Wäre das „Uerige“ an der Börse, dann müsste man sich ernsthaft überlegen, Aktien zu kaufen. Auch jetzt, inmitten der Finanzkrise. Die 20 000 Hektoliter sind zwar nicht viel im Vergleich zu den 700000 Hektolitern Alt, die Marktführer Diebels verkauft. Dafür zapfen die Köbesse in Düsseldorfs berühmtester Hausbrauerei aber jedes Jahr mehr, während der Alt- Absatz insgesamt zurückgeht. Das Uerige bestätige einen allgemeinen Trend, sagt Thorsten Hellwig von der DEHOGA Nordrhein. Die kleinen Hausbrauereien gewinnen, die überregionalen Großhersteller verlieren.

Das mag auch daran liegen, dass ihre regionale Verankerung nachlässt. Mit Frankenheim verlässt im März auch die letzte große Alt-Brauerei die Stadt. Sie zieht nach Warstein, wo die Muttergesellschaft sitzt. Gatz, Schlösser und Diebels produzieren schon lange nicht mehr in Düsseldorf. Und so können die Hausbrauereien in der Altstadt ihre Stärken ausspielen: die Authentizität und das Gefühl, hier eine echte Düsseldorfer Spezialität zu trinken. Und das vermitteln die Hausbrauereien – ob Uerige, Füchschen, Schumacher oder Jonges – eben besser als die Großhersteller, deren Versuch, Altbier bundesweit zu etablieren, erst noch gelingen muss. juk