27 °C Mo, 22. Juli 2019 Uhr
Prinz.de  /  Gastro  /  PRINZ-Test: Intermezzo

PRINZ-Test: Intermezzo

Das Intermezzo im Taschenbergpalais gehört zu Dresdens besten Restaurants, es ist eine der klassischen Feinschmecker-Adressen.



Wenn ihr feststellt, dass ihr zu selten richtig gut essen geht – viel zu oft den Italiener an der Ecke besucht, oder das gut bürgerliche Restaurant, wo ihr schon so oft mit Omi und Opi irgendwelche Geburtstage gefeiert habt, dann solltet ihr euch ruhig mal trauen, Adressen wie das Kempinski Taschenbergpalais zu besuchen. Denn hier ist entspannt speisen auf höchstem Niveau angesagt. Noch vor einigen Jahren war das Intermezzo der Inbegriff eines „abgehobenen“ Restaurants. Da wurde der Teller unter einer silbernen Glocke hereingetragen und die Speisen feierlich vorm Gast enthüllt, oder das Silber-Besteck mit weißen Handschuhen am Tisch zurechtgelegt. Die Zeiten sind vorbei, wie unser Besuch im Herbst 2014 gezeigt hat. Service und Küche sind nicht weniger perfektionistisch, aber nicht mehr ganz so „angestaubt“. Wir fühlen uns wohl.

 

Das Taschenbergpalais ist unschlagbar die Barock-Adresse der Stadt, ihr steht vor dem beeindruckenden Bau zwischen Schloss und Zwinger und möchtet sicherlich einfach nur dort einziehen. Das Palais ist ein Hotel der Marke Kempinski, hält aber besonders auch für die Dresdner einige Gute Gründe für einen Besuch bereit. Im Winter die Eislaufbahn im Innenhof, im Sommer die tolle Lounge-Atmospähre an selber Stelle. Die Karl-May-Bar gehört zu Dresdens besten Bars und auch das Palais-Bistro solltet ihr mal besucht haben. Wer sich aber mal ganz besonders fühlen möchte, so märchengleich wie möglich. Oder wenn ihr einfach nur eure Liebsten überraschen, beeindrucken oder beschenken wollt, dann müsst ihr unbedingt ins Intermezzo gehen. Vom Taschenberg aus betretet ihr das Palais am besten durch den Haupteingang und wandelt durch die Gewölbe überspannten Flure in Richtung Restaurant. Dabei geht’s vorbei an tollen Möbeln, Bildern, Leuchtern – es fühlt sich an wie im Märchenschloss.

 

Das Restaurant selbst besteht aus drei Salons. Wenn ihr vorab reservieren wollt, gebt mit an, ob im vorderen Bereich oder in den hinteren beiden Räumen. Vorteil im ersten Salon ist, dass ihr hier alles und jeden beobachten könnt. In den anderen beiden habt ihr dafür mehr eure Ruhe. Ein Mix aus gemütlichen Sitzcouchbänken und klassischen Polsterstühlen macht die Einrichtung recht spannend. Besonders die großen Wandpsiegel stechen hervor. Einige leicht blass und stumpf, so wie es in alten Barockschlössern oft zu sehen ist. Irgendwie ansprechend die gesamte Mischung, wenn auch gefühlt noch nicht zu Ende gedacht. Der Service begrüßt die Gäste aufmerksam und geübt, reicht zu Beginn die Menükarte und bespricht den Aperitif. Ihr könnt euch direkt für das Degustations-Menü entscheiden, was bis zu sechs Gänge umfasst – oder aus Vorspeisen, Fischgerichten oder Fleischgerichten selbst etwas zusammenstellen. Auch ein vegetarisches Menü wird angeboten. Welche Gerichte sich als Zwischenspeisen eignen, ist leider nicht erkennbar. Empfehlenswert schon seit Jahren die Fischempfehlung des Chefkochs. Jörg Mergner ist bekannt für seine fischigen feinen Speisen. Leider kommt der Service aber nicht so recht dazu, uns bei der Auswahl der Speisen zu begleiten. Doch auf Nachfrage werden die Speisen sehr gut erläutert und besprochen, und auch eine Minute für ein kurzes Gespräch wird sich genommen. Insgesamt würde man sich sicherlich über mehr Nähe zum Gast freuen.

 

Ein kleiner netter Gruß aus der Küche und etwas frisches Brot leiten den Speisen-Reigen ein. Wir hatten zur Vorspeise Tomate in Variationen mit gebratenen Riesengarnelen und Auberginencreme sowie Magatello: Rinderfiletrohschinken mit Sommergemüse und Paprikaketchup. Beide Teller war handwerklich perfekt. Besonders ideenreich waren die verschiedenen Umsetzungen von Tomate, herausragend schmackhaft das Magatello. Als Hauptspeisen hatten wir uns für Rücken vom Duroc Schwein auf Kraut und Rüben mit Kirschbutter und Schalotten-Thymiansouffle sowie Crepinette vom Seeteufel an Thymianrisotto, Beurre rouge und grünem Sellerie entschieden. Die Seeteufel-Crepinette war dabei der totale Genuss und spannend anzuschauen. Der Schweine-Rücken recht klassisch aber trotzdem geschmacklich perfekt und bei dieser Variante könnt ihr einmal sehen, wie sich kleine Rüben und anderes Wurzelgemüse lecker auf höchstem Niveau zubereiten lassen. Intermezzo Taschenbergpalais Käseauswahl und die Sommerbeeren in der Hippenblüte leichtes Amarettomousse und Waldmeister- Sauerrahmeis runden den genussvollen Abend ab.

Fazit: Im Intermezzo findet ihr eine gute Kombination von klassischem Restaurant-Ambiente und modernen Einrichtungs-Ideen, der Service hat die „alte Schule“ voll drauf, ist aber entspannter als früher. Die Gerichte sind in der neuen Zeit angekommen und bestechen durch kreative Kochideen, die sehr klassischen Einflüssen lassen sich dennoch bei jeder Speise erkennen. Hier könnt ihr nichts falsch machen, und erschwinglich ist das 3-Gang-Menü zum besonderen Anlass für 59€ allemal.

PRINZ-Bewertung: 4/5