerade in dem Moment kam ein Mitarbeiter die Post holen. Wolfgang Schulz unterhielt sich kurz mit ihm. „Netter Typ“ vermerkte der Hausverwalter auf dem Umschlag und als Schulz am nächsten Morgen anrief, wusste die Kollegin gleich Bescheid. Wenige Tage später unterschrieb er den Vertrag.
Wie der Berliner Mietspiegel zeigt, haben sich die Mieten von 2009 bis 2011 um 4,4 Prozent auf 8,25 Euro pro Quadratmeter erhöht. Vielen Berlinern macht diese Entwicklung Sorgen, sie haben Angst vor Verdrängung einkommensschwacher Menschen aus den beliebten Innenstadtbezirken. Hamburger oder Münchner können zwar nur müde lächeln, wenn sie von den Preisen auf dem Berliner Wohnungsmarkt hören. Doch dass die Berliner Mieten günstig sind, sei ein Trugschluss, meint Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. „Die Mietbelastung, also das, was die Menschen gemessen an ihrem Einkommen fürs Wohnen ausgeben, ist hier genauso hoch wie in Hamburg“, sagt er. Dass es gerade nicht so einfach sei, güns- tige Wohnungen zu bekommen, liege an der sinkenden Umzugsfreudigkeit der Berliner. In den letzten zwei Jahren sei die Fluktuation von 11 auf 9 Prozent gesunken, denn wer eine günstige Wohnung hat, bleibt drin wohnen und nimmt notfalls auch eine Mieterhöhung in Kauf. Denn bei einer Neuvermietung sei eine Preiserhöhung von 20 Prozent der Kaltmiete nichts Ungewöhnliches, weiß Reiner Wild.
Auch eine Makler-Provision ist in Berlin ziemlich gängig. Sucht man auf Immobilienscout24 nach einer Wohnung in Kreuzberg, ist fast bei jedem zweiten Angebot eine Courtage fällig. Diese spart man sich, wenn man auf die Angebote von Wohnungsbaugenossenschaften oder städtischen Wohnungsbaugesellschaften zurückgreift. Freie Wohnungen stehen oft auf den Webseiten. Für Studenten und Auszubildende gibt es in nicht so begehrten Lagen besondere Angebote.
Mit einem Anteil von 42 Prozent Häu- sern, die vor 1948 gebaut wurden, gibt es in Berlin immer wieder Schnäppchen für Selbstrenovierer. So erhielt Wolfgang Schulz von seiner Hausverwaltung zwei Monate mietfrei und verlegte als Gegenleistung einen neuen Fußboden. Wo und wie du clever suchst, um gut und günstig zu wohnen, zeigt dir PRINZ im großen Check.