Eine spürbare Wohnungsnot herrscht in Nürnberg zwar nicht. Aber günstiger Wohnraum ist Mangelware – vor allem für junge Leute, die jetzt in die ersten eigenen vier Wände ziehen möchten. Verantwortlich dafür sind meist Immobilien-Spekulanten. Mit kleinen Unternehmen kaufen sie unsanierte Nachkriegsmietshäuser aus privater Hand. Dann folgt eine „energetische Sanierung“, mit der die bisherigen Mieter schon mal abgeschreckt werden sollen. Während das Haus eine Außendämmung, neue Fenster, Bäder und Heizungen bekommt, werden die einzelnen Wohnungen bereits im Internet und in Tageszeitungen angeboten. Mit Slogans wie „Hier ist ihre Rendite zu Hause“ lockt man unerfahrene Käufer. Durch die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist die Nachfrage nach vermeintlich krisensicheren Immobilien stark gestiegen. Nicht für den Eigenbedarf sondern als Geldanlage. Damit die sich bezahlt macht, müssen die Mieten rauf, im besten Fall durch Mieterwechsel. Besonders am Maxfeld und in der Südstadt sind dadurch in den vergangenen fünf Jahren die Mieten teilweise drastisch nach oben gegangen. Das Beispiel einer 1-Zimmer-Studentenwohnung mit 41 Quadratmetern am Maxfeld: Die Kaltmiete betrug im unsanierten Zustand mit Gasheizung 150 Euro. Nur zwei Jahre später zahlte ein neuer Mieter für die sanierte Wohnung mit Zentralheizung 390 Euro pro Monat. Die Energie- und Nebenkosten blieben trotz Umbau gleich hoch! Gunther Geiler, Geschäftsführer des Mietervereins Nürnberg kennt noch andere Fälle. Durch die Sebalder Höfe und die angeschlossene Infrastruktur mit Ärzten, Einkaufszentrum und Parkplätzen wurden auch die Gebäude im Umfeld teurer. „In einem Fall sollte die Miete am Ende versechsfacht werden“, sagt der Mietprofi. Er fürchtet, dass auch das Schnäppchen-Viertel Gostenhof von der Sanierungswelle erfasst werden könnte und drastische Mietanstiege folgen.
„Das sorgt neben dem gewachsenen Immobilienmarkt im Internet dafür, dass die preisliche Einordnung nach Stadtteilen kaum noch möglich ist“, sagt Bernd Fiermann von der Nürnberger Immobilienbörse. Bis 2001 hat er noch selbst solche Statistiken geführt. Damals lagen der Osten und Norden preislich an der Spitze im Wohnungsmarkt. Vor allem die Infrastruktur und die tollen Altbauten in Johannis waren damals stark gefragt. Wer eine günstige Miete will, sucht auch heute in solchen Premiumlagen eindeutig am längsten. Eine aktuelle Orientierungshilfe hat der Verein Haus und Grund Nürnberg mit dem Immobilienkompass der Zeitschrift Capital erstellt. Darin schneiden Gostenhof und die Südstadt als günstigste Viertel ab. Das liegt vor allem am allgegenwärtigen Verkehrslärm, der größtenteils miserablen Bausubstanz und dem Mangel an Grünflächen. Wer in Parknähe wohnen möchte, muss sich in Richtung Luitpoldhain, Marienberg oder Stadtpark orientieren. Und am besten schon mal reservieren: Auf dem ehemaligen Tucher-Gelände werden ab 2012 rund 600 neue Wohnungen unterschiedlicher Preisklassen und Ausstattung gebaut. >>> PRINZ charakterisiert die angesagtesten In-Viertel und nennt alternative Wohngegenden, in denen ihr gut aber günstig leben könnt.