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Ausprobiert: Contemporary Dance

Nicht nur der Name einer renommierten Hamburger Band, sondern auch das Motto des Monats! Was soll’s, wenn’s doof aussieht, wenn man doch Spaß am Tanzen hat? Der ein oder andere strenge Tanzlehrer würde da jetzt wohl widersprechen. Nur gut also, dass bei Contemporary Dance das Perfekte im Imperfekten steckt …

Nicht nur der Name einer renommierten Hamburger Band, sondern auch das Motto des Monats! Was soll’s, wenn’s doof aussieht, wenn man doch Spaß am Tanzen hat? Der ein oder andere strenge Tanzlehrer würde da jetzt wohl widersprechen. Nur gut also, dass bei Contemporary Dance das Perfekte im Imperfekten steckt …

 

Was ist das denn bitte?!

Mein Anspruch war von Beginn an, etwas Neues auszuprobieren, das die für mich wichtigsten Komponente an eine Sportart vereinen konnte: Es muss mich körperlich fordern, aber nicht überlasten und zum anderen will ich dabei meinen Kopf abschalten können. Klick, Scroll, Bling: Da ist es – Contemporary Dance. Wat dat denn?! – fragen sich jetzt sicher einige. Zugegeben, das wörtlich übersetzte „zeitgenössische Tanzen“ ruft wohl weniger Bilder von ästhetischen Figuren als Teile einer sehr sonderbaren Bewegungsabfolge hervor. 26:43 Minuten Youtube-Videos später ist mir der Wind aus den von Vorurteilen geblähten Segeln schnell genommen worden. Tatsächlich scheint es sich hier nicht um einen Teil einer abgefreakten und abstrakten Kunstszene zu handeln, sondern sehr wohl ästhetischen Tanzart mit einer Reihe anspruchsvoller Figuren, die an eine Mischung aus rhythmischer Gymnastik, Ballet und Jazz Dance erinnern, und zeichnet sich wohl gerade deswegen durch seine Vielfalt aus. Spannend macht es vorallem der Bruch mit üblichen Tanzkonventionen, der die korsetthafte Struktur mit seiner teils unperfekten Choreo etwas lockert. Kleiner Fun Fact am Rande: Selbst das Format „Let’s Dance” hat bereits seit 2014 Contemporary in ihr Bewertungsschema möglich vorgeführter Tänze aufgenommen. Contemporary Dance kann zudem sowohl solo, als auch mit einem Partner getanzt werden.

Aller Anfang und so.

Noch ein wenig unbeholfen, finde ich mich im Tanzzentrum Dresden ein. Der Saal, in dem getanzt wird, ist wie gewohnt verspiegelt. Getanzt wird außerdem entweder barfuß oder in Söckchen Nur gut also, dass der Kurs gut besucht ist – so kann ich meine vermeintlich tänzerischen Fähigkeiten, die sich bisher auf das übliche Clubgeplänkel und dazu in tiefer Dunkelheit beschränkt haben, hinter den anderen verstecken. Als ich Ausschau nach dem Trainer halte, erwarte ich von irgendwoher eine Person mittleren Alters, der man die Trainingseinheiten der letzten 10 Jahre ansieht – einen Patrick Swayze eben. Dass sich dieser schließlich in Lars findet, überrascht mich dann doch. Lars, das ist der Trainer. Er hat diesen typischen Gang eines Tänzers, irgendwie grazil, nicht zu übersehen. Anders als Patrick Swayze aber, würde man ihn mit seinen weichen Gesichtszügen weniger in Filmen wie die Outsider als Billy Elliot vermuten. Die Abfolge ist schnell. Es folgt ein Wechsel zwischen Figurenübungen auf dem Boden, Kraft- und Koordinationstraining, was einen zu Beginn überfordern kann. Andererseits bekommt man so definitiv den Kopf frei …

Und wenn es zwischen Plank, Liegestützen und Sit-ups zu anstrengend wird, hat Lars auch den passenden Tipp: „Einfach lächeln.“ Getanzt wird zu instrumentaller Musik, teils Popsongs in Akkustikversionen in unterschiedlichem, aber meist gediegenem Tempo. Und auch wenn ich mich bei den ersten Bodenübungen zunächst wie eine ans Ufer gespülte Qualle fühle – ein wenig verloren rudernd in der Geschwindigkeit, meinem blamablen Gedächtnis und äh, welcher Fuß kommt jetzt wann hoch? – ist Lars offen für Nachfrage und Wiederholungen. Dass wir die Übungen zunächst auf dem Boden durchführen hat übrigens einen Grund: Das Training wird gestaffelt in Schwierigkeitsstufen. „Contemporary Dance ist ein sehr funktionales Tanzen“ – es erfordert Kraft, die man sich bei den zwischenzeitlichen Workouts aber gut aneignen kann; Bodenübungen sind vom Schwierigkeitsgrad eher niedrig und nach der ersten halben Stunde hat man sich auch gut an das Tempo angepasst. Nach einer Stunde entlässt uns Lars mit einer kleinen Hausaufgabe: Liegestütze! Der erwartete Jubel darüber bleibt aus – das Gefühl, plötzlich ein bisschen über dem Boden zu schweben, begleitet einenhingegen den
ganzen Heimweg.

Aber dann!

Die kommenden Wochen traue ich mich weiter vor. Weniger wegen meiner gestiegenen Fähigkeiten (oder Selbstvertrauens) als der Tatsache, besser sehen zu können. Der Spiegel ist hilfreich, seine Körperhaltung und -spannung anzupassen. Die Übungen aus den letzten Wochen werden wiederholt, Fragen dürfen gestellt werden, die anfängliche Zurückhaltung weicht schnell Lars’ offener Art und die Choreo wächst mit jeder Woche in einem angenehmen Tempo. Sehr gute finde ich Lars’ kleine Anmerkungen zwischendrin zum Charakter des Contemporary Dance, um nicht nur körperlich, sondern auch geistig Zugang zum Stil zu finden: „Das Schöne hierbei ist, dass die Figuren nicht so extrem streng sauber ausgeführt werden müssen, wie beispielsweise beim Ballet.“ Dies dürfte vor allem Anfängern ein wenig die Angst und den Druck nehmen. Wenn man sich auch nur ein wenig Zeit für ein, zwei Kraftübungen am Abend zu Hause nimmt, merkt man auch schnell im Training, wie viel leichter und fließender die Bewegungen ineinander übergehen und man sich nach jeder Einheit seiner eigenen Körperhaltung bewusster wird, irgendwie eine Art innere Balance findet. Weg also von der Vorstellung schnöder Bodenturnübungen und hin zu dynamisch ausbalancierten und ästhetischen Bewegungen, die  aber auch ruhig ein wenig edgy sein dürfen.

 Fazit!

 

So kann ich den Kurs guten Gewissens an all diejenigen Jungs und Mädels empfehlen, die Spaß am Tanzen haben, ein Rundumprogramm aus der perfekten Mischung Ausdauer, Kraft und Koordination wollen, sowie auf der Suche nach einem entspannten Trainer sind. Für einen ersten Eindruck der genauen Bewegungsabfolge gibt es genügend Filmmaterial online. Aber spätestens nach 26:43 Minuten, solltet ihr die Sporttasche packen und nichts wie hin – selbst
ausprobieren!

Info: Na, Bock auf Ausprobieren bekommen?
Contemporary Dance findet immer dienstags ab 18 Uhr statt. Studenten der TU Dresden und Externe können sich auch beim Uni-Sport anmelden und bekommen Rabatt! Hier gibt’s noch mehr Auswahl: www.tanzzentrum-dresden.de

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