Wie viel Heinz Wäscher steckt in Ihnen?
Zuallererst erkenne ich mich in Peter Schlönzke wieder und seinem naiven Traum von einer Fernsehkarriere. Ich bin Teil der Vor-MTV-und-VIVA-Generation. Sich einfach im TV zu bewerben, das gab es damals nicht. Und Heinz? In jedem langjährigen Fernsehmoderator schlummert ein Heinz, und besser, man befasst sich beizeiten mit ihm.

Von Ihnen stammt der Spruch „Ein Moderator sollte nicht schauspielern“.
Richtig, und in meinem Fall ist es noch vertrackter. Nicht nur, dass ich einen Moderator spiele. Der Darsteller Hermanns verflucht jetzt ständig den Autor Hermanns. Diese Text Wechsel in meiner großen Nummer von „Lass Heinz ran“ und „Ruf Heinz an“ – welcher Autor denkt sich denn so was aus? Ziemlich schizophren, das Ganze.

Ist der Stoff in Zeiten von Dieter Bohlen nicht überholt?
Im Gegenteil, ich denke da nur an die kleine Bettina und deren Mutter, die notfalls auch selbst singt, wenn der Sprössling bockt. Jetzt haben wir DSDS Kids.

„Kein Pardon“ ist nicht Ihr erster Ausflug ins Musical-Business. Woher das Interesse für Musik und Show?
Immer dagewesen. Ich war ein Heimorgelkind, wurde auf der Farfisa trainiert und habe auch Turniertanz betrieben. Diese beiden bürgerlichen Formen des Showgeschäfts waren mir früh vertraut.

Mit 20 bastelten Sie sich einen Stempel mit der Aufschrift „Kulturstiftung für gehobene Unterhaltung“ – bevor Sie als Erfinder des „Quatsch Comedy Clubs“ Leuten wie Mario Barth oder Cindy aus Marzahn den Weg zum Massenpublikum ebneten.
Nach unseren bescheidenen Anfängen auf der Reeperbahn vor 20 Jahren bin ich froh über die Comedy-Industrie, die es heute gibt. Weil sich das Genre dadurch diversifiziert hat. Das ändert aber nichts an meinem Anspruch. Ich möchte Unterhaltung machen, die die Leute emotional erwischt. Mit Comedy gelingt das gut, denn Lachen ist etwas sehr Intimes.

Sollte Komik nicht auch subversiv sein?
Eine schöne, sehr deutsche Frage. Komik hat für mich erst mal keine moralische, vielmehr eine gesundheitsfördernde Funktion. Lachen ist ein Grundbedürfnis, und jeder sollte das Recht haben, über das zu lachen, was ihn belustigt. Es sei denn, es wird rassistisch oder sexistisch.

Gibt es einen Trend in der Comedy?
Mit Trendprognosen tue ich mich schwer. Denn Komiker sind Individualisten, die ihre ureigene Sicht auf die Welt mitbringen. Man kann sie nicht casten. Andernfalls wären die Bühnen längst mit hübschen, komischen Blondinen bevölkert. Wobei: Die Frauen sind tatsächlich im Aufwind. Und die coolen wie Carolin Kebekus oder Lisa Feller müssen sich auch nicht länger hinter der lustigen Putzfrau verschanzen.

Im Herbst erscheint ein Krimi von Ihnen. Der Titel: „Mörder Quote“.
Ja, es geht um Morde im TV-Milieu: Zehn Wochen Castingshow, neun Leichen, ein Gewinner. Das Thema Fernsehen lässt mich nicht los.

Sie haben mehrmals den ESC-Vorentscheid moderiert. Wer gewinnt in Baku?
Salsa ist absolut massentauglich, Walzer nach wie vor der klassische Hochzeitstanz. Disco Fox geht immer, egal, ob im Bierzelt oder bei der Privatparty. Im Solotanzbereich, den wir auch anbieten, liegt Zumba im Trend. Das Tolle an Zumba ist, dass jeder seine Intensität selbst bestimmt. Du kannst dich zurücknehmen und von der Masse tragen lassen. Oder du gibst richtig Gas und verbrennst Kalorien ohne Ende.

Du warst Profisportler. Wie hältst du dich heute fit?
Es spricht viel für die Schwedinnen mit ihrer entfesselten Rihanna-wirft-sich-auf-den-Boden-Ektase-Nummer oder die russischen Omas. Wer kann schon hundertjährigen Seniorinnen im Technotaumel widerstehen?