Die grüne Bildungsdezernentin im Römer, Jutta Ebeling, ist überglücklich: In keiner hessischen Gemeinde gibt es mehr Krippenplätze für Kleinkinder als in Frankfurt. Das hat das Bundesamt für Statistik bestätigt: Mit einer Quote von 20,3 Prozent lässt Frankfurt Städte wie Darmstadt (18 Prozent) oder Offenbach (12,7 Prozent) weit hinter sich. Auf dem Land gibt es oft nicht einmal für jedes zehnte Kind einen Krippenplatz. Eine stolze Zahl lässt Ebeling das Frankfurter Ergebnis in einer Pressemeldung nennen. Wer selbst gerade auf der Suche nach einem Krippenplatz für seinen Nachwuchs ist, kann über die Zwanzigkommairgendwas nur lachen. Einen Betreuungsplatz für sein Kind zu finden, das ist vor allem Schwerstarbeit und ziemlich nervenaufreibend.

Da füllt man dann fleißig Anmeldebögen aus, fragt im Wochenrhythmus bei der Kita um die Ecke nach, welchen Wartelistenplatz man mittlerweile erreicht hat oder hofft mit vierzig anderen Elternpaaren bei einer Krabbelstubenbesichtigung auf den einen freien Platz im kommenden Jahr. Recht bald hat man sich in seinem Leben bei mehr Krabbelstuben als bei Arbeitgebern beworben. Mit den pädagogischen Konzepten der Einrichtungen setzt man sich besser gar nicht auseinander (höchstens um beim Bewerbungsgespräch Punkte zu sammeln!) – am Ende ist man froh genug, wenn man einfach irgendwo einen Platz bekommt. Kinder haben und trotzdem arbeiten gehen – dass das in einer deutschen Großstadt mehr als 20,3 Prozent aller Eltern wollen, sollte eigentlich klar sein. An Frau Ebeling ist das zum Glück auch nicht vollkommen vorbeigegangen. Jährlich 1100 neue Plätze für unter Dreijährige hat sie jetzt versprochen. Und 100 neue Kitas. Und – in naher Zukunft – eine Betreuungsquote von 50 Prozent. Wenn’s soweit ist, jubeln wir mit. Alexander Jürgs