Bald erscheint „Geteiltes Leid 3“. Zwischen dem ersten und dem dritten Teil dieser Trilogie liegen 14 Jahre. War das so geplant?
Nein. Ich habe zwischendurch viele Alben für andere wie auch für meine Band Glashaus produziert. Meine Solo-Platten profitieren aber bestimmt davon, dass die Abstände so groß sind. Wenn man sich die drei Teile hintereinander anhört, sind sie ein Manifest meines Erwachsenwerdens. Man kann mitverfolgen, wie ich vernünftig werde und viel weniger wütend bin. Für mich selbst ist das ein bisschen wie Tagebuch lesen.

Es gibt auf dem Album den Track „Halt aus“ gemeinsam mit Xavier Naidoo. Zwölf Jahre habt ihr nicht mehr miteinander gesprochen, stattdessen vor Gericht gestritten. Habt ihr euch versöhnt?
Das ist ein Thema, das ich irgendwann mit Xavier zusammen kundtun will. Ich kann nur so viel sagen, dass wir uns bei einem gemeinsamen Freund getroffen haben, der unglaublich darum bemüht war, dass wir uns sehen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

In „MNS“ singst du: „Und so bleib“ ich bei den Engeln vor dem Laptop mit Bier und schreib“ dir zu den Klängen das, was der Herrgott diktiert.“ Wie religiös bist du?
Weniger religiös als spirituell, würde ich sagen. Ich gehe nur selten in die Kirche. Mein Onkel ist Pfarrer in Wiesbaden. Er macht sehr schöne Gottesdienste.

Musstest du viel leiden im Leben?
Wenn ich das mich mit anderen vergleiche, dann überhaupt nicht. Ich habe mich bei der Kunst auf die schweren Sachen konzentriert, weil ich Dinge schwer nehme. Und dann lese ich einen Bonhoeffer, der in dunkelster Stunde in NS-Gefangenschaft Texte des Erbauens schreibt. Das hat mich unglaublich beschämt. Wenn man mein neues Album hört, merkt man, dass ich dieses Leid-Ding überwinden will.

Du hast gesagt, dass du zuhause „zu viel Liebe“ bekommen hast …
Zuviel war nur in dem Zusammenhang gemeint, dass es gar nicht zusammenpasst mit dem, was ich dann draußen in der Welt gesehen habe. Der Kontrast war einfach etwas hart. Es ist heftig, wie Menschen die eigene Fragilität oder die des anderen völlig ausblenden – als gäbe es die Möglichkeit gar nicht, andere zu verletzen.

Du sitzt jetzt in der „X Factor“-Jury: Woran liegt es, dass in deutschen Castingshows keine länger haltbaren Popstars wie in den USA eine Kelly Clarkson rauskommen?
Ich bin davon überzeugt, dass das möglich ist. Es gibt Dinge, über die ich mich momentan noch nicht äußern will, die diesem Ziel sehr im Wege stehen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Leute, die in den USA ernsthaft Musik machen, mehr honoriert werden.

Wie stehst du heute zur Geschichte mit Stefan Raab? Du hattest ihn nach monatelanger TV-Disserei gegen deine Person beim „Echo 1997“ die Nase gebrochen.
Natürlich finde ich nicht schön, was passiert ist. Und mir wäre lieber, es wäre nicht so gekommen. Aber wenn man ein bisschen anders miteinander umgeht, passieren auch gewisse Dinge nicht. Ich bin aber generell bereit, allen zu vergeben und um einen vernünftigen Umgang miteinander bemüht.

Interview: Kathrin Rosendorff