Prinz.de  ›  Daniel Frahn über seine Zeit bei RB Leipzig, Chemnitz und Zukunftspläne

Daniel Frahn über seine Zeit bei RB Leipzig, Chemnitz und Zukunftspläne

Im großen Interview sprachen wir mit Daniel Frahn über seine Zeit bei RB Leipzig, wie es ihn nach Chemnitz verschlagen hat und seine Zukunftspläne.

Daniel Frahn kam 2010 zu RB Leipzig. Der Mittelstürmer bestritt insgesamt 149 Spiele für den Verein und war mit seinen 85 Toren maßgeblich an den Aufstiegen in die 3. und 2. Liga beteiligt. Nach fünf Jahren verließ er den Verein – nicht ganz freiwillig. Trotz seines Abstechers nach Heidenheim und seinem jetzigen Verein Chemnitzer FC wird sein Name und Gesicht mit dem aktuellen Vizemeister unmittelbar in Verbindung gebracht. Wir sprachen mit dem 30-Jährigen über seine Zeit bei RB, wie es ihn nach Chemnitz verschlagen hat und seine Zukunftspläne.  

Wie erklärst du dir, dass dich noch so viele RB-Fans lieben und du mit dem Verein immer noch so in Verbindung gebracht wirst?

Vielleicht weil ich doch das eine oder andere Tor geschossen habe und aus der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga mitgegangen bin. Viele Leute vergessen nicht, dass man daran Anteil hatte, dass der Verein da ist, wo er jetzt steht. Emil Forsberg oder Naby Keita wären sicherlich niemals in die 4. Liga zu RB gekommen. Wenn wir – auch Christian Müller, Henrik Ernst, Fabio Coltorti, Benny Bellot und viele andere – nicht dagewesen wären, würde RB vielleicht auch nicht in der Champions League spielen. Ich glaube, dass die Fans die Jungs nicht vergessen.

Du bist, obwohl du seit zwei Jahren weg bist, immer noch das Gesicht von RB Leipzig.

Ich bin ja auch oft in Leipzig. Ich werde schon noch erkannt und angesprochen. Es ist schön, wenn man noch die Wertschätzung bekommt. Aber ich bilde mir darauf jetzt auch nicht groß etwas ein. Ich merke, dass ich für den Verein, die Stadt und die Menschen etwas Gutes getan habe und dass ich in Erinnerung geblieben bin. 

Es gibt aber auch keinen Grund, dass die Leipziger mir mit Verachtung begegnen sollten. Ich habe mich immer gut verhalten. Ich bin ja auch nicht unbedingt freiwillig gegangen.

Hast du das Gefühl, dass Spieler wie du die Vorarbeit geleistet haben und als es anfing, richtig Spaß zu machen, für diese Leute Schluss war?

Im ersten Augenblick: ja. Als mir im Winter 2014 gesagt wurde, dass drei neue Stürmer geholt werden, die alle Nationalspieler sind, war es schon überraschend. Ich dachte mir, wir stolpern über Sportplätze mit Schnee und halten die Knochen hin, um den Verein nach vorne zu bringen – weil es uns Spaß gemacht hat. Und dann kriegt man so eine Abfuhr. 

Aber jetzt mit ein bisschen Abstand denke ich mir: So tickt der Fußball. Es kommen einfach Zeiten, da reicht deine Leistung nicht mehr aus und dann gibt es andere Spieler, die besser sind und die werden geholt. Das geht bei RB vielleicht noch mal schneller als bei anderen Vereinen. Hier ist auch der finanzielle Background da.

War es denn überraschend für dich?

Ja. Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet. Alexander Zorniger hatte mich damals ins Büro geholt und sagte, dass Ralf Rangnick drei neue Spieler holen wird. Mir war klar, dass man mich dann nicht mehr gebrauchen kann. Das war schon ein komisches Gefühl, wenn man von einem Tag auf den anderen auf einmal nicht mehr gebraucht und mehr oder weniger in die Ecke gestellt wird. 

Was hast du im ersten Moment gedacht?

Ich habe mich schon gefragt, warum man so viel Herz in die ganze Sache gesteckt hat, warum man nicht einfach abgeklärter gewesen ist wie vielleicht manch andere. Ich habe mich auch in der Öffentlichkeit immer zum Verein bekannt und auch viel Kritik von außen von anderen Fans bekommen. Mir war ja auch klar, dass wenn ich RB verlasse, es woanders schwierig wird, weil mich nicht unbedingt alle mögen. Der Stempel ist da, weil ich immer öffentlich dazu gestanden habe, dass ich den Verein und auch die Stadt geil finde und es mir Spaß macht. Ich habe mich schon gefragt, ob sich das gelohnt hat. Aber wie gesagt, mit ein bisschen Abstand weiß man, dass man so nicht ist. Ich gebe alles, für das, was ich gerade mache. Eine Zeit lang war es für mich doof, aber jetzt nach all der Zeit ist alles ok für mich und es ist auch irgendwie normal im Fußball. Ich trauere der ganzen Sache nicht mehr nach, habe aber auch viel daraus gelernt. 

Du bist nach der Winterpause trotzdem geblieben.

Ich hatte mich dafür entschieden zu kämpfen. Nach der ersten Niederlage in Aue, als Alexander Zorniger, der mein Fürsprecher war, entlassen wurde, war mir auch klar, dass es das für mich war. 

Wie war für dich die Zeit vom Liebling zum Bankdrücker? 

Das war neu und im ersten Augenblick auch befremdlich für mich, und man ist in dem Moment ja auch nicht selbstkritisch genug. Ich habe mich schon gefragt, wie es sein kann, dass der Trainer mich draußen lässt. Man lernt aber auch. Rummeckern bringt nichts, sondern man muss im nächsten Training wieder Gas geben und dann spielt man vielleicht wieder. Aber ich hatte mich dann auch relativ schnell an die Situation gewöhnt. Im Nachhinein muss ich zufrieden sein, dass ich überhaupt auf der Bank gesessen habe (lacht).  

Was bedeutet dir die Zeit mit RBL, welchen Stellenwert hat sie?

Wahrscheinlich den größten. Babelsberg ist mein Heimatverein, mit dem ich in die 3. Liga aufgestiegen bin – das war cool. Da wird immer eine Verbundenheit sein. Aber RB hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Ich habe dort auch viel fürs weitere Leben dazugelernt – positive als auch negative Sachen. Deswegen sind die fünf Jahre RB die schönste und auch die prägendste Zeit in meiner Karriere. Ich habe vieles gelernt, was ich so noch nicht kannte oder gesehen habe. 

 

Vertraust du in dem Geschäft jemandem zu 100%?

100% kann man in diesem Geschäft niemandnem vertrauen, weil du heute der Held bist und fünf Tage später bist du derjenige, den alle weghaben wollen. Das geht im Fußball einfach so schnell. 

Wie siehst du die Zukunft von RB Leipzig?

Es war schon überraschend, wie die letzte Saison verlaufen ist. Nach dem Pokalspiel in Dresden war ich sehr erschrocken. Ich dachte, so könnte es eng in der Bundesliga werden. Aber als ich dann die Ligaspiele gesehen habe, war ich mir sicher, dass wenn sie so weitermachen und sich immer wieder neu verstärken, ein Konkurrent für die Bayern werden. Ich denke auch, dass sie auf Dauer nicht mehr aus der Champions League wegzudenken sein werden. Es war beeindruckend, was sie jetzt dieses Jahr gespielt haben. Die Zukunft für RB ist, dass sie irgendwann den Titel angreifen werden. Es wird schwierig, ihn zu gewinnen, aber nicht unmöglich. 

Und welche Chancen siehst du in der Champions League?

Das kommt darauf an, wen sie in der Gruppe haben. Wenn sie auf Real Madrid oder Chelsea treffen, wird es sicherlich schwer. Ansonsten muss man sehen, wie die Spieler die Doppelbelastung wegstecken. Man muss auch schauen, wie die jungen Spieler darauf reagieren, wenn sie gegen Messi und Co. spielen. Das ist schon noch mal etwas anderes als wenn du gegen Augsburg spielst. Ich bin sehr gespannt. Wenn sie die Gruppenphase überstehen, wäre das ein riesen Ding. Im ersten Anlauf die Champions League zu gewinnen, wird wahrscheinlich eng (lacht). 

Du hast einige Trainer in deiner bisherigen Karriere erlebt. Oral, Pacult, Zorniger, Beierlorzer, Schmidt, Köhler … Wer hat dich am meisten beeinflusst?

Ganz klar Alexander Zorniger. Er hat ein wahnsinniges Fußballwissen und war dazu menschlich auch noch top. Diese Komponenten zusammenzukriegen, ist nicht immer ganz einfach, aber bei ihm hat es gestimmt. Auch wenn er oft ein Sturkopf war, war er trotzdem gesprächsbereit und für neue Sachen offen. Ich denke, nach Stuttgart ist der Gang ins Ausland für ihn sehr gut gewesen. Ich bin mir sicher, dass man ihn irgendwann auch wieder hier in Deutschland sehen wird.

Hättest du gerne mal unter Ralf Rangnick trainiert?

Klar. Er hat extreme Ahnung und Plan vom Fußball. Für meine spätere Zukunft kann ich mir vorstellen, im Trainergeschäft zu arbeiten. Es wäre sehr interessant gewesen, wie er z.B. eine Trainingswoche gestaltet. Er ist als Trainer und Manager sehr beeindruckend. Das hätte ich schon gerne mitgenommen. 

  

Was war dein bisher schönster Moment in deinem Fußballerleben?

Die Aufstiege, egal welcher. Mit Babelsberg war es ein ganz besonderer, weil es der erste war. Und die Aufstiege mit Leipzig, weil man ewig dafür gekämpft und es dann geschafft hat. Auch das Wolfsburg-Spiel natürlich, als ich die drei Tore geschossen habe. Das wird immer in Erinnerung bleiben. 

Und weniger schöne Momente?

Die Verletzung von Christian Müller im Trainingslager 2014. Das ist das Traurigste, was dir als Fußballer passieren kann. Da ist jede Niederlage oder jeder verpasste Aufstieg gar nichts dagegen. Weil er ein Kumpel von mir ist, fühlt man noch ein bisschen mehr mit. Es war schrecklich, ihn mit diesen Schmerzen am Boden liegen zu sehen und einfach nicht helfen zu können. Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde. Auch die Zeit danach, wie er das Ganze verarbeiten musste. Das war der schlimmste Moment in meiner Karriere. Jetzt ist es wieder ok, er kann laufen und mit seiner Tochter spielen. Aber dafür hat er auch viel getan, er hat zwei Jahre lang jeden Tag Reha gehabt und auf vieles verzichtet. Und es hätte auch deutlich schlimmer enden können. 

Wie hat der Verein reagiert?

Nach dem Unfall bin ich gleich zu Ralf Rangnick gegangen, weil ich wusste, dass sein Vertrag zum Ende der Saison ausläuft. Wir haben uns zusammengesetzt und eine Lösung gefunden. Jetzt arbeitet „Mü“ bei RB im Marketingbereich. Sie haben Wort gehalten. Es war schon auch Glück, dass es bei diesem Verein passiert ist, mit der hervorragenden medizinischen Abteilung. Und man muss vor RB auch den Hut ziehen, dass sie sich daran gehalten und ihn nicht fallengelassen haben. 

Wie war der Abstecher in Heidenheim? 

Die Perspektive und die Gespräche mit dem Trainer waren sehr gut und auch das Finanzielle hat gestimmt. Viele rieten mir dazu, dass ich bedenken soll, dass ich nicht mehr so viele Jahre habe, um mit dem Fußball Geld zu verdienen. Das hat schon auch eine Rolle gespielt. Der Plan vom Trainer hat mir auch gefallen. Außerdem wollte ich mal etwas anderes und raus aus der Stadt. Aber letztendlich hat es einfach nicht gepasst. Ich bin mit den Leuten nicht warmgeworden. Ich habe das Gefühl, bei den Schwaben gibt es entweder nur die volle Liebe zu dir oder die absolute Abneigung. Der Verein war nicht schlecht, aber wir haben einfach nicht zueinandergefunden. 

Ich hätte auch noch dableiben können, aber ich hatte einfach keine Lust mehr und auch nur noch schlechte Laune, weil ich nicht gespielt habe.

Die Trennung nach einem halben Jahr war dann auch sehr unkompliziert, oder?

Ja, ich wollte auch nichts von denen haben, sondern einfach nur gehen. Das fand der Verein auch ok. Ich wollte einfach nur wieder Spaß am Fußball haben. Auf einmal war das ganze Leben so trist. Meine Lebensfreude war irgendwie weg und ich wusste, dass ich so nicht bin. Ich bin offen und möchte mich gerne mit Leuten unterhalten, zum Training gehen und Spaß haben. Das habe ich dort nicht gefunden. Ich wollte Fußball spielen und mich auch mit dem Umfeld identifizieren können.

Und dann bist du nach Chemnitz. Wie kam es dazu?

Der Kontakt zum Chemnitzer FC war schon lange da, auch schon als das Gerücht bei RB Leipzig aufkam, dass ich den Verein verlasse. Und nach Heidenheim war klar, dass ich unbedingt wieder in die Region zurückmöchte, weil es mir hier gefällt. Da war Chemnitz für mich die optimale Lösung. Außerdem hat mir die Nähe zu Leipzig die Entscheidung deutlich leichter gemacht. Das Geld war für mich nebensächlich. Für mich war es wichtig, zurückzukommen und wieder Spaß am Leben zu haben. 

Wie haben dich die Fans aufgenommen? Hattest du Bedenken wegen des RB-Stempels?

Ich hatte mir natürlich schon meine Gedanken gemacht. Ich hatte Respekt davor, zu einem Traditionsverein im Osten zu gehen. Die wissen ja, woher ich komme und ich habe ja auch schon ein paar Mal gegen den CFC gespielt. Ich wusste, dass da nicht unbedingt alles Frahn-Fans auf mich warten. Aber alles gut. Es macht Spaß. Die meisten haben mitbekommen, dass ich kein arroganter Spinner bin (lacht). Nicht alle waren skeptisch. Und jetzt, glaube ich, ist der überwiegende Teil froh, dass ich da bin. 

Wie ist es jetzt für dich, für einen Traditionsverein zu spielen?

Cool. Es gibt aber auch nicht so viele Vereine, die keine Tradition haben, das muss man auch mal sagen (lacht). Mir gefällt es. Man merkt in schwierigen Situationen, wie die Fans ihr letztes Hemd für den Verein geben. Zum Beispiel als es uns im Winter finanziell schlecht ging, sind die Chemnitzer alle nach Erfurt gefahren und haben es zum Heimspiel gemacht. Man merkt, dass die Fans diesem Verein seit Jahrzehnten treu sind und dass mehrere Generationen dabei sind. Das ist beeindruckend und motiviert mich noch mal gleich ein Stück mehr, den Menschen Freude zu bereiten und für sie zu gewinnen. 

Nach der unsteten Saison, dem Chaos im Verein und die drohende Drittliga-Lizenz-Verweigerung – Hattest du zwischendurch den Gedanken zu wechseln?

Nein, für mich war immer klar erst mal abzuwarten. Ich habe mich regelmäßig informiert, wohin es tendiert. Ich habe bis zum letzten Tag gehofft, dass die Lizenz kommt, um nicht mal ansatzweise einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, wieder zu wechseln. Weil es mir hier echt Spaß macht und ich mich wohlfühle.

Was ist das Problem letzte Saison gewesen?

Jeder hat gegen jeden geschossen, jeder wollte etwas zu sagen haben, wir Spieler haben Neuigkeiten aus der Zeitung erfahren, keiner war für uns ansprechbar. Es war Chaos. Man ist jeden Tag zum Training gekommen und hat neue Sachen erfahren. Man konnte sich nicht auf Fußball konzentrieren. Und das hat uns Spieler echt genervt. Nun gab es Veränderungen und jetzt müssen wir eine Einheit werden und zusammenhalten. Nur so kann es funktionieren. Du kannst noch so eine gute Mannschaft haben, wenn Unruhe herrscht, hast du keine Chance. 

War das für dich als Profifußballer nicht eine merkwürdige Situation?

Klar, das habe ich so noch nicht erlebt. Allerdings haben wir als Mannschaft auch nicht alles richtig gemacht. Wir hätten manches vielleicht auch anders machen können, aber so wie es da abgelaufen ist, war das wie der HSV im Kleinen. Es war einfach auch anstrengend, weil man sich nicht auf Fußball konzentrieren konnte. So wie es jetzt ist, ist es gut. 

Neuer Sportvorstand, neuer Trainer, 10 Spieler weg … 

Ähnlich wie hier in Leipzig am Anfang (lacht). Dass so viele Spieler gegangen sind, war auch für mich überraschend. Dass der neue Sportvorstand da ist, ist gut. Der bringt frischen Wind und hat auch angekurbelt, dass aufgeräumt wird. Auch der neue Trainer bringt neue Ansätze mit. Alles hat einen neuen Anstrich – das finde ich gut. Es war vielleicht wichtig, dass auch mal neue Personen kommen und Struktur reinbringen. 

 

Du sollst auch Verantwortung übernehmen.

Ja, aber das habe ich auch voriges Jahr nicht anders gemacht. Dafür brauche ich keine Kapitänsbinde. Durch die Zeit bei RB ist das keine Aufgabe, die mich abschreckt. Aber es ist auch immer situationsabhängig. Ich kann auch nicht sagen, ich bin Daniel Frahn und ich bestimme jetzt, was wir machen. Aber es ist normal, dass ältere Spieler, die mehr Erfahrung haben, Verantwortung übernehmen sollen.

Ist es für dich merkwürdig, plötzlich einer der älteren Spieler zu sein?

Das ist erschreckend (lacht). Ich bin jetzt der zweitälteste Spieler in der Mannschaft. Ich fühle mich wie 25, sehe aus wie 20, bin aber eigentlich 30 (lacht). Das ist halt der Lauf der Dinge, das ist kein Problem.

Kannst du noch mithalten?

Das denke ich schon, aber man sieht auch einen gravierenden Unterschied zu früher. Die jungen Spieler werden schon deutlich besser und zum Teil respektloser. Heute braucht man nicht mehr sagen, dass sie vorgehen und das Tor tragen sollen. Die schauen dich an und wissen gar nicht, was du von denen willst. Wenn mich früher Timo Rost aufgefordert hat, das Tor zu tragen, bin ich losgerannt (lacht). Das liegt auch daran, dass viele Trainer das nicht mehr wichtig finden und unterstützen. Aber früher war auch nicht alles besser. 

Ihr habt mit Horst Steffen nun einen neuen Trainer. Kanntest du ihn?

Nur vom Hörensagen. Er hat eine andere Ansprache und auch ein anderes Trainingskonzept als der Vorgänger. Er versucht, einen anderen Fußball spielen zu lassen. Ob es am Ende erfolgreicher ist, wird man sehen, aber für mich ist es nun mehr an den RB-Trainingseinheiten dran als es davor war. Es ist mehr Feuer drin, mehr Sprints, mehr Kopfarbeit, mehr Bewegung – das finde ich sehr gut. 

Das RB-Training ist sehr intensiv und anspruchsvoll. Hast du dich in der letzten Saison gelangweilt?

Nicht gelangweilt, aber ich habe schon einen Anspruch an mich und möchte auch gefordert werden. Und ich muss sagen, nach den ersten Trainingstagen tun mir die Beine schon ein bisschen weh (lacht). Schön ist, wenn man nach dem Training weiß, was man gemacht hat. 

Wo soll es mit dir noch mal hingehen? Was ist dein Ziel?

Mein Ziel ist, noch mal aufzusteigen und 2. Bundesliga zu spielen. 

Traust du dir auch die 1. Bundesliga zu?

Klar, ich traue mir alles zu, auch Champions League zu spielen (lacht). Aber ernsthaft, Champions League und 1. Bundesliga sind in meinem Kopf ganz weit weg und ganz hinten irgendwo vergraben. Aber 2. Bundesliga noch nicht.

Stimmt es, dass du eine lukrative Offerte aus China abgelehnt hast? 

Ja, das stimmt. Zu meiner Zeit bei RB. Da kamen coole Angebote. Wenn ich Single gewesen wäre, wäre ich um die ganze Welt gereist. China, Japan, Katar. Ich habe sogar schon mal auf gepackten Koffern gesessen – es war alles vorbereitet. Es ging um eine Dreimonats-Ausleihe nach Katar zu Al-Sadd, wo Xavi spielt. Letztendlich kam es nicht dazu. Aber ich hätte es gemacht. China wäre vom Geld her natürlich interessant gewesen. Aber das kam für mich nicht infrage. China ist noch mal ein ganz anderes Pflaster. Die Japaner wollten mich auch haben. Das wäre auf so einer einsamen Urlaubsinsel gewesen. Aber das konnte ich mir wirklich nicht vorstellen (lacht).

Gibt es denn einen Verein, für den du gerne noch unbedingt spielen wollen würdest?

Früher gab es das. Für Bayern, weil es mein Lieblingsverein ist. Aber mittlerweile gibt es das nicht mehr. England finde ich sehr interessant, weil die Atmosphäre da großartig ist. Aber zum jetzigen Zeitpunkt würde ich kaum irgendwo anders hingehen, weil es mir hier gefällt. Und das ist mir zurzeit wichtiger als andere Dinge. 

DFB-Pokal 1. Runde: Euer Gegner ist am 12. August 2017 Bayern München. Gutes Los?

Es war nicht unbedingt mein Wunschlos, weil man ja eigentlich eine Runde weiterkommen will. Nun ist die Chance natürlich sehr gering. Aber ich freue mich auch darauf, vor allem Joshua Kimmich wiederzusehen. Es ist cool, gegen Bayern zu spielen und für die Fans und den Verein ist es super, aber ansonsten ist bei mir der Hype jetzt nicht ganz so groß wie bei vielen anderen Leuten. Ich hätte lieber gegen eine Mannschaft gespielt, bei der es eine realistische Chance gibt, eine Runde weiterzukommen. Aber es ist eine schöne Erfahrung, mal gegen Lewandowski, Ribéry und Neuer zu spielen. 

Was sagst du zu den neuen Änderungsvorschlägen der FIFA?

Dieser 60-Minuten-Quatsch? Das ist für mich totaler Blödsinn. Mich nervt schon der Videobeweis. Ich hoffe nicht, dass das alles durchgesetzt wird. Fußball soll einfach so bleiben, wie er ist. Es gebe kaum noch Diskussionen oder Situationen, über die man sich ärgern kann. Das macht den Fußball doch aus. Alle drei Monate kommt so ein Vorschlag: Abseits aufheben, Chip im Ball, 60 Minuten Spielzeit. Also ich bräuchte nichts davon. Bei 60 Minuten brauchst du keine Auswechselspieler mehr – 60 Minuten schafft ja wohl jeder (lacht). Wenn das alles durchgesetzt wird, werde ich wahrscheinlich eh keinen Fußball mehr spielen. 

Apropos: Wie lange willst du noch Fußball spielen?

So lange wie möglich und so lange es mein Körper mitmacht. Wenn ich merken würde, dass ich nicht mehr hinterherkomme, wäre mir das peinlich. Das ist es mir ja jetzt schon, wenn ich auf der Massagebank liege und etwas wehtut. Ansonsten würde ich spielen, bis ich keine Lust mehr habe. Wenn mich mein Körper bis 40 durchbringt, spiele ich bis dahin Fußball. Es gibt es doch nichts Schöneres, als jedes Wochenende im Stadion zu spielen. Noch schöner ist nur, mit den Jungs in der Kabine zu sitzen und dusselig zu quatschen. Ist wirklich wahr. In den drei Wochen Urlaub hat mir das richtig gefehlt (lacht). 

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