NEUE IMPULSE FÜR ALT-BORNHEIM UND DAS NORDEND

Die Sonne kitzelt auf der Haut, es riecht nach Gras und Bratwürstchen, in der Luft hängt das Lachen aus zahlreichen Kinderkehlen, während die Erwachsenen auf ihren Picknickdecken auf der Wiese liegen. Der Günthersburgpark ist bei schönem Wetter eine Art Wallfahrtsort für alle Bornheimer und die Bewohner aus dem angrenzenden Nordend. Großmütter, Studenten, Alternative und besonders junge Familien genießen hier ihre freie Zeit. Am alten Teil Bornheims zeigt sich, dass alternativ längst nichts mehr mit der Birkenstock- und Müslikultur der achtziger Jahre zu tun hat. Auf der oberen Berger Straße findet man neben den alteingesessenen Traditionslokalen immer mehr Kneipen, die ein jüngeres Publikum anziehen. Entscheidend ist dabei allerdings, dass es um eines nicht geht: Sehenund- Gesehen-werden. Die Bornheimer wollen sich amüsieren, aber entspannt und ganz ohne den ständigen Hipnessfaktor. Auch durch die Erschließung des alten Straßenbahndepots mit Wohnraum und Einkaufsmöglichkeiten, die 2008 abgeschlossen sein soll, wird der Stadtteil von der Lebensqualität noch attraktiver werden. Davon ist Henry Walon Laurencio, Betreiber der Sugar-Bar, überzeugt. „Man braucht hier noch neue Impulse“, versichert er. Auch er wollte in dieser Ecke etwas völlig Neues machen. Gereizt hat ihn das „Versteckte, etwas Verstaubte“ der oberen Berger Straße. Gewagt fanden einige Freunde sein Projekt in dieser Lage. Aber es hat funktioniert.

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Dass die Gegend rund um den Uhrtürmchen- Platz noch viel Potential besitzt, hat auch Angela Longo vom Friseurladen Zeitabschnitt vor drei Jahren erkannt. „Zuerst haben wir den leer stehenden Laden in der Wiesenstraße entdeckt, dann haben wir unser Konzept entwickelt“, sagt sie. Ihr und den zwei Mitinhaberinnen, Alexandra Katnik und Bianca Brose, war schnell klar, dass sie auf die Bedürfnisse der Bewohner reagieren mussten. Deshalb haben sie eine Kinderbetreuung im Laden eingerichtet und Mode von Jungdesignern in ihrem Laden verkauft. „Das Familäre ist uns sehr wichtig“, betont sie. Und genau das lieben alle drei Mädels an Alt-Bornheim. „Hier ist soviel Leben wie in Berlin“, schwärmt Longo. Auch auf der anderen Seite des Günthersburgparks, im beschaulichen Osten des Frankfurter Nordends, wissen die Bewohner genau diese Mischung aus Familärem und Urbanität zu schätzen. Jochen Seufert, Inhaber des Restaurants Lua Ruby September mit Galeriebetrieb, hat eine persönliche Affinität zu diesem Stadtteil. In der Rotlintstraße hatte er seine erste eigene Wohnung. Seitdem lässt ihn die ruhige und trotzdem lebendige Atmosphäre des Nordends mit seinen Alleen und alten Bäumen nicht mehr los. Deshalb hat er das Lua Ruby nach einer Auszeit vor knapp zwei Jahren auch zum zweiten Mal in der selben Straße wieder eröffnet. In seinem Restaurant sitzen die Leute an einem Tisch zusammen, man fühlt sich wie bei Freunden zu Hause.

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Seufert weiß, dass so ein Projekt nicht in jedem Stadtteil funktioniert. „Bei mir brauchen die Leute Zeit“, erklärt er. Essen gehen soll etwas Besonderes sein, keine Massenabfertigung. „Das geht nur mit Menschen, die ein Bewusstsein dafür haben“, so Seufert. Und für die ihnen angebotene Qualität, denn in seiner portugiesisch inspirierten Küche verwendet er nur Bio-Produkte. Viele Stadtteilbewohner schauen gerne bei ihm vorbei. Auch um bei einem Kaffee mal den neusten Klatsch auszutauschen. „Flurfunk“ nennt Seufert diese alte Form der Informationsvermittlung. Die reicht bis zum Alleenring, wo vor kurzem Unity-Betreiber Mengi Zeleke mit seinen Brüdern Taff und Yeshi das „Ich weiss“ eröffnet hat. Lange Zeit standen die Räumlichkeiten in dem Hochhaus leer, jetzt erstrahlen sie in reinem Weiß.Wohlfühlen steht für die drei Brüder an erster Stelle. „Wir sind ein Wohnzimmer für jeden“, formuliert Mengi Zeleke ihr Anliegen. Es gehe nicht darum, eine neue Szene-Location zu eröffnen, sondern den vielen jungen Familien und den Menschen aus der Nachbarschaft einen Raum zu geben, in dem sich ein Wir-Gefühl entwickeln kann.
Melanie Luke