Was ist Dir im Moment des Platzsturms durch den Kopf gegangen?
„Oh Gott!“ Sieben Minuten Nachspielzeit sind schwer einzuschätzen, wenn man aufgeregt und in Jubelstimmung ist. Deshalb habe ich mich nicht darüber gewundert, dass die Leute schon von der Tribüne runter gekommen sind. Dafür war aber die Reaktion des restlichen Publikums super, die Leute auf dem Rasen aufzufordern, den Platz zu verlassen. Gemeinsam mit unserem Stadionsprecher haben wir das Spielfeld so in wenigen Minuten freibekommen. Bei der Pyro-Show der Berliner, die ja einen Abbruch provozieren sollte und zur Nachspielzeit geführt hat, hätten sich unsere Fans einfach mehr zurückhalten müssen. Dabei ist die Grenze in Sachen Pyrotechnik für meinen Geschmack überschritten worden. Trotzdem fassen diese letzten Minuten des Spiels sehr prägnant die letzten turbulenten 15 Jahre mit Fortuna zusammen.

Danach begann eine Diskussion um die Abschaffung der Stehplätze. Du hast dich gemeinsam mit anderen Fanbeauftragten in einem offenen Brief für deren Erhalt ausgesprochen. Warum?
Zunächst sind Stehplätze ein Teil der Fußballkultur in Deutschland. Außerdem möchte keiner so ruhige Stadien haben, wie es sie mittlerweile in England gibt, das der Politik ja immer als Musterbeispiel dient. In Berlin gibt es ja schon ein reines Sitzplatzstadion, trotzdem passiert dort immer wieder etwas. Zuletzt vor zwei Jahren, als die Fans den Platz nach dem Abstieg der Hertha gestürmt haben. Abgesehen davon werden die Leute auch weiterhin in den Kurven stehen, weil sie stehen wollen.

Was hältst Du vom Vorschlag der Kölner Polizei, die Fans hinter einen blickdichten Vorhang zu verbannen, sobald Pyros gezündet werden?
Durchaus ‚kreativ‘ der Ansatz, weil er auf die Selbstreinigungskräfte der Kurven setzt. Ich fürchte aber, dass die Selbstreinigung in diesem speziellen Fall in körperliche Auseinandersetzungen ausarten würde.

Wie sehr kann man als Fanbeauftragter sein Fanssein ausleben?
Das lebt man vor allem während der Woche aus. Man muss sich als Angestellter des Vereins eben in vielen Dingen zurückhalten. Von den Spielen selbst bekomme ich gar nicht viel mit, weil ich auch während der 90 Minuten gebraucht werde und für die Leute greifbar sein muss. Das ist halt der Nachteil an meinem Job.

Du hast also keinen festen Platz im Stadion?
Nein, meistens sitze ich erst montags vor Sky und schaue mir das Spiel in Ruhe an.

Auf welches Spiel in der ersten Liga freust du dich am meisten?
Emotional war der Aufstieg 2009 auf jeden Fall wichtiger für mich, auch wegen der Randerscheinungen des diesjährigen Aufstiegs. Deshalb kann ich gar nicht sagen, auf welches Spiel ich mich am meisten freue. Klar, gegen Gladbach wird es interessant. Gespannt bin ich auf die Reaktion unserer Fans in Hoffenheim nach Dietmar Hopps Spruch: „Das ganze Gerede von Traditionen verstehe ich nicht. Sehr viele Traditionsvereine sind längst verschwunden, oder wollen wir jetzt Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga holen?“ Fußballfans vergessen schließlich nicht …