Dein Sieg bei DSDS liegt acht Jahre zurück. Wirst du noch auf der Straße erkannt?
Ja, zuletzt sogar an Karneval, im Wikingerkostüm – was ich mir zugegeben auch damit erkläre, dass ich zuvor Gast bei Oliver Geissen in der „Chartshow“ war.

Wie reagieren die Leute auf dich?
Überwiegend positiv. Sprüche muss ich mir jedenfalls keine mehr anhören. In der ersten Zeit nach DSDS war das anders. Da bin ich bei einigen Konzertveranstaltern und Radiosendern abgeblitzt. Als Begründung hieß es meist nur: Wir wollen keine Castingacts.

Bei deiner DSDS-Teilnahme warst du bereits 23 und hast studiert. Woher die Bereitschaft, in eine Castingshow zu gehen?
Ich habe mit 15 meine erste Band Panta Rei gegründet. Es lief ganz gut, wir hatten ein Management, haben sogar im Vorprogramm von Reamonn gespielt. Was uns fehlte, war ein Plattenvertrag. In der DSDS-Jury saß damals Thomas Stein (ehemals Chef bei BMG/d. Red.). Ich dachte, ich drück ihm unsere Aufnahmen in die Hand, und dann bringt er uns groß raus.

Bereust du deine Teilnahme heute? Das Bild, das du in deinem autobiografischen Roman „Gecastet“ von DSDS zeichnest, ist ein eher kritisches
Das Buch ist keine Abrechnung oder so, denn eigentlich hatte ich eine gute Zeit. Dass Dieter Bohlen meine Stimme bei unserem ersten Aufeinandertreffen „an Frauenknast und ‚Hinter Gittern‘“ erinnert hat – geschenkt. Doch das Format hat sich verändert. Bereits in den Anmeldebögen werden heute Fragen gestellt, die nur auf den Skandal schielen. Und mit deiner Unterschrift trittst du automatisch alle Bild- und Tonrechte ab. Das überblickst du als junger Mensch gar nicht.

War das damals bei euch denn anders?
Wenigstens mussten wir uns nicht auf den Malediven im Bikini präsentieren. Die Einspielfilmchen waren noch harmloser. Wobei: Als die Quoten nicht ganz so durch die Decke gingen wie bei der Premierenstaffel, bat uns der Sender um ein paar gute, gerne auch erfundene Geschichten. Wir haben abgelehnt, waren ja größtenteils schon etwas älter – und hatten die Sache mit der Vorjahresfinalistin Juliette Schoppmann und deren Brust-OP noch gut in Erinnerung.

In „Gecastet“ schreibst du auch über deine Clubtour in den USA, dass du dort von Musikerkollegen und Publikum sehr unvoreingenommen empfangen wurdest. Hast du eine Erklärung dafür?
Das hängt möglicherweise mit dem American Dream zusammen. Wenn du hart arbeitest und Erfolg hast, wirst du in den USA dafür bewundert. In Deutschland ist der Neidfaktor höher. Das hat man auch bei Lena gespürt. Erst hieß es wow, und als sie dann zum zweiten Mal beim Eurovision Songcontest antreten wollte, ging das Geläster los.

Apropos Lena. Wie denkst du über Stefan Raab?
Es heißt ja, bei DSDS sei alles Plastik und bei Raab kämen die echten Musiker raus. Ehrlich gesagt: Bei „Unser Star für Baku“ habe ich weggezappt. Grund war das live laufende Televoting. Das hat mich an Klingeltoncharts erinnert.

Angenommen, du würdest in eine Jury berufen. Wärst du dabei?
Neulich dachte ich kurz, es wäre so weit. Ich bekam eine Mail von „The Voice of Germany“. Aber die wollten mich bloß als Kandidatin. Die Show war vielleicht ein bisschen zu Ponyhof, zu kritikfrei. Doch Ivy Quainoo ist ein Typ und für mich die verdiente Gewinnerin.

Interview: Eva Westhoff