PRINZ Vier Jahre habt ihr alle im Ungewissen gelassen: Warum diese lange Pause?
Kele: Es gab viele Gründe: Wir waren sechs Jahre fast nur unterwegs. Es fühlte sich an, als wären unsere Hände mit Batterien betrieben – völlig verrückt. Innerhalb der Band drohte es langsam ungemütlich zu werden. Daher brauchten wir eine Pause.

PRINZ Wie bist du in der Zeit mit Gerüchten um eure Zukunft umgegangen?
Kele: Mir war es wichtig, nicht an die Band zu denken. Was Leute außerhalb der Band gemunkelt haben, war mir offen gestanden egal. Wir hatten uns ein Jahr Pause verordnet und das Ende offen gelassen.

PRINZ Wie war in der Zeit der Kontakt mit deiner Band?
Kele: Wir haben gar nicht gesprochen, sondern auf das erste Treffen gesetzt. Ich habe mir verboten, über neue Musik nachzudenken. Für mich war wichtig, dass der Vibe stimmt. Anders hätte es keinen Sinn ergeben weiterzumachen.

Video-Tipp: „Octopus“ von Bloc Party

PRINZ Hat sich die Stimmung gebessert?
Kele: Es ist eine heikle Sache, wenn vier Egos aufeinanderstoßen, unterschied liche Ideen haben, sich darüber streiten. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir bei diesem Album alles gemeinsam entscheiden. Wir sind gereift, erkennen alte Fehler, sehen viele Dinge entspannter.

PRINZ Größere Konflikte gab es demnach also nicht?
Kele: Natürlich haben wir uns auch angeschrien. Aber wir hatten eher andere Probleme: Als es losgehen sollte, hatte unser Drummer Matt einen Zusammenbruch. Als Popstar hältst du dich manchmal für unbesiegbar. Jemanden, den du liebst, mit all den Schläuchen am Körper zu sehen zeigt dir, dass das großer Quatsch ist.

PRINZ Auf „Four“ hört man fette Gitarren – was hat euch dazu inspiriert?
Kele: Das Album sollte nach uns klingen: vier Typen in einem Raum, die Musik machen. Kein Studiogebastel, so nah am Livesound wie möglich. Das führt dich an Grenzen, ist am Ende aber ungeheuer erfüllend. Ich habe mich noch nie so nackt gefühlt. Und mich selbst noch nie so gespürt.

PRINZ War es ein Fehler, mit dem dritten Album elektronischer zu werden?
Kele: Das war kein Kalkül. Wir haben getan, wonach wir uns fühlten, wollten vorankommen. Ich bereue nichts. Die Gitarrenmusik, die ich heute im Radio höre, ist noch so langweilig wie vor drei Jahren. Keiner wagt etwas. Es muss Künstler geben, die das ändern. Und wir haben stets Sachen infrage gestellt.

PRINZ Also schon wieder ein neuer Style – mutet ihr euren Fans nicht viel zu?
Kele: Wenn ich ehrlich bin, interessiert mich das nicht, hat mich noch nie interessiert. Was sie heute mögen, kann sie in ein paar Jahren schon nicht mehr interessieren. Manche werden es mögen, andere nicht – du kannst nicht jedem gerecht werden. Das hier ist das, was wir anbieten können. Und ein paar Leuten wird es bestimmt gefallen.

PRINZ Wie geht es jetzt bei euch weiter?
Kele: Ich bin sicher, dass unser nächstes Album, wenn es denn eins geben sollte, anders klingen wird. Wir wollen anders sein, Querdenker bleiben. Das war so und wird so bleiben.

Interview: Tim Pommerenke

Bloc Party – „Four“
Bloc Party bleiben sich treu: Sie überraschen. Auf „Four“ setzen sie auf massive Gitarren und drehen den Verstärker auf. Mit Riffs, die an die Smashing Pumpkins erinnern, fahren sie einen ungewohnt harten Stiefel. Dabei sorgt Sänger Kele mit seinen poetischen Texten, die er mal mit Bedacht und mal mit ungeheurem Druck vorträgt, für die unvergleichliche Brillanz. Wer „Intimacy“, ihr drittes Album noch im Ohr hat, wird diesen nicht trauen. Das Schöne: Bloc Party überzeugen!
Coop, ab 24.8.