STADTTEIL-SPECIAL KÖNIGSALLEE

Ob rahmengenähte, englische Schuhe aus Pferdeleder oder Schweizer Uhren zum Preis eines Mittelklassewagens – in keiner anderen deutschen Stadt bündeln sich auf so engem Raum Einzelhändler mit Luxuswaren und gehobene Gastronomie wie auf der Düsseldorfer Königsallee. Doch ein globaler Trend zieht auch an der hiesigen Prachtmeile nicht vorüber: Amerikanische Kaffeehausketten, schwedische oder spanische Labelshops sichern sich ihre Adressen in Premiumlage und vertreiben zunehmend Alteingesessene. „Der Wandel hin zur unterkühlten reinen Shoppingmeile macht sich bei den Anliegern negativ bemerkbar. Es fehlt auf der Königsallee an belebenden Restaurants und Lokalen. Die Straße hat eindeutig abgebaut“, resümiert Vanessa Bazzo die Veränderungen der letzten Jahre auf der Prachtmeile.

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Die langjährige Geschäftsführerin der legendären Kö-Pianobar „Bei Tino“ kennt die Flaniermeile aus dem Effeff. „Die horrenden Mieten können Gastronomen heute einfach nicht mehr bezahlen. Zum Glück haben wir einen kulanten Vermieter und ein sich verjüngendes treues Stammpublikum!“ Doch wie kann verhindert werden, dass der glamouröse Boulevard noch mehr an Identität und Flair verliert und die Kö-Bummler schließlich irgendwann einmal ausbleiben? Große Hoffnung setzen die Anlieger auf den Kö-Bogen. Das von den Architekten Ingenhoven Overdiek und Partner entwickelte Projekt soll auf einen Schlag den Jan-Wellem- Platz und das obere Ende der Kö neu gestalten: Dabei sollen u. a. neue Shopping-Atrien entstehen, der Straßenverkehr unterirdisch verlegt werden und die Königsallee fußgängerfreundlich in den Hofgarten verlängert werden.

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Zurzeit diskutiert der Rat der Stadt noch Feinheiten. Die Umsetzung des Mega- Projekts soll aber in den Jahren 2008 bis 2010 erfolgen. „Der Kö-Bogen wird eine Erweiterung des Geschäftsbereichs mit sich bringen“, erwartet Karl-Heinz Eiffler. Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Königsallee e.V. ist sich sicher, dass nach der Umgestaltung „mehr und andere Shops sowie vielleicht eine neue Mall die Attraktivität der Kö erhöhen werden“. Außerdem sieht er die momentane Situation der Kö nicht ganz so schwarz: „Jeder redet vom Hafen als neuem In-Viertel – aber auch auf der Königsallee gibt es eine lebendige Clubszene, die in Bewegung ist. Der Monkey’s Club etwa hat sich in kürzester Zeit schließlich zu einem angesagten Top- Club entwickelt.

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Trotzdem ist und bleibt die Kö eine Shoppingmeile!“ Dass aus der in den Jahren zwischen 1802 und 1804 auf alten geschliffenen Festungsanlagen von Hofbaumeister Caspar Anton Huschberger und Gartenbaumeister Maximilian Weye angelegten „Allee außerhalb der Stadt“ dereinst Düsseldorfs Flaniermeile entstehen würde, war in den Anfangsjahren nicht abzusehen. Doch schon bald mauserte sich die mit Kastanien bewachsene, 1848 zu Ehren des Preußenkönigs Wilhelm IV. zur Königsallee umgetaufte Kastanienallee zu einer Einkaufsmeile. Schon 1915 gibt es rund um den Kö-Graben 100 Geschäfte sowie Dienstleistungen für gehoben Ansprüche. Nach dem Zweiten Weltkrieg und in den Wirtschaftswunderjahren setzte sich die Entwicklung hin zum internationalen Prachtboulevard rasant weiter fort. „Die Kö ist einem stetigen Wandel. Aber das ist es doch, was die Kö ausmacht,“ meint Karl-Heinz Eiffler. „Wir von der Interessengemeinschaft versuchen, den Wünschen und Interessen der Geschäftsleute ebenso wie den Anliegen der Eigentümer sowie denen der Kunden und Gäste gleichsam nachzukommen.“

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Das ist manchmal nicht ganz einfach. Etwa die zunehmende Anzahl an „belebenden“ Großevents auf dem Prachtboulevard wird nicht nur positiv gesehen. „Die Kö- Anlieger sind beim Thema Eventmeile schon etwas zurückhaltender als die Besucher: Qualität vor Quantität heißt da die Devise“,meint Karl-Heinz Eiffler. Spannungsvoll erwartet wird von den Anliegern auch der Abschluss der Bauarbeiten des neuen Breidenbacher Hofes. Wo einst das legendäre Luxushotel gleichen Namens residierte, realisiert momentan die Hotel-Gruppe Capella Hotels & Resorts den Neubau der Nobelherberge als modernes Fünf-Sterne- Hotel (Architekten: HPP Hentrich Petschnigg Partner). Die Eröffnung ist für 2008 geplant. Neben dem Hotel, Shops und Gastronomien soll hier übrigens auch ein neuer Club die Pforten öffnen. Vanessa Bazzo von der benachbarten Bar „Bei Tino“ fasst die Hoffnungen der etablierten Kö-Anlieger zusammen: „Wir setzen ganz stark auf den Neubau des Breidenbacher Hofes. Das wird die gesamte Kö ungemein beleben! Außerdem setzen wir in die Zeit nach der Fertigstellung des Kö-Bogens unsere Zuversicht. Meine Prognose für die Zukunft: Die Kö erfindet sich immer wieder neu!“
Heiko Baumgarth

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Interview mit der Mode-Einzelhändlerin Susanne Asbrand-Eickhoff.

SUSANNE ASBRANDEICKHOFF
Die Mode-Einzelhändlerin (Kö 30) ist im Vorstand der Interessengemeinschaft Kö und engagiert sich für den Boulevard.

Spielt die Kö noch in der ersten Liga oder lebt sie vom Mythos?
Die Königsallee ist und bleibt eine der ersten Adressen internationaler Prachtboulevards. Die Veränderungen, die wir weltweit auf allen Straßen der großen Städte erkennen, finden natürlich auch hier ihre Resonanz. Den Mythos wird sie dadurch jedoch nicht verlieren.
Die Königsallee hat es immer verstanden, mit dem Alter moderner und attraktiver zu wirken – ohne jedoch ihren wahren Charakter zu verlieren. Was macht das Besondere der Kö aus?
Die Königsallee besticht durch die Kombination aus einer großen Baumallee, eines mittig gelegenen Wasserkanals, eines breiten Prachtboulevards und einer Aneinanderreihung von internationalen Dependancen.
Sie sind neben den alteingesessenen Familienunternehmen ein Garant für ein Einkaufsvergnügen allerhöchster Art. Was erwarten Sie von der Umgestaltung des Kö- Bogens?
Die Integrierung des Hofgartens als Verlängerung der Kö.
Sehen Sie die Großevents auf der Kö als Bereicherung oder mit Sorge?
Events gehören zu dem Leben einer Stadt. Allerdings müssen Großevents gut koordiniert werden, um die Lebensader der Region nicht zu gefährden.
Wie sieht die Kö in zehn Jahren aus?
Hoffentlich nicht zu futuristisch, der Charme muss erhalten bleiben.