Sonya, du schreibst, dass Eltern geistesgestört sind. Alles okay bei dir?
Bei uns herrscht gerade Chaos. Wir, also meine drei Jungs und meine Mutter, sind gerade von Praunheim nach Bockenheim umgezogen. Der ganz Kleine wollte gerade nicht, was ich wollte – und deshalb sitze ich hier mit vollen Brüsten. Auch egal, man wird einfach hemmungslos. Ich habe eine Millionen Sachen auf meiner To-Do- Liste und dann gucke ich mein Baby an und denke: Ach, jetzt machst du mal 30 Minuten Kuschelpause. So ein Verhalten kannte ich von mir nicht, weil ich sonst alles so diszipliniert abarbeite.

Du hast jetzt schon dein viertes Buch geschrieben. Trotzdem glauben einige Kritiker, dass sexy sein mit Intelligenz nicht vereinbar ist.
Das ist so nervig. Ich muss immer noch darauf beharren, dass ich selbst schreibe. Auf der einen Seite akzeptiere ich, dass wir in Schubladen denken, weil das viel einfacher ist. Auf der anderen Seite ist das sowas von überholt, nur Frauen im Roll – kragenpulli und mit Pagenkopf eine gewisse Intelligenz zuzusprechen.

Apropos Rollkragenpulli. Verstehst du den Hype um die „Shades of Grey“- Romane, in denen eine brave Literatur studentin eine Sadomaso- Softporno-Liaison eingeht?
Ich habe zwar nur Auszüge gelesen, aber: Nein. Wenn ich mir lauwarmes Wasser über die Handgelenke laufen lasse, stimuliert mich das mehr. Was mich nervt ist, dass der Erfolg in den Medien unter dem Motto „Frauen wollen wieder genommen werden“ interpretiert wird. Diesen Ansatz finde ich ganz schwierig. Soll das die neue Emanzipation sein?

Im Buch sprichst du von „Blut graffiti an der Wand“ oder „Totalschaden im Untergeschoss“. Warum so krass? Bei meinen vorherigen Büchern hat sich meine direkte Art etabliert. Und da es nun einmal um eine Region unterhalb der Gürtellinie geht, liegt es in der Natur der Sache, nicht vornehm um den heißen Brei herum zu reden. Viele Leserinnen schreiben mir, dass ich ihnen aus dem Herzen spreche. Und ich kann auch verstehen, dass viele Mütter oft schlecht gelaunt sind. Man wird plötzlich wieder in so ein Rollenklischee reingepresst. Vorher war doch alles gut in der Beziehung: Einmal lag der eine oben, dann der andere. Und jetzt plötzlich bin ich Schuckel-Schuckel, Kochtopf, Putzen.

Du selbst warst nicht immer ein liebes Kind.
Eigentlich schon. Bis auf die Nummer mit dem Feuer. Meine Mutter war Direktorin, da habe ich einmal am Herd gezündelt und beinahe die Schule abgefackelt. Dann habe ich in meiner Puppenküche Feuer gelegt. Meinen 12-jährigen Babysitter habe ich angestiftet, mit mir aus dem Fenster Wunderkerzen auf Leute zu schmeißen.

Hast du nach der Babypause wieder Lust zu schauspielern?
Ich habe gehört, beim HR-Tatort ist gerade der weibliche Part frei. Und das, weil Nina Kunzendorf wohl eine Abscheu gegen viel Dekolleté und enge Hosen hat. Ich hätte da kein Problem! Ich muss jetzt aber selbst anfangen zu lachen, dass ich diesen Wunsch äußere. Da gibt es andere Kandidatinnen. Aber natürlich wäre es ein Traum, in einer Serie dabei zu sein, die in meiner Stadt spielt. Und ich bin ein großer Krimi-Fan.

Kathrin Rosendorff