Ist Kommissar Martin Stolberg gebürtiger Düsseldorfer?
Nein, er ist zugezogen. Wo seine Vergangenheit liegt, wer weiß das schon? Ich natürlich, aber ich verrate nichts. Mit den Düsseldorfern verträgt sich Stolberg ganz gut, obwohl er kein Alt mag. Er ist Weintrinker.

Sie selbst stammen aus dem Ruhrpott. Ihr Vater war Bergmann. Besteht ihrerseits eine Abneigung gegen das „arrogante“ Düsseldorf?
Ich finde dieses Spiel albern und habe es überhaupt erst kennen gelernt, als ich in der Nähe von Köln (Kowalski lebt bei Bonn/d. Red.) gelandet bin. Die Überheblichkeit der Kölner und die Minderwertigkeitskomplexe der Düsseldorfer – das begreife ich alles nicht und will es auch nicht begreifen. Lokalpatriotismus hat mir noch nie gelegen, vielleicht, weil ich aus dem Ruhrpott komme.

Ist Düsseldorf als Krimistadt interessant?
Wir müssen bei Stolberg natürlich zusehen, dass wir ab und an die Gehry-Bauten, den Medienhafen oder andere Wahrzeichen unterbringen. Was mir persönlich am besten an Düsseldorf gefällt, sind die Überflutungswiesen am Rhein. Mitten in der Stadt sagt die Natur: Ich bin hier und ich lasse mich nicht verdrängen. Sie beansprucht ihren Platz, das finde ich imposant. Ich meine, das sind ja Filetgrundstücke dort unten am Rhein.

Im Herbst sind Sie in Loriots „Der Ring an einem Abend“ an der Rheinoper zu sehen. Nicht Ihr erster Ausflug in die Vicco-von-Bülow-Welt: Vor über 30 Jahren gaben Sie den Staubsaugervertreter in „Weihnachten bei den Hoppenstedts“. Wie kam es dazu?
Ich hatte ein Engagement am Theater Bremen, gemeinsam mit Evelyn Hamann. Ihretwegen sah sich Loriot eine Vorstellung an, an der auch ich mitwirkte. Danach kam er zu mir und fragte, ob ich nicht bei ihm mitmachen wolle. Ob man die Leute nun zum Lachen oder zum Nachdenken bringt – mir gefällt beides. Mich zu verwandeln, betrachte ich als Privileg meines Berufs. Leider ist Wandelbarkeit im Fernsehen nicht so gefragt, denn das Fernsehen stellt Markenprodukte her. Wo Stolberg draufsteht, muss auch Stolberg drin sein.

Warum ist der Mann eigentlich so wortkarg?
Stolberg ist nicht wortkarg. Er denkt nur präzise und lässt das Überflüssige weg. Füllworte wie „irgendwie“ oder „eventuell“, das braucht er alles nicht. Er geht stur auf sein Ziel zu – und das nicht nur, weil sich die Sendezeit auf 60 Minuten beschränkt. Es heißt ja „Fernsehen“, und ich bin der Ansicht, der Zuschauer wird oft unterfordert. Ihm alles in epischer Breite zu erklären, ist unter seiner Würde.

Kaum Action, keine schnellen Schnitte – weshalb funktioniert ein Format wie Stolberg heute noch?
Die Leute mögen Geschichten. Wenn man ihnen Geschichten gut erzählt, brauchen sie keinen Schnickschnack.

Sie waren als Nebendarsteller an zahlreichen Tatort-Folgen beteiligt. Wären Sie nicht doch lieber Tatort-Kommissar?
Nein, ich bin als Kommissar Stolberg sehr zufrieden. Klar, der Tatort ist eine Kultsendung. Aber zwei Fälle pro Jahr als Ermittler, das wäre mir zu wenig.

Interview: Eva Westhoff