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Das Open Source Festival wird 10!

Das Open Source Festival wird zehn und feiert mit feinster Elektronik und Indiemusik plus Zutaten aus Kunst, Design und Kreativwirtschaft.



Das Düsseldorfer Open Source Festival ist eigenwillig und das ist auch gut so – schließlich ist das der Grund warum es jetzt ein Jubiläum feiern darf. Seit Beginn zeichnet es sich durch ein musikalisch-mutiges Experimentierfeld aus, ist avantgardistische Schnittstelle für Musik, Design und Kunst. Ganz wörtlich eine offene Quelle für jede Art von Popströmung. Abseits von Mainstream und Kommerz zelebriert es unerwartete Zusammenspiele, wegweisende Neuentdeckungen und musikalisch Ungewöhnliches.

In ihrer 10-jährigen Geschichte beweisen die Festivalmacher dabei ein besonderes Gespür für Qualität: 2013 war der erste Deutschlandauftritt des US-amerikanischen Hip-Hop-Musikers und Schauspieler Mos Def aka Yasiin Bey gemeinsam mit Grammy Preisträger Robert Glapser und Band. 2009 ein exklusiver Auftritt von Hauschka, Schneider TM und der isländischen Cellistin Hildur Gudnadottir (Múm), die für das Festival ein Extra-Programm erarbeiteten. Eine schöne Anekdote ist auch der Besuch von Lena Meyer Landruth als Fan der schwedischen Band Slagsmålsklubben in 2008. The Whitest Boy Alive haben hier 2007 gespielt, die Band Editors in 2011 und Echo-Preisträger DJ Koze bereits im ersten Jahr. Alle mittlerweile zu teuer für das kleine, feine Festival. Macht aber nix, das Programm überzeugt auch 2015 mit einigen vielversprechenden Künstlern der alternativen Popszene, vielversprechenden regionalen Newcomern und einigen noch unbekannteren Namen. Noch.

© Schiko
Doch wie schafft es dieses Open-Air auf dem inflationären Festivalmarkt zu überleben? Ohne weltbekannte Zugpferde plus der Gefahr unkalkulierbarer Wetterverhältnisse? Die Anfänge von 2006 im Löricker Freibad mit ein paar wenigen Helfern liegen weit zurück. Wenn auch das Thema Ehrenamt und freiwilliges Engagement bei einem Festivalbudget von weit unter 400.000 Euro immer ein Thema ist. Mittlerweile pilgert die Fangemeinde auf die Galopprennbahn in Düsseldorf. Das Publikum: zwischen 15 und 50. Es weiß das weitläufige, gepflegte und zentrale Gelände der Rennbahn ebenso zu schätzen, wie die extrem kurzen Wege zwischen den drei Bühnen. Statt sich schon Stunden vor einem Gig im Festivalgetümmel einen halbwegs akzeptablen Platz zu sichern, braucht es hier von Bühne zu Bühne vielleicht 5 Minuten. Der Blick auf die Acts könnte dank Gefälle auf dem Gelände besser kaum sein. Kurios, doch die eigentlich zweckentfremdete Pferdesportbahn passt dem Festival perfekt. Von der denkmalgeschützten Tribüne aus lässt es sich sehr angenehm zuhören, ausruhen und überhaupt bequem und trocken sitzen. In den kleinen Wettschaltern und Hochständen tummeln sich die Open Squares mit zeitgenössischer Kunst und kreativwirtschaftlichen Ideen aus NRW, von Design über Film, Mode und Fotografie und hat dem Festival Fans wie Kunstmäzenin Julia Stoschek eingehandelt.

© PR
Auf den drei Bühnen geben über 20 Bands von Mittag bis Mitternacht ihre Beats zum Besten. Zum zehnten Geburtstagsfest am 27. Juni 2015 kommen unter anderem die internationalen Formationen Death Cab For Cutie, Metronomy, die norwegische Band Kakkmaddafakka, Laurel Halo und Future Brown. Apropos Future Brown: Diese beschreiben den Genre-Spagat des Festivals zwischen Pop und Kunst vielleicht am besten. Denn die Supergroup aus LA, NY und London ist sonst eher im MoMA PS1 in New York oder im Institut of Contemporary Art London anzutreffen, statt auf Festivalbühnen.

Als Lokalmatadoren treten auf: Toulouse Low Tracks, Honig sowie der Düsseldorfer Künstler Stefan Schwander als Harmonious Thelonious inklusive seiner vierköpfigen Cuban Nightmare Band. Die Hauptbühne ist den größeren Formaten vorbehalten, die Carhartt Bühne bietet elektronische Musik und auf der Young Talent Stage spielen handverlesene U30 Bands aus der Region NRW. Eine Fachjury aus Clubbetreibern, Festivalmachern und Journalisten wählt aus über 100 Bewerbern dafür 8 vielversprechende Acts aus. Macht alles zusammen gezählt, ein spannendes, kaum vergleichbares Kulturhappening für Ohren, Augen, Sinne und das Ganze für moderate 36€.

© 7daysisaweekend
Zum 10-jährigen Jubiäum präsentiert das Open Source Festival noch ein weiteres Special. Vom 1.6.-27.6.2015 eine Fotoausstellung im Düsseldorfer Carhartt WIP Store. Gezeigt werden Aufnahmen der Düsseldorfer Fotografen Schiko und 7daysisaweekend die das Festival seit seiner Gründung im Jahr 2006 mit ihrer Kamera begleiten und durch ungewöhnliche Perspektiven Künstler und Gäste dokumentieren. Fast 250 Bands und DJs waren in den letzten zehn Jahren auf dem Open Source Festival zu Gast. Dabei hat mancher von ihnen Spuren hinterlassen, die für nachhaltige Erinnerungen sorgen. Zum Beispiel die amerikanischen Indie-Legenden, denen man erklären musste, dass im Hochsommer beim besten Willen kein frischer Grünkohl zu bekommen ist. Da ist der tragisch-magische Moment, als sich mitten im DJ-Set von Jamie XX die Kunde von Amy Winehouses Tod im Publikum verbreitet. Und da hält sich hartnäckig das Bild im Kopf, als die schwedische Band Slagsmålsklubben direkt nach ihrem Konzert spontan entkleidet in die Löricker Freibad-Fluten stürzt. Diese und viele weitere magische Augenblicke haben die Fotografen mit scharfem Blick und blitzschnellem Finger am Auslöser eingefangen und präsentieren sie euch nun im Carhartt WIP Store in der City.


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