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Aus dem Leben einer Wellnesshoteltesterin: Verloren im Bananenhain

Wer immer auf Achse ist, dem kommt leicht mal was abhanden. Davon weiß die Wellnesshoteltesterin Andrea Labonte ein Lied zu singen. Dabei lösen sich nicht nur Bademäntel gerne mal in Luft auf, manchmal verliert sich die Hoteltesterin unterwegs sogar selbst – und hin wieder auch ihre Mitreisenden. Was gegen etwaige Verluste auf Reisen hilft? Auf jeden Fall Humor und im Zweifelsfall eine Wellness-Auszeit.

Wellnesshoteltesterin Andrea Labonte im Bananenhain
Auf der Suche nach dem Dschungel-Spa landete die Wellnesshoteltesterin Andrea Labonte versehentlich im Bananenhain

Der Thai-Masseurin auf der Spur

Vor ein paar Wochen kam meine Reisebegleitung enttäuscht von ihrer Massage zurück. „Meine Anwendung wurde geklaut!“ Da ich nicht verstand, bat ich um Aufklärung. Dabei erfuhr ich, dass mein Kollege während eines Hotel-Tests voller Erwartung an der verwaisten Spa – Rezeption Platz genommen hatte, um dort auf den Beginn seiner Thai-Massage zu hoffen. Leider vergeblich. Nach einer halben Stunde des Wartens, leitete er die Fahndung nach seiner vermissten Masseurin ein. Ganz nach dem Motto: Wenn die Entspannung nicht zu mir kommt, komme ich zur Entspannung.

Und tatsächlich in der Weite des Hotel-Spas traf er auf eine auskunftsfreudige Seele: „Ja, der Doktor, der genießt doch schon seit einer halben Stunde seine Thai-Massage.“ „Ach so,“ stotterte mein promovierter Co-Tester völlig verdattert. „Ja, aber der Doktor, der bin doch ich.“ „Nein, nein, der Doktor ist mit unserer Thida schon kurz vor 16 Uhr im Massageraum Fünf verschwunden“, entgegnete die Spa-Angestellte resolut. So ein Pech. Da hatte sich wohl einige Minuten vor Massagebeginn, beim Aufrufen des Namens durch die thailändische Masseurin Thida, tatsächlich ein anderer für meine Reisebegleitung ausgegeben. Und so machte sich bei uns die Erkenntnis breit: Der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, sondern wird auch mit einem entspannten Rücken belohnt.

Haltet den Salami-Dieb!

Schlimmer als eine verlorene Massage ist allerdings eine verlorene Zweijährige auf einem italienischen Flughafen im Hochsommer. Während ich mir eine kurze Verschnaufpause vor dem Abflug auf der Toilette gönnte, hatte mein Mann die Aufgabe, unsere Tochter im Auge zu behalten, was ihm nur bedingt gelang. So fand unser quirliger Nachwuchs zunächst Gefallen daran, sämtliche Ständer mit folkloristischen Souvenirs umzustoßen. Dabei hatten es ihr die gehäkelten Topflappen besonders angetan. Und während mein Mann noch dabei war, einen der vielen umgeschmissenen Nippes-Ständer wieder aufzurichten, machte sich unser Kind aus dem Staub.

Erst der Shop-Besitzer eines italienischen Wurstladens machte meine bessere Hälfte darauf aufmerksam, dass nicht nur eine große sardische Salami in ihrer Auslage fehlte, sondern auch jede Spur der kleinen Diebin. Dass sich just zu diesem Zeitpunkt ganz Europa in unserer Abflughalle versammelte, machte das Wiederauffinden unseres Kindes nicht einfacher. Glücklicherweise konnten wir die Ausreißerin samt Proviant dann gerade noch vom Einsteigen in ein Flugzeug nach Reykjavik abhalten. Seit diesem Erlebnis reist unser Nachwuchs nur noch mit Namensbändchen um das Handgelenk.

Augen auf bei der Partner- und Bademantel-Wahl

Auch Saunabesuche stiften in meinem Berufsalltag Verwirrung. So lief mir eine Saunabesucherin mit hochrotem Kopf, wild gestikulierend nach meinem Verlassen der Sauna hinterher: „Was fällt Ihnen ein? Stehen bleiben!“ „Ja, um Himmels Willen, meinte diese hysterische Person etwa mich?“ Das konnte nicht sein, unbeirrt lief ich weiter. Allerdings nur so lange, bis mich der Schreihals an meinem Bademantel zupfend zum abrupten Stehenbleiben zwang. Beinahe hätte ich um Hilfe gerufen. Doch dann schnaubte mir die völlig außer Puste geratene Dame mit verrutschtem Handtuch entrüstet entgegen: „Sie haben da meinen Bademantel an! Ach herrje, war ich nach Verlassen der Sauna doch versehentlich in den falschen Bademantel geschlüpft. So haben Zimmernummern auf Bade-Outfits in Hotels auf jeden Fall ihre Berechtigung.

Verloren im Flughafen-Labyrinth

Auch bei Autoschlüsseln, die vom Concierge nach dem Parken im Hotelzimmer hinterlegt werden, ist Vorsicht geboten. So verbrachte ich einen ganzen Vormittag auf der Suche nach meinem verschollenen Schlüsselbund. Zu meinem Erstaunen fand sich dieser dann unter einer Banane im Obstkorb wieder. Auch ich selbst tauchte einmal ungewollt unter einer Banane, genauer gesagt inmitten eines Bananenhains auf. Hierhin hatte ich mich verirrt, während ich auf einer Insel den Dschungel-Spa suchte. Ein anderes Mal führte mich mein maulwurfsgleicher Orientierungssinn direkt in die Arme eines nackten Mannes. Hatte ich mich doch im Stockwerk des Hotels getäuscht und an der falschen Zimmertür klopfend um Einlass gebeten.

Doch nicht nur verwinkelte Hotelflure, auch unübersichtliche Flughäfen bringen mein persönliches GPS-System, gerade unter Zeitdruck, mächtig ins Wanken. Dabei stellen für mich Flughäfen, die mit den Weiten der Sahara konkurrieren, eine besondere Bedrohung dar und zwangen mich sogar einmal zur Kapitulation. Anstatt zum schwer bepackten Marathon-Läufer zu mutieren und meinen Anschlussflug trotz Sprint zu verpassen, gab ich nach einer verspäteten Landung einfach auf. Durch meine unpünktliche Ankunft am Transitflughafen war ich so gestresst, dass ich mich im Flughafen-Labyrinth hoffnungslos verlief. Doch anstatt zu hadern, nutze ich den unerwarteten Zwischenstopp und buchte kurzerhand einen Wellnessaufenthalt. Einen Tag später flog ich dann entspannt weiter. Manchmal hat so ein Dasein als reisender Maulwurf doch sein Gutes!

Autorenprofil

Andrea Labonte hat einen außergewöhnlichen Beruf, um den sie viele beneiden: Sie ist Wellnesshotel-Testerin beim Online Hotel-Guide Wellness Heaven. In dieser Eigenschaft sammelt sie nicht nur splendide Spa-Erlebnisse, sondern trägt auch die skurrilsten Begebenheiten aus ihrem Berufsalltag in der regelmäßig erscheinenden Kolumne „Rein in die Komfortzone: Aus dem Leben einer Hoteltesterin“ zusammen. Mit mehr als 400 getesteten Wellnesshotels besitzt Andrea Labonte eine breite Vergleichsbasis und weiß, worauf es dem anspruchsvollen Reisenden ankommt. Ihr beruflicher Hintergrund: sie ist internationale Diplom-Betriebswirtin mit Doppeldiplom. Ihre Studien absolvierte sie an der Fachhochschule Mainz und an der Ecole Supérieure du Commerce Extérieur in Paris.

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