Alexander, du spielst jetzt den Mephisto. Wie viel Teufel steckt in dir?
Sagen wir“s doch mal so: I was born to play this part. (lacht) Die Rolle liegt mir: nicht die Konvention, nicht die Langeweile, sondern Rock“n“Roll und Chaos. Goethes „Faust“ ist tatsächlich ein Brett. Aber der Teufel ist verdammt gut geschrieben. Der coolste Motherfucker on the planet.

Das heißt: Das ist eine Rolle, die dir richtig Spaß macht.
Das macht natürlich Spaß. Einen Steuerprüfer zu spielen macht viel weniger Spaß. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Rollen sind ja wie Reisen, man nimmt immer etwas mit. Eine E-Gitarre zum Beispiel.

Du hast nachher noch eine Bandprobe. Für den „Faust“?
Ja, es wird schön Livemusik geben. Goethe schreibt ja im Vorspiel: „Besonders aber laßt genug geschehn!“ Arbeitet mit allen Mitteln, mit allen Bühnen tricks. Aus allen Rohren feuern: Licht, Pyro, Video, Rock“n“Roll, Bumbum. Das ist vom Autor so gewünscht. Ich denke, das wird ein Musical.

Du hast schon als Postbote, Barkeeper und Friedhofsgärtner gearbeitet. Welcher Job war der beste?
Am geilsten war Postbote. Das war kurz nach der Wende und da wurde man tatsächlich noch nach Stunden bezahlt. Man konnte sich also Zeit lassen. Dann bist du zurückgekommen und hast gesagt: ,Das war aber wieder glatt heute morgen.´

Parallel dazu hast du versucht, als Schauspieler Fuß zu fassen.
Yeah! Es gibt wohl kein Off-Theater in Berlin, in dem ich nicht mal gespielt habe. Wir haben uns die Kostüme selber genäht, selbst geschminkt und auch noch die Kulissen gebaut. Richtig Off-Off. Aber von nichts kommt nichts.

Das war eine Zeit voller Freiheiten?
Grenzenlos, ja! Berlin war die Stadt der Stunde, der aufregendste Ort im Universum. Wir hatten Wichtigeres zu tun, als Abitur zu machen, die Welt wollte entdeckt werden. Unser Jahrgang ist dann auch komplett sitzen geblieben.

Welche Rolle haben Drogen gespielt?
Die waren gar nicht so wichtig, sie waren einfach da. Wie alles auf einmal da war, wovon wir im Osten geträumt hatten: Synthesizer, die Rolling Stones, Video, Girls, Techno und „Good Fellas“. Alles auf einmal. Ich war jeden Abend im Kino, nachts auf Party und in der Schule wurde dann gepennt. Bei der Hälfte der Lehrer bestand Stasiverdacht und neue Lehrpläne gab“s auch nicht. Die halbe Stadt stand Kopf und alle waren verrückt. Klar waren Drogen ein Teil davon. Aber merke: Du kannst auf LSD kein Theater spielen.

Wirklich wahr, dass du vor jeder Premiere in der Kulisse übernachtest?
Wo hast du das denn wieder gehört? Top Secret ist das. Aber unter uns: Ich brauche das, um sicher zu gehen, dass ich da am nächsten Tag rausgehen und das Ding zocken kann. Nach der Generalprobenparty, wenn alle nach Hause gehen, schleiche ich mich nochmal ins Bühnenbild und haue die Texte in den Saal. Das leere Theater hat dann eine ganz besondere Atmosphäre. Gegen Mitternacht schwirren da eine Menge Theatergeister herum, besonders in alten Häusern. Ein Raum voller Jahrhunderte. Da weiß man dann schon, wo es lang geht. Und wenn ich aufwache, ist Premiere.

Interview: Alexander Jürgs