Wer heutzutage arbeitet, muss vor allem eines sein: mobil. Dass das auch oder vielmehr gerade fürs schreibende Gewerbe gilt, erfahre ich als Redakteur beinahe jeden Tag, der Coffee-to-go wird dann nur allzu oft zum Treibstoff und mäßigkulinarischen Begleiter der Work-to-go. Wir nennen es Arbeit, wie Sascha Lobo sagen würde. Ich sage: Willkommen in der digitalen Bohème. Doch weil sich so etwas ohne eine kleine Revolution von Arbeitsmarkt und Co. nicht ändern lässt, muss ich mich damit arrangieren. Das funktioniert dann zum Beispiel so, dass ich zwischen zwei Terminen einfach mal das Netbook auspacke – die Dinger sind tatsächlich verdammt praktisch – und die Zeit zum Arbeiten nutze. Weil dazu aber auch das Internet unerlässlich ist und UMTS sich für mich noch nicht lohnt, bin ich auf die W-Lan-Hotspots in Dresden angewiesen. Welche das sind und wo sich die Stadt eher w-lahm gibt, soll das folgende Beispiel zeigen. Einen Artikel wie diesen zu schreiben, braucht meistens mehrere Tage Zeit. Und da die meist knapp ist, kommt mir ein Arbeitsplatz in Uninähe gelegen. Praktisch, dass fast der gesamte Campus mit W-Lan ausgestattet ist. Wer aber wirklich in Ruhe arbeiten will, ohne dass er allenthalben von kommunikationssüchtigen Studenten gestört wird, findet im zentralen Lesesaal der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek einen stillen Platz mit stabiler und schneller Internetanbindung. Übrigens haben dort nicht nur Studenten virtuellen Zutritt: Eine einfache und kostenlose Anmeldung in der SLUB reicht. Weiter geht’s zum Interview beim Mittagessen im Vapiano. Nach einem netten Gespräch und köstlichem Essen wartet jedoch gleich wieder die Arbeit. Und da die Arbeit in einer Redaktion häufig mit hohem Zeitdruck verbunden ist, muss das Interview noch direkt vor Ort verschriftlicht werden. Praktisch, dass ich bei der Bedienung das Passwort für den W-Lan-Zugang erfragen und das Endresultat gleich abschicken kann.

Auf dem Weg in die Neustadt bekomme ich eine SMS meiner Chefin mit der Bitte, doch mal mein E-Mail-Postfach zu checken. Gut, dass ich gleich am Scibb bin, wo es neben den besten Shakes der Stadt und schmackhaften Snacks auch W-Lan gibt. Der nächste Auftrag erreicht mich somit also auch wieder mobil. Dem Scibb Konkurrenz machen könnte übrigens das neue Starbucks. Die Kaffees sind auf jeden Fall wettbewerbsfähig. Zugang zum Internet bekommt man hier aber leider nur über kostenpflichtige T-Online Hotspots. Deshalb entscheide ich mich, noch einen Kaffee im Maximus zu trinken, wo der Online-Zugang kostenlos und das Netz schnell und stabil ist. Weil jedoch die Altstadt im Vergleich zur Äußeren Neustadt eine wahre Online-Pampa ist, geht’s weiter zur anderen Elbseite. Die passende Straßenbahn-Verbindung mit meinem iPhone und kostenlosen Apps wie „Fahr-Info“ von der VVO oder dem Programm DVBLive, welches übrigens von einem Dresdner Programmierer stammt, ist schnell gefunden. Wer sich die Neustadt 20 Jahre früher ins Gedächtnis ruft, ist ja meist sowieso erstaunt über die Wandlung zum Kneipen- und Szeneviertel. Daneben ist aber auch ihre virtuelle Vorreiterrolle kaum zu übersehen. In keinem anderen Stadtteil in Dresden finden sich so viele W-Lan-Hotspots, Internetcafés und Möglichkeiten, mobil zu arbeiten.

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So kann ich mich gemütlich im Café Europa niederlassen, den Verkehr der Massen aus Blech und Fleisch und Blut auf der Königsbrücker Straße beobachten und schließlich auch ganz entspannt online arbeiten. Und das immerhin rund um die Uhr. Kein Wunder also, dass dieses Café bei vielen als das immer schlagende Herz der Neustadt gilt. Noch nicht ganz so legendär ist die Schokoladenbar, ein Ableger des Madness auf der Alaunstraße. Im großzügigen und im Vergleich zum Madness nicht ganz so vollgestopften Ambiente macht auch das Arbeiten mehr Spaß. Und weil man bekanntlich nicht nur arbeiten kann, sondern auch etwas Erholung braucht, nutze ich mit Freunden auch gleich das Neustädter Nachtleben. Hier bleibt man von Arbeit allerdings relativ weit verschont, denn außer dem Mondpalast und Max sieht es in der Dresdner Nachtlebenszene W-Lan-technisch karg aus. Alternativen für die Abendgestaltung bieten noch das Joe’s, wo man neben Billard spielen und bowlen auch im Internet surfen und sich so beispielsweise über die Statistiken der Deutschen Bowling Organisation informieren kann, oder die Sportbar Playoff, welche den Gästen nicht nur gratis W-Lan, sondern im Notfall auch einen eigenen Laptop zur Verfügung stellt. Die neuesten Ergebnisse von Dynamo gibt’s am einfachsten per RSS-Feed. Abonnieren lassen sich diese über die Adresse dynamo-dresden.de/dynamonews.xml. Als ich am Abend zu Hause meine E-Mails checken will, stelle ich fest, dass mein DSL-Anschluss spinnt. Eigentlich ist das auch mal ganz schön, überhaupt nicht arbeiten zu können.

Unser Autor Georg Thieme meint, dass Hotspots eigentlich zum Service gehören und hofft, dass das bald auch die Gastronomen erkennen, damit Dresden mit Städten wie Berlin und München gleichziehen kann.

INTERNET IN DRESDEN: FÜNF ADRESSEN FÜR DRAHTLOSES SURFEN

Vapiano:
An einer Theke kann man miterleben, wie das Essen zubereitet wird. Platz nehmen kann man im Sommer auch im gemütlichen und abgetrennten Freisitz.
>> Seevorstadt-Ost /Großer Garten, Sankt-Petersburger- Straße 26, Tel. 482 48 64, So-Mi 10-24, Do-Sa 10-1 Uhr (Küche jeweils 11-24 Uhr), vapiano.de

Max:
Das Max kann vor allem mit seinem Szenecharme punkten. Egal ob am Fensterplatz, im hinteren Teil des Café-Restaurants oder direkt auf der Straße, das pulsierende Leben der Neustadt erfährt man hier hautnah. Bequem, wenn man dabei auch gleich online Arbeiten kann.
>> Äußere Neustadt, Louisenstraße 65, Tel. 563 59 96, Mo-Fr ab 9, Sa / So ab 10 Uhr, max-dresden.de

Maximus:
Wer auch am Sonntag arbeiten möchte oder muss, kann das im Maximus zumindest mit einem hervorragenden Brunch verbinden. Das Internet ist hier schnell und stabil.
>> Wilsdruffer Vorstadt / Seevorstadt-West, Maxstraße 6, Tel. 810 41 00, tgl. 7.30-24 Uhr, maximus dresden.de

Cup&Cino:
Kaffeehäuser findet man in der Dresdner Neustadt einige. Und die Kette Cup&Cino gehört dabei sicherlich zu den besseren, was die Qualität der Heißgetränke und des Service angeht. Zu letzterem zählt auch der kostenlose W-Lan-Zugang für die Gäste.
>> Äußere Neustadt, Görlitzer Straße 27, Tel. 213 55 83, Mo-Do 9- 24, Fr / Sa 7-3, So 7-1 Uhr, cupcino.de

Scibb:
Zentral am Postplatz gelegen, eignet sich das Scibb besonders für einen schnellen Snack. Beim Arbeiten am Laptop sollte man allerdings aufpassen, dass man von Essen und Trinken nicht zu sehr abgelenkt wird.
>> Innere Altstadt, Wallstraße 1, Tel. 481 84 49, Mo-Sa 9-22, So 10- 20 Uhr, scibb-dresden.de

Joe’s:
Hier stehen dem Besucher 32 Poolbillardtische und zwölf Bowlingbahnen zur Verfügung. Online kann man sich dank W-Lan gleichzeitig mit andern Spielern aus aller Welt vergleichen.
>> Seidnitz, Mügelner Straße 36, Tel. 284 55 51, So-Do 14-1, Fr / Sa 14-3 Uhr, joes-dresden.de