Elf Uhr morgens an einem Tag Ende Juni: Eine leichte Brise weht über den Main, die Sonne brennt noch nicht, sondern scheint angenehm warm, und das Quaken der Schwäne mischt sich mit elektronischem Dub-Reggae, der aus wuchtigen Bose-Boxen blubbert. Hans Romanov, Urgestein der Frankfurter Untergrund-Club-Szene, sitzt in einem gepolsterten Designer-Bürostuhl auf seinem Yachtklub – ein etwas heruntergekommenes Hausboot, das er in diesem Sommer gemeinsam mit Tomacz Palenicek (ehemaliger Mitinhaber des Moloko) zu einer Party- und Café-Location umfunktioniert hat. Wer Romanov noch als Macher von Ostklub, Riz Bar oder Maxim kennt, weiß, dass bei seinen Partys keine Radiohits laufen. „Hier gibt es Musik von Punkrock über Elektro bis Jazz und Klassik. Alles undergroundig oder experimentell“, sagt er.

Es ist schon etwas später am Tag, die Luft hat sich auf 28 Grad aufgeheizt, als Ramiz Meral sein Schiff klarmacht und am Mainufer unterhalb des Filmmuseums ankert. „Merals Imbiss“ steht auf dem Schild am Boot und es ist laut Meral „das wahrscheinlich einzige Dönerschiff Europas“. Er ist stolz darauf, dass er vor vier Jahren seine Idee von einem Dönerstand auf dem Wasser nach dem Vorbild Istanbuler Imbiss-Schiffe durchsetzen konnte. „Die Beamten vom Ordnungsamt haben erst einmal gelacht, es dann aber doch genehmigt“, erzählt er. Vor dem kleinen Boot, auf dem Rasenstreifen direkt am Ufer, hat er Decken ausgebreitet, auf denen seine Gäste Sardellenbrot und Döner essen, die selbstgemachte Zitronenlimonade seines Schwiegervaters trinken und den Blick auf die Skyline genießen. Hin und wieder bleiben Passanten stehen und zücken ihr Handy, um ein Foto von Merals Imbiss zu machen. „Das Schiff ist eine Sensation. Jeden Tag kommen Leute, schütteln mir die Hand und gratulieren mir zu dieser Idee“, sagt Meral.

Inzwischen haben die Banken Büroschluss und die Uferwiesen und Bänke vorm Maincafé, nur ein paar Schritte von Merals Imbiss entfernt, sind dicht bevölkert. Das war nicht immer so. In den siebziger und achtziger Jahren nahmen die meisten Frankfurter den Main lediglich als bräunlich-trübe Brühe wahr. Auf die Uferwege traute sich nach Einbruch der Dunkelheit kaum jemand. Erst in den Achtzigern wurde das Sachsenhäuser Mainufer nach und nach zu dem, was es heute ist: eine der bedeutendsten Museumsmeilen in Europa und Frankfurts beliebteste Entspannungs-Zone.

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In den ehemaligen Patriziervillen und den repräsentativen Neubauten am Schaumainkai sind Museen wie das Deutsche Filmmuseum, MAK, Architekturmuseum, Museum für Kommunikation, Liebieghaus und Städel untergebracht. Max Hollein, „Kunstkönig“ Frankfurts, leitet nicht nur die Schirn, sondern ist auch Direktor von Städel und Liebieghaus. Fast jede Ausstellung, die er konzipiert, sorgt in ganz Deutschland für Furore. Durch neue Konzepte hat er es geschafft, auch junges Publikum ins Museum zu locken. „Bei Veranstaltungen wie „Städel At Night“ vermitteln Kunsthistoriker in ungezwungenen Gesprächen ihr Wissen, regen zu Diskussionen an und danach gibt es eine Party“, erzählt Hollein. Und es steht noch eine spektakuläre Neuerung im Städel an: Die Ausstellungsfläche wird verdoppelt. Ende des Jahres soll mit den Arbeiten am Erweiterungsbau – einer unterirdischen Halle mit Bullaugenfenstern – begonnen werden.

Am entgegengesetzten Ende des Museumsufers ist in den vergangenen Jahren ein ganz neuer Stadtteil gebaut worden. Das Florentinische Viertel, dessen Mittelpunkt der Walther-von- Cronberg-Platz ist, auf dem der rote Backsteinbau des Main Plaza-Hotels in den Himmel ragt und riesige Wasserfontänen in die Höhe schießen. Drumherum gibt es Läden wie den Designermöbel- und Antiquitätenladen Salto Temporale und die italienische Trilogie aus Restaurant, Weinlokal und Bar, das Biancalani. Übrigens ein perfekter Ort, um den Tag am Main mit einem guten Essen oder einem leckeren Cocktail langsam ausklingen zu lassen.

Sylvia Meilin Weber