PRINZ: Kritiker fanden die Pro7-Show furchtbar, Teile des Publikums, vor allem das jugendliche, fand das Spektakel toll, weil trashig.
Friedrich: Sie haben Recht. Die Show hat das Publikum gespalten und zwar in wesentlich größerem Maße, als ich das erwartet hätte. Ich habe mir im Vorfeld die USA Version des Formates angesehen, dort saß neben Uri Geller auch ein Vertreter der Zauberkunst, der Magier Chriss Angel auf der „Beurteilungsbank“. Dies hat Uri Gellers Aussagen relativiert und so der Show ein größeres Maß an „Seriosität“ verliehen. Ursprünglich sollte das deutsche Format „Masters of Mystery“ heißen, der Titel wurde dann aber kurzfristig in „The Next Uri Geller“ umgeändert.
PRINZ: Bereuen Sie Ihre Teilnahme mittlerweile?
Friedrich: Ich habe in der Show eine Chance gesehen, meinen Bekanntheitsgrad zu steigern. In Deutschland geht das breitenwirksam wohl nur über die Fernsehschiene. Bisher war das deutsche Fernsehen der Auffassung, dass Magie und Zauberkunst im TV nicht funktionieren. Ohne eine Persönlichkeit wie Uri Geller hätte es vermutlich ein ähnliches Format niemals gegeben. Ich bereue meine Teilnahme nicht.
PRINZ: In der Show wurde der Eindruck erweckt, die Mentalisten verfügten über übersinnliche Fähigkeiten. Der skeptische Teil des Publikums hat diesen PR-Gag heftig kritisiert. Von „Zuschauerbetrug“ war die Rede.
Friedrich: Ich habe Zuschriften von Menschen erhalten, die mir vorwerfen mit billigen Tricks die Menschen zu betrügen. Ich habe niemals behauptet übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen. In der Presse wurde berichtet, die Teilnehmer hätten vertraglich zusichern müssen, über übersinnliche Fähigkeiten zu verfügen, das stimmt nicht!
In meinen Shows möchte ich Menschen faszinieren und zum Staunen bringen. Wenn ich einem erwachsenen Menschen für einen Moment strahlende Kinderaugen schenke, geht es dabei nicht um Realität, sondern um Fantasie und Imagination.
PRINZ: Was sagen sie zu dem Vorwurf, dass man die von ihnen und ihren Kollegen gezeigten Tricks in Zaubershops kaufen kann?
Friedrich: Die meisten der von mir gezeigten Kunststücke sind eigene Entwicklungen oder tragen zumindest meine sehr eigene individuelle Handschrift. Manche meiner Kunststücke, begeistern sogar Fachleute. Leider geht es sogar so weit, dass manche meiner Kunststücke illegal kopiert werden, aber das muss man wohl als Kompliment auffassen, rechtliche Handhaben sind im urheberrechtlichen Bereich, gerade bei Auslandsbezug sehr schwierig.
PRINZ: Uri Gellers Wirken ist seit den 70er Jahren immer wieder umstritten. Wäre es für sie tatsächlich wünschenswert gewesen, sein „Nachfolger“ zu sein?

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Friedrich: Da Uri Geller nach eigenen Angaben gar nicht aufhören will, ist die Sache mit dem Nachfolger eh mehr ein PR-Gag. Wie gesagt meine Motivation lag darin, vor einem Millionenpublikum aufzutreten und die Menschen zu faszinieren. Über die 100.000 Euro hätte ich mich allerdings auch gefreut…
PRINZ: In der Branche der Illusionisten spielt Uri Geller eher die Rolle eine Faktotums. Wäre es nicht viel aufregender, Weltstars wie Siegfried & Roy, Hans Klok oder David Copperfield nachzufolgen?
Friedrich: Klar, das ist der Plan, doch dafür muss man erstmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen und Claudia Schiffer ist ja nun verheiratet. Bisher haben die genannten Persönlichkeiten auch noch keinen Nachfolger via Castingshow gesucht, sonst wäre ich gerne dabei.
PRINZ: In ihrer aktuellen Varieté-Show sind sie bis Ende Mai einmal monatlich im Culture Club in Hanau zu sehen. Was kommt danach?
Friedrich: Wenn ich es schaffe, bundesweit die Theater zu füllen, würde ich sehr gerne auf Tour gehen, wir suchen gerade Häuser und Termine. Den aktuellen Stand findet man auf meiner Homepage www.nicolai-friedrich.de unter der Rubrik Termine.
PRINZ: Möchten Sie Uri Geller als Gast in ihrer Show wieder begegnen?
Friedrich: Uri Geller ist eine faszinierende Persönlichkeit mit einer tollen Ausstrahlung. Auch wenn wir uns in gewissen Dingen grundlegend voneinander unterscheiden, werde ich mich freuen, wenn wir uns wieder einmal begegnen.
Interview: Tobias Rüb