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PRINZ im Interview: DJ Rafik

Der lange Weg vom DJ-Weltmeister zum Produzenten – DJ Rafik veröffentlicht seine erste EP „Wait“



Die Metamorphose des DJ Rafik, vom Battle-DJ zum Produzenten, tritt in eine neue Phase. Mit „Wait“ hat Rafik nach fast zwei Jahren Funkstille seine erste EP veröffentlicht.

In der Zwischenzeit hat er in New York an der Red Bull Music Academy teilgenommen, wohnt seitdem in Brooklyn und hat sich von der Stadt inspirieren lassen. Seine Karriere als Battle-DJ, Rafik hat sechs Weltmeister-Titel gewonnen, hat er endgültig an den Nagel gehängt, um sich ausgiebig Synthies, Drum-Computern und dem Auflegen ohne technische Mätzchen zu widmen. Bei einem Zwischenstopp in Düsseldorf hat PRINZ Rafik zum Interview getroffen. Hier, auf dem Düsseldorfer Label Ching Zeng ist seine erste EP „Wait“ erschienen. Die nächste Ep für das Label ist bereits in der Pipeline, wie er im Gespräch mit Florian Schneider verraten hat.

Warum hast du vor etwas mehr als zwei Jahren Düsseldorf verlassen?
Rafik: „Ich hatte das Gefühl, hier raus zu müssen, um etwas anderes zu erleben. Bevor ich nach New York gegangen bin, war ich in einer Art Routine gefangen, dümpelte ohne konkrete Ergebnisse vor mich hin. Deshalb wollte ich mich von einem Ort inspirieren lassen, an dem alles neu ist und man viele Eindrücke sammeln kann. Dafür kamen nur drei Städte in Frage: Hongkong, Tokio und New York. Da ich durch meine Mutter auch einen US-amerikanischen Pass habe, war es am Ende eine relativ leichte Entscheidung nach New York zu gehen.

Wie ist der Austausch mit anderen Musikern in New York gelaufen?
„Es ist erstaunlich einfach, dort Leute kennen zu lernen. Es gibt sehr viel gegenseitige Unterstützung, die ohne Hintergedanken erfolgt. Es ist wohl typisch amerikanisch, dass man sich gegenseitig hilft und die Unterstützung für andere auf dich selbst positiv abfärbt. Es gibt nicht die Angst, dass man sich durch Hilfe für andere selbst ins Bein schneiden könnte.“

Inwiefern hat dir der Aufenthalt in New York musikalisch weitergeholfen?
„Ich bin dort wieder richtig hungrig geworden. Ohne diesen Schritt wäre ich heute vielleicht an einem ähnlichen Punkt, wie vor zwei Jahren.“

Hat die Stadt Einfluss auf den Sound deiner ersten EP gehabt?
„Nein, das würde ich so nicht sagen. Die Stadt war Motivation, viel zu machen und auszuprobieren. Mein Sound ist eher britisch inspiriert, vom Garage House. Das ist nun wahrlich kein typischer New York Sound, er funktioniert aber trotzdem sehr gut in der Stadt.

Der Titel deiner EP ist „Wait“, ein Hinweis auf die große Zeitspanne, die vergangen ist, bis du zum ersten Mal etwas veröffentlicht hast?
„Ich habe wirklich lange gewartet, bis ich mit meinen Produktionen happy war und komplett dahinter stehen konnte. Es hat vor allem Zeit in Anspruch genommen, meine eigene Handschrift zu entwickeln. Deshalb war ich auch vor dem Release der EP sehr still und habe wenig neue Sachen gepostet. Ein Schnitt war mir wichtig.“

Hat die lange Wartezeit auch mit deinen eigenen Ansprüchen zu tun?
„Ja, Perfektionismus ist Fluch und Segen zugleich, schließlich muss man irgendwann mal fertig werden. Mir ist vor allem wichtig, dass ich mein Bestes gegeben habe. Das Problem an einem Debüt ist, dass man immer der Meinung sein wird, dass es noch besser ginge. Schließlich wird dein Debüt immer mit deinem Namen verbunden werden. Mir fallen weiterhin Sachen auf, die man hätte besser machen können. Andererseits: Außer mir hört das keiner!“

Mit welchem Gefühl hast Du die Songs beim Label abgegeben?
„An dem Tag war ich schon hibbelig, aber ich habe die Sachen ja selbst freigegeben. An dem Punkt hat man dann auch so viel Zeit mit den Tracks verbracht, dass man froh ist, sich wieder mit anderen Dingen beschäftigen zu können. Wichtig war mir deshalb, dass ich die Tracks bis zum Release nicht mehr gehört und dadurch Abstand zu Ihnen gewonnen habe. Wenn man produziert, hört man die Sachen nur noch mit einem „Röntgenblick“, also Spur für Spur. Deshalb war ich durchaus beeindruckt, als ich die Tracks das erste Mal wieder als Einheit gehört habe.

Hast du die Tracks während der Produktion vielen Leuten vorgespielt?
„Nein, nur mein alter Kumpel Kid Fresh hat die Sachen zu hören bekommen. Er ist mein härtester Kritiker und der Austausch mit ihm ist besonders konstruktiv. Ich wollte bei der ersten EP nicht auf zu viele Ratschläge hören.“

Stand von Anfang fest, die EP auf Ching Zeng zu veröffentlichen, einem vergleichsweise jungen Label hier aus Düsseldorf?
„Klar war es nicht, aber unterm Strich natürlich sehr sinnvoll, da jetzt meine Booking-Agentur und mein Label unter dem gleichen Dach zu finden sind. Dadurch ist alles sehr unkompliziert. Zeitlich wäre es sonst gar nicht zu realisieren gewesen, die EP so schnell heraus zu bringen. Zwischen Abgabe der Tracks und Release sind gerade einmal vier Wochen vergangen.“

Die Ep gibt es nur digital, ist es Dir nicht wichtig, deine Sachen auch auf Vinyl heraus zu bringen und selbst in Händen zu halten?
„Das kommt ganz auf die Tracks an. Ich lege digital auf, bin aber trotzdem ein totaler Vinyl-Fan. Deshalb muss es für mich umso mehr Sinn ergeben, warum man einen bestimmten Track auf Platte herausbringt. Das müssen zeitlose Sachen sein, die auch vom Klang für Vinyl gemacht sind. Bei den Tracks auf „Wait“ sind die hohen Frequenzen sehr wichtig, da würde bei einem Release auf Vinyl schon ein bisschen was verloren gehen.“

Gibt es denn schon Pläne für ein Album?
„Keine konkreten, aber das ist definitiv etwas, was ich in meinem Leben noch erreichen möchte. Im Moment sitze ich an einer neuen EP, die im besten Fall auch wieder drei, besser vier neue Tracks enthält.“

„Wait“ von DJ Rafik ist bei Ching Zeng erschienen.

DJ Rafik – Can’t Wait (Stream)

Mehr Infos zu DJ Rafik: djrafik.com

Mehr Infos zu Ching Zeng: chingzeng.com


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