HIER TUT SICH WAS: WESTHAFEN UND BAHNHOFSVIERTEL

Es ist noch nicht lange her, da machten Spaziergänger, die aus der City kamen, am Main auf Höhe der Friedensbrücke kehrt.Was sollte man hier, am Brachland des Westhafens? Dirk Körner wusste sofort, was er hier sollte, als er im Januar 2004 ins Erdgeschoss des Brückengebäudes kam, in einen Rohbau mit viel Glasfläche ringsum. „Hier konnte ich mir sofort eine tolle Restauration vorstellen. Mit Blick auf den Main und das Hafenbecken – eine außergewöhnliche und absolut schöne moderne Architektur direkt am Wasser.“ Die Frankfurter Botschaft entstand. Und mit Begeisterung und Wagemut traute sich der Gastronom (21. Jahrhundert, Kleinlaut & Brown) an weitere Westhafen- Projekte, eröffnete Mitte diesen Jahres die schöne Bar Marys und kurze Zeit später das Restaurant Lebensart mit integrierter Weinhandlung. „Die Pläne von einer schwimmenden Bar direkt auf dem Wasser mit dem ersten öffentlichen Bootsanlegesteg Frankfurts haben mich dazu ermutigt. Wenn ich jetzt die Atmosphäre der entstandenen Häuserzeilen links und rechts des Hafenbeckens spüre, empfinde ich – gerade bei Sonnenschein – ein intensives und positives Urlaubsgefühl. Mediterran, städtisch, großzügig.“ Großzügig angelegt ist auch die Hemingway Lounge, die bislang am westlichst gelegene Westhafen-Gastronomie, ein dreistöckiges Lokal, das kulinarisch die einzelnen Stationen Hemingways abdeckt und eine tolle Dachterrasse zu bieten hat.Man könnte meinen, der Westhafen sei Frankfurts neue Gastromeile. Denn schon ist das nächste Projekt in Planung. Nach langem Hickhack wird nun Ulrich Mlcoch (ehemals Frankfurter Haus, Neu- Isenburg) das Druckwasserwerk betreiben. Hier nämlich soll im Frühjahr 2008 ein Restaurant mit Sommergarten eröffnen. Während sich am Westhafen ein neuer Stadtteil etabliert, geht es im angrenzenden Bahnhofsviertel darum, das Image aufzupolieren. Oskar Mahler sitzt an einem alten Holztisch im ersten Stock der Schuhmacherei Lenz in der Münchner Straße, umringt von unzähligen Hämmern. Hier eröffnete er vor zwei Jahren das Hammermuseum. Die zweitgrößte Hammersammlung Deutschlands präsentiert das traditionelle Werkzeug als modernes Kunstwerk.

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Auch die von Oskar Mahler, der 1975 das Klappmaul Theater gründete, gefertigten Skulpturen sind hier ausgestellt. Denn Mahler ist Bildhauer. Statdtteilbildhauer. Und PRNaturtalent. Er initiierte eine Imagekampagne, schreibt Porträts über die Menschen des Viertels, und will, dass das Bahnhofsviertel als Visitenkarte der Stadt anerkannt wird. Seine Augen funkeln, während er davon spricht, dass die Gegend besser ist als ihr Ruf. Oder wenn er von den interessanten Menschen und den schönen Häusern hier schwärmt. Dass ihn die Straßenzüge an Paris erinnern, sagt er, und dass er von einem Theater wie dem legendären Schumann Theater im Viertel träumt. Ein kleines Varieté gibt es schon jetzt. Jeden letzten Sonntag im Monat veranstaltet Rotlicht- Fan Thorben Leo, Autor der Bücher „Frankfurter Kaffeeklatsch“ und „Frankfurter Bargeflüster“, gemeinsam mit dem Musiker Gabriel Groh im Nachtlokal Pik Dame in der Elbestraße den „Pik-Sonntag“ mit Tanz, Chanson, Zauberei und Cabaret. Gerade startet die dritte Spielzeit. Auch der Immobilien-Visionär Ardi Goldman wendet sich dem Bahnhofsviertel zu. In der Niddastraße, in einer Location, in der zur Zeit noch die Brüder Ardinast von der IMA Multibar (Ottostraße) ihre TsiTsi-Partys veranstalten, wird er im kommenden Jahr das zweite Frankfurter Goldman 25 Hours Hotel eröffnen. Auf dem Gelände, auf das auch die deutsche Levis-Zentrale ziehen wird, eröffnet er im Sommer 2008 ein „Jeans-Hotel“, das die Geschichte und Geschichten der Jeans assoziativ widerspiegeln wird. „Ich mag Veränderungen dort, wo ich was verändern kann, dort wo Leben ist“, sagt Goldman. „Das war auf der Hanauer so, das ist hier nicht anders. Damit meine ich keine komplette Veränderung, sondern die Wiederentdeckung eines Viertels.“ Bereits 2003 haben Micky Rosen und Alex Urseanu das Bristol Hotel in der Ludwigstraße eröffnet. Die Bar dort hat 24 Stunden geöffnet und ist längst mehr als ein Geheimtipp für Nachtschwärmer. Zwei Jahre später folgte das Design Hotel The Pure (Niddastraße). Neben den Hotels vermieten die beiden auch eine Eventlocation an der Nordseite des Bahnhofs: The Pure Basement, ein loftartiges Kellergewölbe in den Räumen des ehemaligen Hauptpostamts. Und 2008 soll dann ihr nächstes Hotel hier in der Gegend eröffnen: das „Roomers“ am Wiesenhüttenplatz.
Heike Klauer