Bald wird alles besser! In Dresden tritt das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft und im MDR haben so fesselnde Diskussionsrunden wie „Rauchen – mir stinkt’s gewaltig!“ endlich ein Ende. Doch was machen wir dann? Es wird Zeit, sich darauf mental vorzubereiten: Zum Beispiel könnte man mal wieder schick Essen gehen. Zwar schmeckt nach einer Poularde in Ingwerschaum an pikantem Wildrisotto nichts besser als eine Selbstgedrehte – aber okay, künftig muss ein Hustenbonbon reichen. Und die Erkenntnis, sich das nächste Mal besser für ein Restaurant aus den PRINZ Gastro-Tests zu entscheiden. Bis dahin lassen sich leichte Magenverstimmungen auch mit einem kühlen Drink in einer der unzähligen Bars vergessen machen. Zwar herrscht dann selbst in der Kneipe an der Ecke generelles Rauchverbot, als Ersatz werden aber sicher überall Schalen mit Salzstangen und Erdnüssen herumstehen. Bevor man mit zittriger Hand dort hineingreift, sollte man sich jedoch eine Frage stellen: Kann man wirklich sicher sein, dass sich alle anderen Knabberfreunde nach dem Gang zur Toilette sorgsam die Hände gewaschen haben? Glücklich, wer darauf keine Antwort sucht, sondern wie im Blumenau einen separaten Raucherraum findet.

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Schade nur, dass die überfüllt sein werden. Und zwar mit Nichtrauchern, die ihren qualmenden Freunden wie eh und je überall hin folgen, um die wirklich interessanten Gespräche ja nicht zu verpassen. Oder einfach wegen des Kneipenfeelings mit blauen Dunstschwaden, denn vanillefrische Raumluft haben sie ja auch zu Hause. Doch soviel Toleranz muss sein: Dann weicht man halt in den nächsten Club aus. Im Amtsdeutsch heißen die Diskotheken und sind – natürlich rauchfrei. Ob im Parkhotel, dem Pier15 oder auf der Straße E: Statt auf die gewohnte Kontaktaufnahme „Hast Du mal Feuer?“ wird man leider vergeblich auf ein ebenbürdig dahingehauchtes „Hast Du mal ’nen Kaugummi?“ warten. Schade, stattdessen wird es wohl ein ständiges Kommen und Gehen geben, das nicht nur die Türsteher nervös machen wird. Doch es bringt ja nichts, sich von dieser Nervosität anstecken zu lassen. Auch in Kliniken ist Rauchen verboten. Außer – und das ist der Clou – in „Gesundheitseinrichtungen im Rahmen des Maßregelvollzugs“. Aber so weit muss es ja nicht kommen. Man kann ja auch mal zu Hause bleiben und sich einen alten Schwarz- Weiß-Film anschauen, in dem ein Kinderarzt mit Zigarre im Mund zu den Kleinen sagt: „Jetzt mal tieeef einatmen!“ Oder noch besser: Einfach aufhören. Mit dem Rauchen, nicht mit dem Ausgehen! Dann wird wirklich bald alles besser.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über das Nichtraucherschutzgesetz in Sachsen.

DAS NICHTRAUCHERSCHUTZGESETZ IN SACHSEN
Wenn am 1. Februar 2008 das Nichtraucherschutzgesetz in Sachsen in Kraft tritt, dann ändert sich so einiges. Der Raucher, bekanntlich ein Herdentier, dessen Sucht oft genug als jugendliche Gruppenzwangssünde begann, wird dann erheblich eingeschränkt sein. Dass zunächst einmal Krankenhäuser, Jugendherbergen und Schulen rauchfrei werden, ist klar. Was die Raucher aber wohl am härtesten treffen wird, sind die Rauchverbote in Gaststätten und Diskotheken. Hier heißt es ab nächstem Jahr „Bye, bye Fluppe“, es sei denn die Gaststätte verfügt über einen abgetrennten Raum. Dort darf man sich dann zusammenrotten und der Sucht frönen.Ausgenommen sind dabei aber die hiesigen Tanztempel: Hier soll striktes Rauchverbot gelten, selbst wenn es einen zusätzlichen Raum gibt. Auch der Kunstfreund wird auf seine Zigarette nach dem Theater oder der Vernissage verzichten müssen, in Museen gilt selbiges. Zwar kann man in Spielbanken noch Glücksritter spielen, der Glimmstängel zur Nervenberuhigung muss aber auch hier aus bleiben. Ein gesetzlicher Rundumschlag also, der den Verantwortlichen, zum Beispiel den Gastwirt, bei Nichtbeachtung bis zu 5000 Euro kosten kann.

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Interview mit Eventmanager Christian von Canal.

CHRISTIAN VON CANAL
Der Eventmanager fordert eine Gleichbehandlung von Eventlocations und Speisegastromie.

PRINZ: Was hältst du von dem neuen Nichtraucherschutzgesetz?
Christian: Grundsätzlich ist es ein richtiger Ansatz. Die Durchführung, so wie sie jetzt beschlossen wurde, ist jedoch in meinen Augen gesetzeswidrig und eine Bevormundung des Gastes. Ich habe mich deshalb auch einer Sammelklage angeschlossen, mit der eine Parität zur Speisegastronomie erreicht werden soll. Schließlich geben es die meisten Locations doch her, gleichwertige Raucher- und Nichtraucherbereiche getrennt einzurichten.
PRINZ: Haben sich bei dir oder deinem Team schon einmal Nichtraucher über Qualm beschwert?
Christian: Das ist bis jetzt nie vorgekommen. Im Arteum zum Beispiel haben wir eine erstklassige und moderne Klimaanlage, um die Luft für unsere Gäste so angenehm wie nur möglich zu machen.
PRINZ: Wie wird dieses Gesetz deiner Meinung nach die Clubszene verändern?
Christian: Am Anfang wird die Zahl der Clubbesucher sicherlich sinken. Wir prüfen allerdings zur Zeit, welche Möglichkeiten wir im Rahmen der dann bestehenden Gesetzeslage noch haben werden, unseren Gästen irgendwie Möglichkeiten zum Rauchen zu geben, die komfortabel sind und gerade in der kalten Jahreszeit auch Schutz vor der Witterung bieten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Qualmfreie Zone oder extra Glühstengelbereich – das ändert sich in den In-Locations.

CLUBS

CLUB MENSA
Die direkten Auswirkungen des Rauchverbots hat der Club Mensa schon vor drei Jahren erfahren. Zuvor wurde freiwillig ein Verbot für den Mainfloor ausgesprochen. Das Resultat: Immer mehr ausbleibende Besucher und ein schnelles Zugeständnis an die Raucher. Daher herrscht beim Betreiber auch strikte Ablehnung gegen das Gesetz. Dieses könne dem geschichtsträchtigen Studentenclub im Herzen Dresdens wirtschaftlich nur schaden. Denn wenn man sich schon mal „freiwillig“ ins Nachtleben stürzt, sind Gesetze die den Spaß daran nehmen, das Letzte was man braucht.

MOTOWN CLUB
Soul, Funk, Zigarre und die Zigarette gehören irgendwie zusammen. Aber auch Motown- Chef Abdulaye Baldé hält sich an das Gesetz und wird ab Februar das Rauchen in seinem Club untersagen. Nicotineure werden trotzdem noch Spaß am Club haben, denn in der benachbarten Soul Bar wird für Raucher ein abgetrennter Bereich eingerichtet. Im Klartext heißt das: Raus aus dem Motown und rein in die Raucherecke der Soulbar, wenn die Gier nach dem blauen Dunst zu groß wird.

SHOWBOXX
Gunjah ist Nichtraucher. Deshalb wird er es wohl verschmerzen können, wenn die Servicekräfte der Showboxx demnächst keine Aschenbecher mehr aufstellen werden. Er sieht dem Ganzen auch gelassen entgegen, „schließlich funktioniert es in spanischen Clubs auch. Die Leute kommen wegen der Musik, und nicht zum Rauchen“. Trotzdem würde er gern im oberen Bereich ein Raucherabteil einrichten, was die Gesetzeslage aber vorerst verbietet. Showboxx-Freunde werden sich somit wohl mit der Terrasse vor der In-Location abfinden müssen. Trost ist auf jeden Fall der tolle Ausblick, den man von selbiger auf die Dresdner Altstadt hat.

GASTRO

BLUMENAU
Ob als Café oder Bar, das Blumenau im Herzen der Neustadt trifft die drohende Nichtraucherverordnung hart. Die nicht kleine Zielgruppe der Tabakkonsumenten muss gehalten werden. Der staatlich verordnete Nikotinentzug könnte sonst zum Umsatzkiller werden. Eine Pagode außerhalb des Blumenaus wird so zur großen Hoffnung. Eine gemütliche Raucherlounge soll, verbunden mit dem Lokal, entstehen. Ein großer Aufwand für ein wenig blauen Dunst.

MAGNOLIA SHISHA LOUNGE
Die erst kürzlich eröffnete Magnolia Shisha Lounge teilt ihr Schicksal mit einer Menge anderer Bars. Zum geselligen Ausklang des Abends oder entspannten Zusammensein treffen sich hier Raucher und – zumindest im eigentlichen Sinne – auch Nichtraucher. Ein Anti-Rauchergesetz würde der Lounge ihre Existenzgrundlage nehmen. Daher erwartet der Betreiber, dass für die Wasserpfeifen eine Ausnahmeregelung in Kraft treten und die Shishabars vor dem Aus retten wird. Angesichts der nicht gerade wenigen Betroffenen scheint eine solche Regelung sinnvoll.

PARKHOTEL/8SEASONS
Im Kurviertel der Stadt gelegen, dessen Ruf in den Zeiten der reinen gesunden Luft und der kaum befahrenen Bautzner Landstraße begründet wurde, steht das Parkhotel unter anderem mit dem 8seasons für ausgelassenes Feiern. Doch auch hier werden die neuen Regeln gelten.Derzeit wird geprüft, ob es möglich sein wird, den Innenhof zur Raucherlocation und damit als Outdoorbereich umzufunktionieren. Trotzdem streben auch die Veranstalter des Parkhotels rechtliche Schritte gegen ein generelles Verbot von abgetrennten Raucherlounges in Diskotheken an.

SKY
Auch der Himmel, genauer das Sky, sieht mit Grausen dem stetig näher kommenden Ende der gepflegten Rauchkultur entgegen. Etliche Gäste könnte der staatliche Eingriff in das Sucht- und Genussverhalten der Kundschaft kosten, so die Befürchtung der Betreiber. Einzig ein Kleinod der vom blauen Rauch verzückten Massen bleibt: die Dachterrasse des Kugelhauses. Zelte schützen hier vor Regen, Wärmepilze vor mitteleuropäisch kalten Tagen und Nächten – zumindest bis diese wegen zu hohem CO2 Ausstoß verboten werden. Ein Raucherhimmel mit Abstrichen.