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Mit Weiberkram zur Trödel-Queen

Hinter der Erfolgsgeschichte der „Kram-Märkte“ steckt die 33-jährige Melanie Schmitz, die vor sechs Jahren mit „Weiberkram“ als One-Woman-Show startete. 



Mode- und Designerflohmärkte boomen. Im Hinblick auf Recycling und der allgemeinen Weg-Werf-Attitüde macht das Sinn. Schließlich ist Nachhaltigkeit nicht erst seit gestern überall Thema Nummer eins. Während der Trödel-Hype also aktuell auf dem Zenit zu sein scheint, ist Melanie Schmitz schon ein alter Hase im Geschäft. Die Düsseldorferin hat Modedesign studiert und arbeitete neun Jahre lang bei „Esprit“. Im Jahr 2009 realisierte die 33-jährige auf 200qm den ersten „Weiberkram“ Markt in einem alten Atelier in Wuppertal und war damit Voreiterin in ihrem Metier.

Die geplanten 30 Stände waren innerhalb weniger Wochen sofort ausgebucht und es gab sehr viele Besucher. Der Erfolg ließ Aussteller und Gäste umgehend nach einem neuen Termin drängeln. Bereits nach der ersten Veranstaltung war „Weiberkram“ regelmäßig nach weniger als einer Stunde ausgebucht. Der darauf folgende Besucher-Andrang auf die Stände war so immens groß, dass aus Sicherheitsgründen mehrmals der Einlass gestoppt werden musste. Die Begeisterung der Bummler ist nicht zu überhören: „Das Paradies gibt es wirklich! Schwarze Lederjacke gefunden, die Sonne scheint … Genial!“ verkündete eine glückliche Kundin nach ihrem Einkaufserfolg. Auch die Jungs geraten ins Schwärmen: „Das ist der bestriechendste Flohmarkt, auf dem ich je war!“

Ein rasanter Erfolg, der Melanie Schmitz schnell dazu veranlasste, das Konzept auch in andere Locations und Städte zu transportieren. Mit dem Gare Du Neuss in Neuss fand Melanie den idealen Standort. Melanie, die von allen nur Mel genannt wird, merkt schnell, dass das Prinzip des Recyclings im Hinblick auf Billigproduktionen immer zeitgemäßer wird. In der Mode herrscht die Politik „alles muss günstig sein“. Das Design leidet darunter und natürlich auch die Produzenten. Die vielen und vor allem populären Billigfirmen steuern immens dazu bei. Mode ist nur noch Bestseller-getrieben und nicht mehr anspruchsvoll.

Mel ist das Umdenken an dieser Stelle ein großes Anliegen: „Schon als Kind liebte ich es auf Trödelmärkten nach kleinen Schätzen zu suchen. Es schont den Geldbeutel und ist politisch korrekter, als sein Geld für Wegwerfmode von Primark oder ähnlichen Marken raus zu werfen. Die Qualität und teils auch Individualität, der auf dem Weiberkram-Markt angebotenen Teile, kann sich durchaus mit Neuware messen, mit Billigmarken allemal.“ „Weiberkram“ wuchs stetig und das Interesse daran, immer noch mehr Mode zu designen rückte in den Hintergrund. Sie kündigte ihren Job bei Esprit und gibt sich seit 2014 mit vollem Herzblut der Organisation ihrer Märkte hin.

„Von Weibern für Weiber“ also „von Zielgruppe an Zielgruppe“ entwickelte sich zum derart gutfunktionierenden Konzept, so dass Melanie die Märkte „Kinderkram“ und „Designkram“ ebenfalls ins Leben rief. Diese Trennung ermöglicht ein gezieltes Einkaufen der modebewussten Frau, sei es Studentin oder Mutter, für sich selbst oder eben für das Kind. Damit die Männer nicht zu kurz kommen, ist das Konzept eines weiteren Marktes entstanden: „Beats & Bummel“. Hier könnt ihr  am späten Samstagabend mit Musik und einem Bierchen von Stand zu Stand schlendern.

Die Qualität der Märkte lässt sich bereits bei Melanie Schmitz’ Grundregeln und Auswahlverfahren erahnen. Die Vorrausetzungen für die „Weiberkram“-Märkte lauten: „Kein Kinderkram, keine Männersachen, kein Ikea, kein Kristall, kein Tupper, keine Puppen, keine Billigwaren, kein Händler, allerdings wird ein Ausverkauf von Modelabels oder Selbstgemachtem gerne gestattet. Bei Kinderkram findet man alles rund ums Baby und Kind bis hin zum Teenager. Kleidergrößen über 164 sind nicht erlaubt, ebenso wie Händler, aber auch hier ist Selbstgemachtes wieder gerne gesehen. Beim Designkram läuft die Bewerbung nur mit Fotos der Produkte. Es gibt ein Auswahlverfahren und es muss 100% selfmade sein. Auf meinen Nachtflohmärkten Beats & Bummel ist alles erlaubt, außer Neuware und Händler.“ Die strengen Kriterien führten rasch zum Erfolg: Der „Weiberkram“ im Gare du Neuss und in Düsseldorf freut sich regelmäßig über ca. 2.500 bis 3.000 Besucher. „Kinderkram“, „Designkram“ und „Beats & Bummel“ sind mit durchschnittlich 2.000 Besuchern frequentiert.

Mel’s Liebe zum Detail macht sich auch in der grafischen Gestaltung bemerkbar. Die Flyer und Poster der verschiedenen Märkte entstehen allesamt in Zusammenarbeit mit Illustratoren und Künstlern. In der Vergangenheit profitierte Melanie Schmitz von lokalen Kontakten, mittlerweile haben jedoch auch schon zahlreiche, nationale Künstler gescribbelt und gezeichnet. Die Kinderkram Flyer illustriert beispielsweile Nadja Wichmann aus Münster und bei dem Artwork für den Designkram-Markt wird die gelernte Designerin Melanie Schmitz gerne wieder selbst aktiv. Als Dank werden die fertigen Layouts in einer Galerie auf der Website eingepflegt. Kein Wunder, dass viele Fans die Flyer seit Jahren sammeln und horten.

Am 10.05.2015 findet zum vierten Mal der „Designkram“ statt. Der Markt bietet eine feine Auswahl an cleveren, praktischen und unkonventionell gestalteten Objekten, die fernab vom Mainstream sind. Der Designerkram versteht sich zum einen als Verkaufsveranstaltung, dient jedoch ebenso als Präsentationsfläche für neue Labels oder Konzepte aus der Region. Hier entdeckt ihr kreative Ideen, Zweckentfremdungen mit Stil oder praktische Lösungen. Das Angebot reicht vom designten Shirt bis zum geschweißten Design Objekt. Beim „Designkram“ gibt es jede Menge „noch nie Gesehenes“ zu entdecken. Mit Musik, Kaffee und Kuchen in den überdachten Hallen am Neusser Hauptbahnhof wird das Ganze dann noch gemütlich. Der Eintritt liegt bei 3€.


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