Die Hansestadt boomt und ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 70 000 Einwohner gewachsen. Der Wohnungsmarkt dagegen wächst schon lange nicht mehr so schnell mit. „Es fehlen rund 40 000 Wohnungen. Die Lage wurde von der Politik in den letzten zehn Jahren völlig verkannt“, stellt Siegmund Chychla fest, stellvertretender Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Die Folge: extreme Mietpreissteigerungen! Der Durchschnittspreis bei Neuvermietungen lag 2011 bei satten 11,21 Euro. Die Mieten stiegen innerhalb eines Jahres um fast 10 Prozent.
Durch die große Nachfrage wird es gleichzeitig immer schwieriger, eine geeignete Wohnung zu finden. Siegmund Chychla rät zum Blick über den Tellerrand: „Es gibt eine Art Statusdenken in Bezug auf In-Viertel wie St. Georg oder Ottensen. Alle wollen dorthin. Dabei sind zum Beispiel Wilhelmsburg, Hamm oder Barmbek schöne Wohnviertel mit guter Anbindung.“ Zum Vergleich: Wer sich für Wilhelmsburg statt Ottensen entscheidet, spart rund 40 Prozent an Miete. Die sogenannte Gentrifizierung ist in den Trendvierteln in vollem Gang. Sie bezeichnet die Vertreibung der Alteingesessenen durch die Besserverdienenden. Paradoxerweise verlieren Stadtteile so ihr multikulturelles und kreatives Flair, was sie überhaupt erst beliebt gemacht hat. Für Makler ist der Hamburger Wohnungsmarkt dagegen ein Paradies. Bei rund der Hälfte der Onlineanzeigen ist mittlerweile eine Provision fällig. Profi-Makler laden in der Regel nur bis zu 20 Interessenten zu einem Termin ein. Grundsätzlich gilt: Die Miete sollte nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen. Danach entscheidet aber der persönliche Eindruck.
Bei allem Wohnungsfrust – es gibt einen Lichtblick. Im Juli beschloss der Senat ein Wohnungsbauprogramm, das 6000 Neubauten jährlich vorsieht. Bis das spürbar greift, wird es aber noch dauern. Da hilft nur eins: clever suchen oder in die Viertel von morgen ziehen.