STADTTEILCHECK: PIESCHEN

Zwischen Ballhaus- Romantik und Arbeiterviertel, zwischen Elbidylle und Nightlife- Stimmung – Pieschen gehört zu den widersprüchlichsten Stadtteilen Dresdens. Pompös, nein, das ist der Dresdner Nordwesten nicht. Großstädtisches Flair oder ein Kneipenviertel sucht man vergebens. Und dennoch, irgendwie verzaubert das einstige Fischerdorf. Pieschen geht seinen eigenen Weg und lässt sich weder in eine Schublade der städtischen Eitelkeiten stecken, noch versucht es vermeintlichen Idealen nachzueifern. Früher als Arbeiterviertel und sozialer Brennpunkt verschrien, wurden dem beschaulichen Örtchen eigentlich nie Reichtümer, Ruhm und Ehre zuteil. Mittlerweile hat sich viel getan: Entlang der Leipziger Straße hat sich beispielsweise der Alte Schlachthof als eine der wichtigsten Konzertlocations der Stadt etabliert. In diesem Jahr werden noch Northern Lite, Fettes Brot, Schiller oder Kate Nash die Gewölbedecken rocken. Nebenan bietet das Puschkin alternative, frische und kreative Clubatmosphäre zum Tanzen und Feiern. Und gegenüber, direkt an der Elbe, sind die zwei schönsten City-Strände Dresdens zu finden: Stylisch und edel relaxt man am Puro Beach, lässig und entspannt lockt der City Beach. Für den adäquaten Sommer-Spaß sorgt der benachbarte Segway-Funpark, der die futuristischen Fortbewegungsmittel bereithält und auf einen Elbspaziergang der besonderen Art einlädt. Nicht zu vergessen sei an dieser Stelle die Showboxx, die auf fast zehn Jahre Party-Kultur zurückblicken kann und deren schönschaurige Atmosphäre auch heute noch regelmäßig regionale, nationale und internationale DJ-Größen anzieht. Ein bisschen ruhiger und gesetzter wird es rund um das Pieschener Zentrum. Da thront das Ball- und Brauhaus Watzke und versinnbildlicht eben jenen Glanz, der dem Nordwesten zu Unrecht abgesprochen wird. Romantische Bälle, einen wunderschönen Biergarten mit Blick auf die Elbe und echte Dresdner Braukunst lassen den Alltagsstress vergessen. Dass in Pieschen alles ein wenig entspannter läuft und man das Leben genießt, beweist außerdem eines der besten französischen Restaurants der Stadt: Das Petit Frank auf der Bürgerstraße verwöhnt in romantischen Kellergewölben mit Haute Cuisine und edlen französischen Weinen. Selbige können zum Heimverzehr übrigens im nahe gelegenen Savoir Vivre erworben werden. Der Spezialitäten-Laden verfügt unter anderem über einen urigen Weinkeller, ein Bistro und eine unwiderstehliche Delikatessen- Theke.Wer es nach einem ausgedehnten Elbspaziergang lieber etwas deftiger und vor allem sächsischer mag, macht am besten im Wirtshaus Lindenschänke Rast. Bekannt für ihre Fischspezialitäten, sowie die echte sächsische Hausmannskost, begeistert die Lindenschänke mit urigem Flair und Gemütlichkeit. Der Inhaber Gerd Kastenmeier ist in der Dresdner Gastro-Szene übrigens kein Unbekannter, verwöhnt er doch die Gäste des Trocadero Sarrasani Theaters mit einem exklusiven Vier-Gänge-Menü. Während für kulinarische Kunst ausreichend gesorgt ist, betritt Pieschen was die bildenden Künste angeht relatives Neuland. Um dem Stadtteil diesbezüglich auf die Sprünge zu helfen und ihn außerdem interessanter und kreativer zu gestalten, wird 2008 das erste Pieschener Kunstsymposium stattfinden. Unter dem Titel „Wege und Wandel“ widmen sich zwischen dem 24. Mai und dem 22. Juni Dresdner Künstler rund um den Bildhauer Ralf Nowak den vergessenen Orten des Stadtteils. Ein Pfad aus Skulpturen, Bildern, Installationen und Performances soll Pieschen künstlerisch zeigen und inszenieren. Eine Auswahl wird auch nach Ende des Symposiums kleine Glanzpunkte bilden. Wer von Pieschens Potential immer noch nicht überzeugt ist, sollte das Pieschener Hafenfest vom 6. bis 8. Juni besuchen. Hier kann man die Entspanntheit, Lebensfreude und Gelassenheit des Nordwestens spüren, sich vom Charme Pieschens verführen lassen und hoffentlich weit in die Welt posaunen, dass es hier schöner ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Claudia Seifert