Hammerwerferin zu werden ist kein typischer Mädchentraum, oder?
Nicht wirklich. Ich hatte auch erstmal das sehr mädchenhafte Hobby Reiten. Durch meine beste Freundin bin ich zur Leichtathletik gekommen. Mit 15 hat mich ein Hammerwurf-Trainer bei den Berliner Meisterschaften angesprochen. Das Hammerwerfen hat mir am meisten Spaß gemacht und ich bin dabei geblieben.

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Bei der Leichtathletik-EM in Helsinki bist du vorzeitig ausgeschieden. Erhöht das den Druck für Olympia?
Das wirft mich nicht aus der Bahn. Mein Fokus lag von Anfang an dieses Jahr bei Olympia. Mein EM-Scheitern motiviert mich sogar noch mehr.

Siehst du schon die Goldmedaille um deinen Hals hängen?
Darauf bin ich nicht fixiert, da ich in dieser Saison nicht so stabil werfe. Es gibt Konkurrentinnen, die in diesem Jahr schon weiter geworfen haben als ich. Eine Medaille ist aber mein Ziel.

Du hast bei Wettkämpfen immer einen sehr persönlichen Glücksbringer dabei.
Ja, den Betty Blues. Das Lied hat mein guter Freund Bernd für mich geschrieben, als ich 2007 Weltmeisterin in Osaka geworden bin. Ich höre den Titel immer beim Aufwärmen.

Mit 17 bist du ins Sportinternat nach Frankfurt gezogen. Hattest du Heimweh?
In der Schule habe ich durch die anderen Sportler-Jugendlichen relativ schnell Anschluss gehabt. Aber es hat Jahre gedauert, bis ich mich hier wohlgefühlt habe. Meine Freunde und Familie leben noch in Berlin – und so ist mein Herz dort. Nach meiner Sportlerkarriere möchte ich dorthin auch zurückgehen.

Du studierst Jura an der Goethe-Uni. Wie viel Studi-Leben ist drin?
Ich bin niemand, der groß Kontakte knüpft, oder eine Lerngruppe braucht, um voranzukommen. Ich besuche die Vorlesungen und fahre danach gleich ins Training. Ein normales Studentenleben habe ich nicht. Ich vermisse es auch nicht.

Dass alle Sportler Nutella-Brötchen frühstücken ist ein Klischee, oder?
Nutella-Brötchen esse ich tatsächlich jeden Morgen. Ich liebe es. Ansonsten achte ich schon auf meine Ernährung, aber ich zähle keine Kalorien.

Nervt dich, dass Fußballer die besseren Werbeverträge haben?
Der Fußball-Hype ist immer größer geworden. Jetzt investieren selbst die Sponsoren, die wir in der Leichtathletik noch hatten, nur noch in Fußball. Das ist schade. Nicht, weil ich mich so gerne dauernd im Fernsehen sehen würde, aber wir brauchen einfach Geld, um trainieren zu können. Finanziell kann ich die Unternehmen verstehen: Einen Banner im Stadion sehen Millionen. Unsere Wettkämpfe werden nicht einmal im Fernsehen übertragen.

Dabei ist Hammerwerfen nicht langweilig. Oder?
Die Wettkämpfe sind extrem spannend und wir Hammerwerferinnen sind auch schön anzusehen. Wir sind kräftig, aber athletisch – und weiß Gott nicht die Tonnen, wie man sich das so vorstellt. Man muss keine Größe 36 sein, um gut auszusehen. Also: Schaltet bei Olympia ein!

Bist du ein Fashion-Typ?
Ich verfolge die Trends. Nur auf Röhrenjeans muss ich wegen meinen paar Muskeln mehr am Körper dann doch verzichten (lacht)

Interview: Kathrin Rosendorff