Was zieht einen Punk ins staatlich geförderte Theater?
Theater können mitunter etwas muffig wirken. Dafür sind sie dank öffentlicher Unterstützung klar geschützte Freiräume. Kaum woanders lässt sich so unbeeinflusst Kunst machen. Selbst im popkulturellen Bereich mit seiner oft „unabhängigen“ Ausrichtung sind Werbebanner und Sponsorenwand Normalität.

Der Staat als Wegbereiter eines neuen Underground?
Der sogenannte Underground ist längst der aktuelle Mainstream. Sämtliche Konzerne oder Medienunternehmen sind heute am Street-Scouten, allen voran das Privatfernsehen. Jeder will möglichst das krankeste Zeugs im Programm, um damit seine Marke herauszustellen. Somit sind viele ehemalige Gegenkulturen heute bestens verkaufbar.

Und wie entkommt man den Scouts?
Schwierig. Je wüster du auftrittst, desto schneller landest du bei ProSieben. Oder nimm das Thema Gentrifizierung: Natürlich wollen alle Leute ihren Latte Macchiato in den interessanten, schrägen Stadtvierteln trinken. Kann man es ihnen verübeln?

Du planst am Schauspielhaus die temporäre Inbetriebnahme eines „Piraten-Sendeplatzes“. Warum das Radio als Bühnenthema?
Einerseits aus aktuellem Anlass, sprich: der sogenannten Reform des Kultursenders WDR3. Das Radio steht aber vor allem als Metapher. Es geht mir um den Grundbegriff des „Senders“, um einen Präsentationsmodus, in dem wir uns in Zeiten von Facebook & Co. nonstop befinden. Alles, was du sagst oder tust, soll heute catchy sein. Ich will dagegen wissen: Wie lässt sich das „Senden“ unverdünnt betreiben?

Also doch gelebte Gegenkultur? Mit welcher gesellschaftlichen Utopie?
An Protest glaube ich weiterhin. Aber vielleicht kommt der weniger in grellen Bildern als über inhaltliche Schärfe. Was Utopien angeht: Ob Occupy oder Wutbürger – das letzte Jahr hat gezeigt, dass man sich wieder physisch trifft, außerhalb der digitalen Welt. Das ist auch mein Antrieb als Theatermacher: Schauspieler, Künstler und Musiker, Profis und Laien, möglichst verschiedene Menschen in einem Experiment zu versammeln. Wie auf dem Dorfplatz, auf dem wir uns anfangs getroffen haben, um etwas gemeinsam zu erreichen.

„Die Goldenen Zitronen“ haben sich 1984 zusammengefunden, nur zwei Jahre nach den „Toten Hosen“. Anfangs seid ihr sogar gemeinsam getourt. Wurmt dich der kommerzielle Erfolg eurer ehemaligen Mitstreiter nicht?
Im Gegenteil, ich bin mit der Band noch immer gut befreundet. Nur ist unsere Vorgehensweise eine andere, wir wollen ständig experimentieren. Und Freejazz funktioniert einfach nicht im Stadion …

Ist es wahr, dass McDonalds mal einen deiner Songs kaufen wollte?
Ja, die haben mir tatsächlich ein Angebot gemacht, für meinen Song „Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens“. Ein Freund sagt, es gibt Leute, die tragen geldabweisende Neoprenanzüge. Jedenfalls, ich mag nun mal keine Werbung.

Interview: Eva Westhoff