Kaffee oder Tee? Bier oder Wein? A- oder O-Saft? Nein danke, bitte einen T. T wie Tomate. 1,6 Millionen Liter hat allein die Lufthansa 2010 davon ausgeschenkt. An kultivierte Leute, die Tomatensaft zu Hause nie und in der Bar nur mit viel Wodka zu sich nehmen würden. Warum? Weil er einfach lecker schmeckt! In der Luft wohlgemerkt, über den Wolken, wo die Freiheit grenzenlos und der Luftdruck niedrig ist. Das ist Einbildung? Nein, das ist wissenschaftlich erwiesen. Das haben Aroma-Chemiker des Fraunhofer-Instituts im Auftrag der Lufthansa in aufwendigen Untersuchungen herausgefunden. In einer Testreihe haben sie diverse Versuchspersonen dafür in den Originalrumpf eines Airbus A310 gesteckt, der in einer Niederdruckkammer steht und den beim Flug üblichen niedrigen Kabinendruck simuliert. Dort „oben“ haben sie dann ihren Tomatensaft kredenzt und – hallo – herausgefunden: dass er ganz vorzüglich schmeckt. Genauer: „Traten angenehm fruchtige Gerüche und süße, kühlende Geschmackseindrücke in den Vordergrund“. Und zwar – nun kommt es – „solange kräftig nachgesalzt wird“. Das ist der Trick: Weil die „Geruchs- und Geschmacksschwelle“ in der Luft steigt, müssen Kräuter, Gewürze, Salz und Zucker höher dosiert werden, um wahrgenommen zu werden: Salz um 20 bis 30, Zucker um 15 bis 20 Prozent. Reicht man also Pfeffer und Salz zum Saft, dann überlagert das die für Tomatensaft typische Muffigkeit. Und – siehe da – lecker. Ob das stimmt? In jedem Fall werde ich mir zum Kaffee das nächste Mal zwei Tütchen Zucker geben lassen.