Einer deiner Songs heißt „Zocken größer Ficken“. Im Ernst?
In der Hip Hop-Welt geben viele mit „Guck mal, mit wie vielen Weibern ich schlafe“-Lyrics an. Ich wollte das Gegenteil machen. Aber der Text ist auch ernst gemeint. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als Sex.

Was ist sonst deine Mission als Nerd-Rapper?
Das Uncool-Sein cool machen. Man kann nur das vertreten, was man war oder ist. Ich war früher ein Hänger, videospielsüchtig, extrem übergewichtig und ein krasser Außenseiter.

Wie bist du cool geworden?
In der Oberstufe habe ich viele Theaterstücke und Sketche geschrieben und auf einmal war ich der Chef. Aber erst, als mich mit 21 meine Freundin verließ, fing ich mit der Musik an. Und ich habe abgenommen. Ich wollte nicht mein ganzes Leben lang 120 Kilo wiegen und mich schlecht fühlen. Ich habe mir so einen unmännlichen Crosstrainer gekauft. Um mich zu motivieren, habe ich angefangen, „Lost“ dabei zu gucken. Ich durfte nur weiterschauen, wenn ich trainierte. Nach vier Monaten wog ich 80 Kilo.

Wie war es, als Sohn von Comedian Henni Nachtsheim aufzuwachsen?
Die 90er waren goldene Zeiten für Badesalz. Sie hatten Serien, CDs in den Charts, sogar einen Kinofilm. Einerseits war das cool, andererseits unschön. Als ich als Zehnjähriger mit meinem Vater im Holiday Park war, konnte ich genau zweimal mit ihm fahren. In den restlichen acht Stunden musste er Autogramme geben. Dafür bin ich mit meiner Freundin letztens nach Disneyland gefahren. Das Schönste auf der Welt war das.

Kennen deine Fans Badesalz noch?
Es passiert oft, dass Fans sagen: „Mein Vater hat Platten von deinem Vater im Regal.“ Mehr soll es auch nicht sein. Ich bin ja kein Ochsenknecht. Ich ziehe mich nicht am Namen hoch.

Du hast dich auch als Comedian versucht.
Da gibt es meinen oft erwähnten „Quatsch Comedy“-Auftritt. Ich war leicht betrunken und sehr unsicher und habe dann so richtig versagt. Den Auftritt gibt es Gott sei Dank nicht als Video – das wäre ein Youtube-Knaller! Cindy aus Marzahn hat an dem Abend als Newcomerin übrigens gewonnen.

Was sagt dein Vater zu deiner Rap-Karriere?
Am Anfang fand er das furchtbar. Er sagte: „Du machst zu sehr auf Eminem.“ Heute findet er meine Sachen cool.

Dein „Nerdy Terdy Gang“-Shirt verkauft sich dank Cro ziemlich gut?
Das Model in Cros „Easy“-Video trägt das Shirt. Das war damals ein Gefallen von ihm. Er war noch unbekannt. Und ich dachte: Cool, dann werde ich ein, zwei Shirts mehr los. Momentan verkaufe ich mehr Shirts als Musik.

Wieviel Nerd steckt noch in dir?
Es hat sich einiges verändert. In dem Moment, wo du Texte darüber schreibst, dass sich kein Mädchen für dich interessiert, fangen sie an, sich für dich zu interessieren. Mir fehlt jetzt oft die Zeit zum Zocken. Deswegen wird mein nächstes Albums auch ein bisschen anders. Aber der Grundton bleibt. Ich gehe immer noch ungern auf Partys und stecke mein Geld in Spiele, Filme oder ersteigere alte Gameboys aus der Kindheit.

Interview: Kathrin Rosendorff